Beiträge vom März, 2009

Bonmot – das Gedenken

Montag, 16. März 2009 11:58

Bin über eine Überschrift im www gestolpert:  Geh denken! Das gilt für alle!

Das hat mich an ein Zitat erinnert:

“Viele Gedenkminuten hätten durch Denkminuten vermieden werden können.” (Wolfgang Eschker)

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SchülerVZ sperrt Profile und Trauergruppen nach dem Amoklauf

Sonntag, 15. März 2009 20:08

Es geht wie eine Welle durch das Internet. Aktuell finden sich bei Google 32.700 Treffer für die kombinierte Suche nach “Amoklauf Winnenden” . Eine Woche zuvor hat niemand diese Suche eingegeben.

Die vor allem von Schülerinnen und Schülern genutzte Community schülerVZ hat schnell reagiert. Denn dort suchten sie alle nach Informationen für die Titelseiten, die Leute von den Medien.

Zwei gute Artikel habe ich auf mehrblog.net gefunden.  SchuelerVZ nahm die Profile der Opfer und des Täters heraus, um die virtuell Schaulustigen abzuweisen. Ebenso wurde eine Reihe von Gruppen gesperrt, die spontan eingerichtet wurden, um das Entsetzen ausdrücken und die Trauer mit anderen teilen zu können.

Als Grund dafür gibt das Unternehmen an, dass die Nutzer vor sensations suchenden Journalisten geschützt werden sollen – Die Betroffenen sprechen von Zensur.

Jüngere Menschen haben einen anderen Umgang mit Privatheit und persönlichen Informationen im Internet. In den Communities muss man sich registrieren, um dort lesen und schreiben zu können, doch das ist schnell gemacht. Wo die Jugendlichen die Eingriffe von SchülerVZ als Zensur empfinden, sehe ich den Schutz der Opfer und der Angehörigen. In der spontanen Betroffenheit werden Einträge gemacht, die allzu öffentlich sind. Sinnvoll ist es, in den Schulen, in den Klassen miteinander zu sprechen, was der Amoklauf auslöst, welche Ängste da sind, welcher Umgang untereinander, welche Gewalterfahrungen die Jugendlichen haben und wie darauf reagiert werden könnte. Ich bin sicher, auch dies ist momentan eine Welle, die viele erfasst.

Thema: Digitaler Nachlass, Internet, Trauer | Kommentare (2) | Autor:

Gedenkseiten im Internet

Sonntag, 15. März 2009 15:48

Sie heißen ganz profan “Menschen-Gedenken”, “Kondolenzbuchservice” und “Portal der Erinnerung” oder mit religiösem Bezug „Ewiges Leben”, “Ewige Erinnerung” und „Paradies-Friedhof”.

Sie bieten Menschen die Möglichkeit, für Verstorbene einen Eintrag anzulegen. Zur Erinnerung, zum Gedenken, zum Trauern. Diese weltweit zugänglichen Todesanzeigen bieten neben Namen, Geburts- und Todesdatum die Möglichkeit eine (virtuelle) Blume ans Grab zu legen, eine (virtuelle) Kerze zu entzünden oder mit einem eigenen Kondolenzeintrag mitzufühlen. Die technischen Möglichkeiten sind immer einfacher zu handhaben, so kommen die Lieblingsmusik der Verstorbenen, Bildgalerien, Videosequenzen und das Versenden von Trauerkarten dazu. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Angebote deutlich vermehrt. Deshalb lohnt es sich, einen Blick auf diese kollektiven Internetfriedhöfe zu richten. Es gibt darüber hinaus private Gedenkseiten, individuell für einzelne Personen erstellt, die irgendwann einen eigenen Blog-Beitrag bekommen werden. Eine gute Übersicht vorhandener Gedenkseiten bietet der Open Directory Katalog.

Wie so viele Entwicklungen begann auch diese in den USA. Der Internetfriedhof cemetery.org existiert seit 13 Jahren. Für Deutschland sind ganze sechs Einträge verzeichnet. Seit Jahren gedenken die Deutschen selten virtuell, [...]

