Online Gedenkseiten werden immer beliebter – und besser

Dienstag, 17. August 2010 12:00

Moderne Anbieter von Gedenkseiten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Mit ansprechendem, freundlichem Design, übersichtlicher Funktionalität und Zusatzdiensten werden die Portale für eine wachsende Anzahl von Menschen zu einer Anlaufstelle in ihrem Trauerprozess. Eines davon ist InFrieden.de

Gedenkseiten vor zehn Jahren in der Anfangszeit des Internets dagegen waren kuriose Webseiten, die in der Regel belustigt zur Kenntnis genommen wurden. Ihr Selbstverständnis war, ein „Friedhof im Internet“ oder ein „Portal in die Ewigkeit“ zu sein. Heute wissen wir: die Menschen werden immer noch in der Erde begraben und die Ewigkeit des Internet dauert solange, bis jemand den Strom abstellt. Religiöse Anklänge mit Unsterblichkeit, Ewigkeit und Paradies sind nicht mehr gefragt.

Bei InFrieden.de geht es weder um die Ewigkeit noch um die Illusion eines Friedhofs.

InFrieden

moderne Gestaltung

ewiges-licht

überholtes Design

Das Team von InFrieden.de versteht sich als Dienstleister, der seinen Kunden eine Möglichkeit bereit stellt, online einen Anker zum verstorbenen Menschen zu setzen. InFrieden.de schafft einen Ort, der jederzeit aufgesucht werden kann, um zu trauern und im Kontakt mit dem oder der Verstorbenen zu sein. Wie bei vielen Online-Angeboten gibt es eine kostenfreie und eine kostenpflichtige Variante des Angebotes. Letztere ist umfangreicher und hat erweiterte Möglichkeiten, die Gedenkseite zu individualisieren. Wer Freude an der Gestaltung hat, wird schnell zur Premium-Version wechseln, denn hier lassen sich mehr eigene Bilder, Musik- und Videodateien einbinden und ein Passwortschutz einrichten.

Mit wachsender Internetkompetenz veröffentlichen viele Menschen eigene Gedenkseiten. Die Profile in den Internet-Communities werden umfunktioniert zu Orten des Gedenkens. Eine Plattform wie InFrieden.de zu nutzen, ist dennoch für viele Menschen eine sinnvolle Alternative. Hier rennt das Leben nicht einfach wie in den Communities weiter. Kein Angehöriger muss eine Domain über Jahre hinweg aufrecht erhalten, bezahlen und pflegen.

Ratgeber zu den wichtigen Fragen beim Abschiednehmen, praktische Hinweise und Anlaufstellen für Trauernde und ein Branchenbuch runden das Angebot ab. Auch wenn momentan, gemessen an der Gesamtzahl der Verstorbenen, die Anzahl der Einträge noch gering ist: dieser Form des Angebotes gehört die Zukunft. Das Grab auf dem Friedhof und die Gedenkseite im Internet sind in unserer medialen Zeit kein Gegensatz, sondern ergänzen sich gegenseitig.

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Bonmot – nur gestorben

Samstag, 14. August 2010 14:40

Vor kurzem habe ich in eindrücklichen Bildern von meinem verstorbenen Vater geträumt. Eine Mutter erzählt, dass ihr Sohn, der mit 13 Jahren an Krebs gestorben ist, ihr drei Tage nach seinem Tod im Traum gesagt hat, dass er jetzt gut auf der anderen Seite angekommen ist. Ein Mann erzählt von einem Traum, in dem sein Vater sich in einem Gerichtssaal zu ihm umdrehte und ihn freisprach.

Ich erzählte einer Freundin von meinem Traum. Ihr Kommentar:

“So ist das mit unseren Lieben,
sie sind eben nicht tot, nur gestorben.”

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Jetzt mögen wir die GEZ noch weniger

Donnerstag, 12. August 2010 16:08

© James Steidl - Fotolia.com

In regelmäßigen Abständen bekomme ich Post von der GEZ. Sie auch? Meine Anmeldung haben die bereits, doch es könnte ja zwischenzeitlich noch ein Gerät dazugekommen sein.

Immerhin, die Schreiben sind freundlicher geworden, meine Symphatie war etwas gestiegen:

“Seien Sie fair. Melden Sie sich an.”

Nun ist sie wieder gefallen, denn laut einer Meldung der Südwestpresse verschickte die GEZ Briefe an zwei vor 18 und vor 20 Jahren verstorbene Kinder. Die Adressen waren von einem Adresshändler gekauft worden, der wohl die Geburtsmeldungen bei Standesämtern aufgenommen hat. Als die beiden volljährig wurden kam die Post. Die Eltern haben nicht schlecht gestaunt und reagiert.

Wieder etwas sympathischer wurde mir die GEZ durch die Meldung, dass der zuständige Abteilungsleiter angerufen und sich entschuldigt hat, der  Geschäftsführer werde sich schriftlich bei der Familie entschuldigen. Solche Dinge passieren, wenn Millionen von Daten durch die Ämter und Behörden geschoben werden.

gefunden auf gulli.com

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I’m not dead! – Scheintod auf Facebook

Dienstag, 10. August 2010 20:17

Vor kurzem erreichte Facebook die magische Zahl von 500.000.000 angemeldeten Nutzern. Als einzige der großen Internet-Communities hat Facebook inzwischen darauf reagiert, dass Mitglieder sterblich sind und hat ein Meldeformular eingerichtet. Andere Mitglieder, Freunde, Familienangehörige können Facebook vom Versterben der Person benachrichtigen und das Profil entweder löschen oder in einen Gedenkstatus setzen lassen (nur bestätigte Freunde können das Profil sehen, die Pinnwand dient den Kondolenzeinträgen). Als Nachweis reicht eine Todesanzeige oder eine Nachrichtenmeldung.

Da hat sich jemand einen Spass erlaubt, mit ungeahnten Folgen. Eine Person wurde als verstorben gemeldet und das Profil gesperrt. Simon Thulbourn geht so als erster “Facebook-Zombie” in die Geschichte ein.

Nachzulesen ist der Fall bei heute.de computer.

Simon Thulbourn war aber nur scheintot. Inzwischen ist er auch von Facebook wieder als Lebender anerkannt und sein Profil ist reaktiviert.  Er hat eine Webseite eingerichtet und seine Erfahrungen veröffentlicht.

I’m not dead!
Yes, according to Facebook, I’m still dead now alive.

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Thema: Digitaler Nachlass, Internet, Kurios bis Seltsam | Kommentare (0)

Schwester Tod – Buchempfehlung

Freitag, 6. August 2010 23:46

b-schwester-tod

Erni Kutter, Schwester Tod, Weibliche Trauerkultur, Abschiedsrituale, Gedenkbräuche, Erinnerungsfeste

Wer sich mit Ritualen und der Gestaltung von Abschiedsfeiern beschäftigt, kennt die Kluft zwischen den überlieferten Riten früherer Zeiten und der Ritenarmut moderner Begräbnisse. Gestorben wird meist in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, die sozialen Einheiten, in denen Menschen leben sind kleiner geworden, Lebensübergänge werden nicht mehr gestaltet. Historisch ausgerichtete Beschreibungen von Sterbe- und Abschiedsritualen vergangener Zeiten wirken wie museale Relikte.

„Schwester Tod“ von Erni Kutter ist hilfreich, weil es beides zusammenbringt. Die Autorin verbindet historisches, rituelles und praktisches Wissen in Bezug auf die Sterbegleitung und den Tod. Sterbebegleitung und Totenfürsorge waren in unserem Kulturkreis eine Domäne der Frauen. Diesen Erfahrungsschatz hat die Autorin aufgespürt und in einem übersichtlich gegliederten Aufbau zugänglich gemacht. Der Fokus auf die weibliche Tradition bringt in den Blick, was uns allen, Frauen und Männern, gut täte. Eine Stärke des Buches ist, dass die Autorin frühere Gebräuche und Riten so aufgreift, dass sie auch im heutigen Kontext durchführbar sind. Es geht ihr nicht nur darum, Früheres darzustellen, sondern darum, es wieder zu beleben und für unsere Zeit weiterzuentwickeln. [mehr...]

Dieser Artikel ist Beitrag 7 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie empfohlene Bücher.
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Thema: Empfehlungen, Sterbebegleitung | Kommentare (0)

#Aug bemerkenswerte Trauerreden: die Toten der Loveparade

Donnerstag, 5. August 2010 22:18

Langsam werden die medialen Bilder von dem Unglück bei Loveparade in Duisburg weniger. Doch die Betroffenheit hält weiter an. Die einundzwanzig Toten und mehrere hundert Verletzte bei diesem Event katapultieren unzählige Menschen in eine Auseinandersetzung mit dem Tod und in die Trauer hinein. Die Bilder vom Tunnel und der unvorstellbaren Menge Menschen, die Pressekonferenz mit den betretenen Gesichtern der Verantwortlichen und die Trauerfeier verzeichnen in unzähligen Internetportalen hohe Klickraten. Viele Menschen drücken ihre Gefühle in den Kommentaren und Foren aus.

Heute bin ich auf eine Seite gestoßen, die Teilnehmende der Loveparade auffordert, sich als Besucher einzutragen, um verläßlichere Zahlen zu bekommen als die, die in den Medien verbreitet werden. Diesen Aufruf gebe ich gerne weiter. Aktuell haben sich 130156 Menschen eingetragen.

Loveparade 2010 Duisburg Besucherzahlen
Hilf mit!

Die Rede von Hannelore Kraft bei der Trauerfeier gehört für mich zu den bewegensten Reden eines Politikers/ einer Politikerin. Was macht die Kraft dieser Rede aus? Sie stimmt nicht ein in den Chor derer, die irgendjemanden an den Pranger stellen wollen und die unheilvolle Energie moderner Rächer in die Welt tragen. Es geht ihr um die Klärung von Verantwortung für das Unglück. Viel wichtiger aber ist ihre Authentizität. Man hört ihr an, wie bewegt sie ist. Das hilft den Trauernden mehr als jede Schuldzuschreibung in irgendeine Richtung. Ein menschliches politisches Antlitz. Bewegend für mich auch ihre Worte an die Trauernden:

“Öffnen Sie Ihre Herzen, für alle, die Ihnen Trost spenden wollen.”

Wenn Menschen sich von diesem Unglück bewegen lassen, ihr Herz nicht verschließen, der Verlockung der Verfolgerposition mit ihrem Ruf nach Rache nicht nachgeben, dann kann die Trauer eine Menge bewirken. Eine Erfahrung von Verletzlichkeit, Menschlichkeit, Solidarität und Gemeinschaft.  Das wäre dann die echte Loveparade.

Das Video der Trauerrede.

Der Text der Trauerrede.

Dieser Artikel ist Beitrag 8 von 8 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.
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