Beiträge vom März, 2009

SchülerVZ sperrt Profile und Trauergruppen nach dem Amoklauf

Sonntag, 15. März 2009 20:08

Es geht wie eine Welle durch das Internet. Aktuell finden sich bei Google 32.700 Treffer für die kombinierte Suche nach “Amoklauf Winnenden” . Eine Woche zuvor hat niemand diese Suche eingegeben.

Die vor allem von Schülerinnen und Schülern genutzte Community schülerVZ hat schnell reagiert. Denn dort suchten sie alle nach Informationen für die Titelseiten, die Leute von den Medien.

Zwei gute Artikel habe ich auf mehrblog.net gefunden.  SchuelerVZ nahm die Profile der Opfer und des Täters heraus, um die virtuell Schaulustigen abzuweisen. Ebenso wurde eine Reihe von Gruppen gesperrt, die spontan eingerichtet wurden, um das Entsetzen ausdrücken und die Trauer mit anderen teilen zu können.

Als Grund dafür gibt das Unternehmen an, dass die Nutzer vor sensations suchenden Journalisten geschützt werden sollen – Die Betroffenen sprechen von Zensur.

Jüngere Menschen haben einen anderen Umgang mit Privatheit und persönlichen Informationen im Internet. In den Communities muss man sich registrieren, um dort lesen und schreiben zu können, doch das ist schnell gemacht. Wo die Jugendlichen die Eingriffe von SchülerVZ als Zensur empfinden, sehe ich den Schutz der Opfer und der Angehörigen. In der spontanen Betroffenheit werden Einträge gemacht, die allzu öffentlich sind. Sinnvoll ist es, in den Schulen, in den Klassen miteinander zu sprechen, was der Amoklauf auslöst, welche Ängste da sind, welcher Umgang untereinander, welche Gewalterfahrungen die Jugendlichen haben und wie darauf reagiert werden könnte. Ich bin sicher, auch dies ist momentan eine Welle, die viele erfasst.

Thema: Digitaler Nachlass, Internet, Trauer | Kommentare (2) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Gedenkseiten im Internet

Sonntag, 15. März 2009 15:48

Sie heißen ganz profan “Menschen-Gedenken”, “Kondolenzbuchservice” und “Portal der Erinnerung” oder mit religiösem Bezug „Ewiges Leben”, “Ewige Erinnerung” und „Paradies-Friedhof”.

Sie bieten Menschen die Möglichkeit, für Verstorbene einen Eintrag anzulegen. Zur Erinnerung, zum Gedenken, zum Trauern. Diese weltweit zugänglichen Todesanzeigen bieten neben Namen, Geburts- und Todesdatum die Möglichkeit eine (virtuelle) Blume ans Grab zu legen, eine (virtuelle) Kerze zu entzünden oder mit einem eigenen Kondolenzeintrag mitzufühlen. Die technischen Möglichkeiten sind immer einfacher zu handhaben, so kommen die Lieblingsmusik der Verstorbenen, Bildgalerien, Videosequenzen und das Versenden von Trauerkarten dazu. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Angebote deutlich vermehrt. Deshalb lohnt es sich, einen Blick auf diese kollektiven Internetfriedhöfe zu richten. Es gibt darüber hinaus private Gedenkseiten, individuell für einzelne Personen erstellt, die irgendwann einen eigenen Blog-Beitrag bekommen werden. Eine gute Übersicht vorhandener Gedenkseiten bietet der Open Directory Katalog.

Wie so viele Entwicklungen begann auch diese in den USA. Der Internetfriedhof cemetery.org existiert seit 13 Jahren. Für Deutschland sind ganze sechs Einträge verzeichnet. Seit Jahren gedenken die Deutschen selten virtuell, [...]

Thema: Digitaler Nachlass, Internet, Trauer | Kommentare (5) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Bonmot – der Begräbnisplatz

Sonntag, 15. März 2009 11:29

In Gesprächen mit Angehörigen von Verstorbenen fallen immer wieder Sätze, die kann man sich nicht ausdenken, nur merken. Bonmot von heute über einen Friedhof in der Lüneburger Heide:

“Da kannst du einen Begräbnisplatz erwerben, der gehört dir dann dein Leben lang.”

Thema: Bonmot, Friedhof | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Digital Natives und Digital Naives

Donnerstag, 5. März 2009 11:22

Digital Natives. Im letzen Beitrag habe ich unkommentiert diese neue Wortschöpfung benutzt. Wieder so ein Begriff, der aus den USA kommt. Bislang gibt es nur im englischsprachigen Wikipedia einen Artikel, in der deutschen Version noch eine Fehlanzeige. Gemeint sind die jungen Leute, die mit dem Internet und Mobiltelefonen aufgewachsen sind, geboren in den 80er Jahren. Es wird gerade viel über sie gesprochen, weil sie beginnen auf den Arbeitsmarkt zu drängen und mit ihrer Sicht der Dinge so manche herkömmliche Sichtweise in Frage stellen. Ihre Eigenschaften werden auf dem  Blog mobile-zeitgeist so beschrieben:

Digital Natives können Infos einfach schneller verarbeiten, sie besitzen eine geringere Konzentrationsspanne, jedoch eine verbesserte Augen-Hand Koordination. Weiters tendieren Natives dazu eine sehr emotionale Bindung zu ihrer Technologie wie Handys zu entwickeln, sie sind immer vernetzt, copyright ist ihnen ein Fremdwort und Information wird sowieso nur mehr digital konsumiert.

Wer nicht Digital Native ist, ist in der sich neu entwickelnden Nomenklatur Digital Immigrant. Ein Immigrant ist ein Einwanderer, gemeint hier: in die digitale Welt. Das sind all die Älteren, Alten und ganz Alten, die noch ein Leben ohne Internet und Mobiltelefon kennen. Im Grunde sind es die Digital Naives, die digital Naiven. Oder anders eingedeutscht: Es gibt die Digital Eingeborenen und die Digital Einfältigen.

Ich werde nie diese Geschwindigkeiten erreichen, eine SMS in die Tastatur meines Handys zu hacken. Nie werde ich ein Profil bei StudiVZ oder MySpace mein Eigen nennen. Ich erspare meinen Freunden eine öffentliche Beschreibung unserer gemeinsamen Aktivitäten. Ein Buch lese ich noch von vorne bis hinten durch und bekommen Augenschmerzen beim Scannen von Webseiten. Ich bekenne: ich gehöre zu den Digital Naives.

Auf der Cebit sagte einer der interviewten Newcomer: „Es gibt Plätze, an denen ich im Web lebe.” Für mich eine neue Sichtweise. Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich das Web nutze. Leben tue ich in Freiburg. Weiter meinte er, die Digital Natives würden die technischen Geräte als Verlängerungen ihres Körpers betrachten. Ich bleibe lieber digital naiv. Meine Körper ist das, worin mein Blut zirkuliert. Ich fühle mich nicht amputiert, wenn ich mal keinen Internetzugang habe.

Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich mit der Generation Internet auseinanderzusetzen, denn:

Auch im Job machen Digital Natives vieles anders als ihre Eltern: Sie ziehen zwischen Arbeit und Privatleben keine scharfe Linie, arbeiten vernetzt und nach Fähigkeiten, statt isoliert und nach zugewiesenen Funktionen. Sie wählen ihren Arbeitsplatz nach ihrer Vision, statt nach dem Status einer Firma. Und sie wollen flache Hierarchien.

Hört sich gut an. Wenn es der Generation Internet gelingt, die Arbeitswelt in diesem Sinne zu verändern, werde ich für dieses Land einen Einwanderungsantrag stellen.

Thema: Internet | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

„The death of distance” – Skype auf der Cebit

Mittwoch, 4. März 2009 17:47

Unbenommen, die ITK-Fachmesse Cebit ist ein wichtiges Ereignis für Menschen, die an der Entwicklung und Nutzung von Informations- und Telekommunikations-technologien interessiert sind. Aus dem Bereich webciety (ein Kunstwort, zusammen gesetzt aus Web und society) wird life übertragen.

Die Netzgesellschaft ist für viele zur Realität geworden. Sie verbringen in ihr einen Teil ihrer Lebenszeit. Menschen haben in der Netzgesellschaft ihren Arbeitsplatz und knüpfen Kontakte. Hier werden Informationen gefunden und Einkäufe getätigt. Es ist gerade mal 20 Jahre her, dass es die ersten grundlegenden Gedanken zum World Wide Web gab. Seit 10 Jahren nutzen zunehmend auch Menschen das Internet, die nicht zu den Digital Natives gehören.

Scott A. Durchslag, Chief Operating Officer von Skype spricht in einem Vortrag mit dem Titel “Creative Destruction: The Death of Distance and the Device in Empowering – The Converged Consumer” über den „Tod der Entfernung”. Über 400 Millionen Nutzer von Skype gibt es weltweit, in Deutschland nutzen annähernd 10 Millionen Menschen das Videotelefonieren über das Internet. Sind seine Beispiele, mit denen er die Emotionen der Zuhörer anspricht zufällig? Sicher nicht. Ein Sohn spricht via Skype mit seinem Vater, wenige Tage bevor dieser an Krebs stirbt. Eine deutsche Frau erlebt die Geburt ihrer Enkelin in New York. Ein polnischer Mann kann durch Skype an der Hochzeitszeremonie seiner Tochter in den USA teilnehmen. Scott A. Durchslag nennt dies Video-Erfahrung.

Acht Prozent des internationalen Kommunikations-Datenverkehrs werden über Skype abgewickelt. Diese neue Technik ermöglicht Menschen eine Art des Kontaktes, der früher undenkbar war.

Doch bei aller Begeisterung für die Technik – die körperliche Nähe, die Umarmung, den anderen zu fühlen, kann keine Technik dieser Welt ersetzen. Die Entfernung zwischen New York, Polen und London bleibt. Menschliche Nähe an den Lebenswenden ist berühren und gehalten werden, ist riechen, schmecken und umarmen, ist die Wärme des anderen, sind seine Tränen. Die neuen Techniken mögen in vielen Situationen dienlich sein. Sie werden nie das körperliche Zusammensein ersetzen können.

So bleibt „The death of distance” ein Slogan. Und die Nutzer von Skype bleiben “Converged Consumer” – einander angenäherte Konsumenten.

Thema: Internet | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Animationsfilme zum Thema Sterben auf 3sat.online

Montag, 2. März 2009 12:29

Am 20. April 2008 wurden sie zum ersten Mal ausgestrahlt, seitdem stehen Sie in der Mediathek 3sat zum Ansehen bereit. Ich finde, es lohnt sich!

Die Filme sind subjektive filmische Stellungnahmen zu Fragen wie “Wie bereiten wir uns auf das Ende vor?”, “Wie gehen wir mit dem Tod um” und “Gibt es ein Leben im Jenseits?”. Die Arbeiten wurden sehr unterschiedlich umgesetzt. Es wurden Zeichentrick, Stop-Trick, Computeranimation sowie Mischformen verwendet, die sich dem ernsten Thema mit viel Phantasie und Originalität widmen.

Als kleiner Vorgeschmack hier die Titel der Filme:

Das Knäuel
Rendezvous mit einer Toten
Zwei Sterben
Und wenn wir dann im Himmel sind
Gez: Tod
Die Wiedervereinigung der Familie Hofenberg

Dieser Artikel ist Beitrag 2 von 4 Beiträgen der Artikel-Serie empfohlene Filme.

Thema: Empfehlungen | Kommentare (1) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky