Beiträge vom Februar, 2009

Begraben wir das gesunde Rechtsempfinden

Mittwoch, 25. Februar 2009 15:32

Zwei Zeitungsmeldungen nebeneinander gestellt.

Gestern schrieb FAZ.Net über den Freiburger Arzt Hans Peter Friedl: Trotz Kunstfehlern – Hohe Abfindung für verurteilten Chefarzt. Herr Friedl erhält durch einen Vergleich aus dem Etat des Klinikums eine Abfindung in Höhe von 1,98 Millionen Euro.

Heute schreibt FAZ.Net: Kassiererin verliert wegen 1,30 Euro ihre Arbeit. Ihr war nach 31 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos gekündigt worden. Es ging um die Einlösung von zwei Leergutbons.

Schon gut, mein privates Rechtsempfinden und das anderer Leute, ist keine juristisch gültige Kategorie. Hat auch mit Bestattungskultur nichts zu tun. Dafür aber mit Rechtskultur.

Thema: out of topic | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

“Gestorben wird immer!”

Mittwoch, 25. Februar 2009 9:51

Kaum spreche ich mit Menschen über meine Arbeitsbereiche, rutscht bei der Hälfte meiner Gesprächspartner/innen “Gestorben wird immer” über die Lippen. Wer in der Bestattungsbranche arbeitet, habe es deshalb gut, so die uninformierte Vermutung. Weniger gut haben es die Banker oder Autobauer, denn deren Geschäft ist nicht krisensicher. Hört und liest man ja jetzt überall.  Ohne Banken und ohne Auto könnte man leben, aber ohne den Tod….

Meistens überhöre ich bewusst und entschieden diese Bemerkung. Nein, ich will nicht erklären, dass die Bestattungsbranche auch den Regeln eines Marktes unterworfen ist.  Dass die Sterbezahlen einer Stadt eine Obergrenze haben und auf den einzelnen Bestatter mehr bestattungspflichtige Tote kommen, wenn es acht Beerdigungsinstitute gibt statt zwölf. Dass die Billigbestatter sich gegenseitig mit psychologischen Preisen unterbieten,  sodass ich mich frage: wieviel kostet dort der Posten “Würde” wohl zusätzlich. Dass die Menschen, die gerade reihenweise ihren Arbeitsplatz verlieren, natürlich bei der Bestattung sparen müssen.

Nein, all dies erkläre ich meinen Gesprächspartner/innen nicht. Denn sie haben ja recht: gestorben wird immer.

Thema: Bestatter, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Diskussion: Seebestattungen im Bodensee

Sonntag, 22. Februar 2009 19:28

Die Diskussion ist schon ein halbes Jahr alt, trotzdem interessant, weil sie grundsätzliche Fragestellung berührt.

Was meinen Sie? Sollen See-Bestattungen hierzulande erlaubt werden? Oder soll der Bodensee frei von Urnen bleiben? Diskutieren Sie mit!

Der Bodensee hat ein schweizer, ein deutsches und ein österreichisches Ufer. Wie ich es verstanden habe, wird von der Schweiz aus im Bodensee bestattet.

Eine Grauzone bleibt aber die Schweiz. Dort sind Seebestattungen erlaubt und werden auch von Deutschen genutzt.

Der Streit ging darum, ob zukünftig auch vom deutschen Ufer aus Urnen im See bestattet werden dürfen. Jetzt scheint festzustehen:

Auf deutscher Bodenseeseite wird es auch künftig keine Urnen-Bestattungen im See geben. Eine geplante Änderung des Bestattungsgesetzes regelt ganz klar, dass der Bodensee nicht zum „Totensee” wird. Die FDP hatte eine Liberalisierung gefordert. Für die CDU ist dies jedoch völlig tabu.

Die Diskussion dreht sich um Pietät, Trinkwasser, Wassermenge und Entendreck. Grillasche wird mit Totenasche verglichen, Deutsche mit Schweizern, Menschenwürde mit toten Fischen im See. Manche Beiträge zeugen von großer Unkenntnis. Denn Asche kann nicht mehr verwesen.

Denn die letzte Ruhe im Bodensee ist erheblich günstiger zu haben als eine reguläre Bestattung auf einem Friedhof.