Thema: Digitaler Nachlass, Internet, Trauer | Kommentare (6) | Autor:

Bonmot – der Begräbnisplatz

Sonntag, 15. März 2009 11:29

In Gesprächen mit Angehörigen von Verstorbenen fallen immer wieder Sätze, die kann man sich nicht ausdenken, nur merken. Bonmot von heute über einen Friedhof in der Lüneburger Heide:

“Da kannst du einen Begräbnisplatz erwerben, der gehört dir dann dein Leben lang.”

Thema: Bonmot, Friedhof | Kommentare (0) | Autor:

Digital Natives und Digital Naives

Donnerstag, 5. März 2009 11:22

Digital Natives. Im letzen Beitrag habe ich unkommentiert diese neue Wortschöpfung benutzt. Wieder so ein Begriff, der aus den USA kommt. Bislang gibt es nur im englischsprachigen Wikipedia einen Artikel, in der deutschen Version noch eine Fehlanzeige. Gemeint sind die jungen Leute, die mit dem Internet und Mobiltelefonen aufgewachsen sind, geboren in den 80er Jahren. Es wird gerade viel über sie gesprochen, weil sie beginnen auf den Arbeitsmarkt zu drängen und mit ihrer Sicht der Dinge so manche herkömmliche Sichtweise in Frage stellen. Ihre Eigenschaften werden auf dem  Blog mobile-zeitgeist so beschrieben:

Digital Natives können Infos einfach schneller verarbeiten, sie besitzen eine geringere Konzentrationsspanne, jedoch eine verbesserte Augen-Hand Koordination. Weiters tendieren Natives dazu eine sehr emotionale Bindung zu ihrer Technologie wie Handys zu entwickeln, sie sind immer vernetzt, copyright ist ihnen ein Fremdwort und Information wird sowieso nur mehr digital konsumiert.

Wer nicht Digital Native ist, ist in der sich neu entwickelnden Nomenklatur Digital Immigrant. Ein Immigrant ist ein Einwanderer, gemeint hier: in die digitale Welt. Das sind all die Älteren, Alten und ganz Alten, die noch ein Leben ohne Internet und Mobiltelefon kennen. Im Grunde sind es die Digital Naives, die digital Naiven. Oder anders eingedeutscht: Es gibt die Digital Eingeborenen und die Digital Einfältigen.

Ich werde nie diese Geschwindigkeiten erreichen, eine SMS in die Tastatur meines Handys zu hacken. Nie werde ich ein Profil bei StudiVZ oder MySpace mein Eigen nennen. Ich erspare meinen Freunden eine öffentliche Beschreibung unserer gemeinsamen Aktivitäten. Ein Buch lese ich noch von vorne bis hinten durch und bekommen Augenschmerzen beim Scannen von Webseiten. Ich bekenne: ich gehöre zu den Digital Naives.

Auf der Cebit sagte einer der interviewten Newcomer: „Es gibt Plätze, an denen ich im Web lebe.” Für mich eine neue Sichtweise. Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich das Web nutze. Leben tue ich in Freiburg. Weiter meinte er, die Digital Natives würden die technischen Geräte als Verlängerungen ihres Körpers betrachten. Ich bleibe lieber digital naiv. Meine Körper ist das, worin mein Blut zirkuliert. Ich fühle mich nicht amputiert, wenn ich mal keinen Internetzugang habe.

Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich mit der Generation Internet auseinanderzusetzen, denn:

Auch im Job machen Digital Natives vieles anders als ihre Eltern: Sie ziehen zwischen Arbeit und Privatleben keine scharfe Linie, arbeiten vernetzt und nach Fähigkeiten, statt isoliert und nach zugewiesenen Funktionen. Sie wählen ihren Arbeitsplatz nach ihrer Vision, statt nach dem Status einer Firma. Und sie wollen flache Hierarchien.

Hört sich gut an. Wenn es der Generation Internet gelingt, die Arbeitswelt in diesem Sinne zu verändern, werde ich für dieses Land einen Einwanderungsantrag stellen.

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