Ob allerdings für die Deutschen, die auf die Schweizer Seite wechseln das Geld der Hauptgrund ist, bezweifle ich. Viele Menschen lieben den Bodensee, das Wasser, die Wellen. Damit wollen sie sich verbinden. Manche wollen eben nicht in ein Erdgrab auf dem umzäunten Friedhof.

Thema: Friedhof | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Urnengräber: Quadratisch und praktisch, gut?

Sonntag, 22. Februar 2009 15:41

"cimetière">Eric

Die Nachfrage nach pflegeleichten Grabstätten für Urnen steigt. Auf manchen Friedhöfen schießen die Urnenwände wie Pilze aus dem Boden. Es ist Zeit für eine Übersicht über diese Beisetzungsart.

1.  Für manche Leute praktisch, aber nicht unbedingt gut

Die anonyme Urnenbeisetzung: Praktisch ist es für die Sozialämter, die damit die Kosten gering halten wollen. Die Urnen werden meist frühmorgens von Friedhofsmitarbeitern auf einem dafür vorgesehenen Grabfeld beigesetzt. Das Grab erhält keine Kennzeichnung. Nur die Friedhofsverwaltung weiß, wer wo liegt. Nicht gut für die Menschen, die den/die Verstorbene kannten. Denn sie haben keinen Ort, zu dem sie gehen können.

2. Nur bedingt praktisch, aber schon besser

[...]

Thema: Friedhof | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Und die sind auch schon tot

Dienstag, 17. Februar 2009 16:21

Herr L. ist gestorben, er war Jahrgang 1926. Die Trauerfeier soll vorbereitet werden. Gerne möchte ich ein Bild von ihm sehen. Für die Witwe eine Einladung, die untere Schublade im Wohnzimmerschrank aufzuziehen und mehrere kleine Fotoalben hervorzuholen. (Diese untere Schublade der Schrankwand im Wohnzimmer ist ein beliebter Aufenthaltsort für Fotos.) Wenn ich vor meinem inneren Auge die vielen Gespräche vor Trauerfeiern Revue passieren lassen, sehe ich vor allem ältere Menschen, wie sie sich bücken zu den schlummernden Alben und sie aus ihrem Schlaf aufschrecken. Mir würden ja eins, zwei Bilder reichen. Doch wenn die Bilder zum Leben erwachen, wollen sie gesehen werden. Was ist ein Bild ohne den Betrachter?

Bedächtig und aufgeregt zugleich, blättert mir Frau L. die Alben vor. Herr L. in Shorts und braungebrannt, im Urlaub hier und dort, gemeinsam und allein. Und dann hält sie plötzlich Inne. Zehn Menschen sitzen um einen Tisch. Das Foto ist auf 1999 datiert, zehn Jahre sind seitdem vergangen. Alle schaut sie an, dann: „Und die sind auch schon tot.” „Die auch.” „Und die auch.” Einzig Frau L. befindet sich auf der Seite der Lebenden. Zu wem werden die Bilder noch sprechen, wenn auch Frau L. gestorben ist?

Es ist das Schicksal der über achtzig Jährigen, dass sie weitaus mehr Freunde unter den Toten haben als unter den Lebenden.

Thema: Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

„Dein Allesvorüber – mein Immernochda“ 3.-5.4.09

Freitag, 13. Februar 2009 23:25

Der Titel dieses Trauerseminars ist einem Gedicht von Marie Luise Kaschnitz entnommen, aus dem Gedichtsband “Dein Schweigen Meine Stimmme”, der nach dem Tod ihres Mannes entstand.

Dichterische Sprache ist verdichtete Erfahrung. Ich freue mich, wieder ein eigenes Seminar für Menschen anbieten zu können, die sich Zeit und Raum für ihre eigene Verlusterfahrung, Trauer und Lebensorientierung geben wollen. Im Schweigen und im Sprechen, in der Natur und mit den Menschen, verdichten sich die Erfahrungen zur unverwechselbaren eigenen Lebensgeschichte.

Termin: 03. – 05. April 2009 (Fr 16:00 – So 16.00 Uhr) in Hadamar-Oberzeuzheim (Nähe Limburg/ Lahn).

Link zu den Seminar-Informationen

Seminarhaus "Hirsenmühle"

Seminarhaus "Hirsenmühle"

Thema: Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky