Beiträge vom April, 2009

Humor auf dem Friedhof

Samstag, 11. April 2009 7:48

In den Seminaren für Friedhofsmitarbeiter wird regelmäßig die Frage nach dem Humor auf dem Friedhof thematisiert. Die Kursteilnehmer wissen von vielen Situationen zu erzählen, die einer gewissen Komik nicht entbehren. Für die Berufsgruppen, die mit Tod, Trauer und Bestattung zu tun haben, hat Humor eine wichtige Entlastungsfunktion. Ernsthaft ist die Arbeit, aber nicht todernst. Auch wenn Bestatter oder Trauerredner unter sich sind, wird viel erzählt und viel gelacht. Seit längerem gibt es den Blog eines Bestatters, der sich Tom nennt und in einem unterhaltsamen Erzählstil Erfahrungen aus seiner frei erfundenen Firma Pietät Eichenlaub zum Besten gibt. Er will auf unterhaltsame Weise informieren. Es scheint ihm zu gelingen, denn er schreibt von 1,8 Millionen Besuchern im Monat.

Dabei gibt es einen schmalen Grat, der Humor von Ironie oder Sarkasmus trennt. Auch das subjektive Empfinden der Menschen ist sehr unterschiedlich, worüber die eine herzhaft lacht, empfindet der andere als verletzend. Vielleicht weil das Lachen zur Entlastung beiträgt, frei nach dem Lied von Herbert Grönemeyer:

Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht.

Georg Schwikart hat in seinem Buch Jeder Tod hat sein Gelächter die Thematik humorvoll aufbereitet. Leider ist das Büchlein mit etwas Glück nur noch antiquarisch zu bekommen. Er zitiert alpenländische Grabinschriften:

Hier liegen meine Gebeine.
Ich wollt es wären deine.

Genauso wie Aussprüche von Kindern:

Mama, was wird aus den Menschen, die tot sind?
Die werden zu Staub.
Oh, dann liegen aber viele Tote unter meinem Bett.

Mein Lieblingswitz, den ich in der umfangreichen Sammlung von Beerdigungswitzen auf dem Seniorenportal Feierabend.de gefunden habe:

Als ich jünger war, hasste ich es zu Hochzeiten zu gehen. Tanten und großmütterliche Bekannte kamen zu mir, pieksten mich in die Seite, lachten und sagten: “Du bist der Nächste.” Sie haben damit aufgehört als ich anfing, auf Beerdigungen das gleiche zu machen…

Das Sterben hat eine sehr ernste Seite. Es fordert heraus, es ist nicht kontrollierbar und ängstigt viele Menschen. Ein humorvoller Umgang kann die Erstarrung und das Tabu, über den Tod zu sprechen lösen. Wenn dies nicht die einzige Annäherung an diese existenzielle Erfahrung bleibt, dann hilft der Humor das individuelle Sterben in der Verbundenheit mit allen anderen Menschen zu erleben. Ein schönes Beispiel dazu stammt von Eugen Roth (aus: Mensch und Zeit)

Man wird es in der Zeitung lesen,
Im bestenfalls, dass wir – gewesen.
Die Menschen ungerührt, ja heiter,
Sie leben, ohne uns, dann weiter.
Sie lieben, hassen, hoffen, raufen,
Bis ihre Zeit auch abgelaufen.
So gehen wir, wärn wir noch so munter,
Im Strom der Zeiten alle unter.

Der Humor im Angesicht des Todes fordert auf, sich über das eigene Leben Gedanken zu machen, damit nicht eines Tages auf dem eigenen Grabstein steht:

Er lebte still und unscheinbar
und starb, weil es so üblich war.

Thema: Bestatter, Friedhof, Kurios bis Seltsam, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

Abschied ist für mich…

Sonntag, 5. April 2009 10:44

… ein gutes Ende finden.

Abschieds-Mobil

Foto: Claus Völker

Das Abschieds-Mobil tourt durch Deutschland. Seit Mitte März fährt der Alu-Ei-Hänger mit der Pusteblume drauf von Stadt zu Stadt. Mit dieser Aktion will die Friedwald GmbH die Auseinandersetzung mit dem Thema Abschied wecken. Begleitet wird die Tour von einer eigenen Webseite, auf der alle Termine und Orte zu finden sind.   Jede/r kann selbst zur Autorin/ zum Autor werden und die eigene Erfahrung vom Abschied beitragen. Humorvoll, bewegend und nachdenklich sind die bereits vorhandenen Beiträge. Wenn auf dem Fahrplan der Halt in Freiburg erscheint, schaue ich gerne mal herein.

Mein Beitrag: Ein gutes Ende.

Manche Menschen versuchen den Abschied zu umgehen und wurschteln sich davon. Andere brechen einen Streit vom Zaun, so können sie leichter gehen. Dann gibt es noch die, die ausharren und auf bessere Zeiten warten. Ich kenne alle drei Verhaltensweisen bei mir selbst und beobachte sie ständig bei anderen Menschen.

Worum geht es? Was vermeiden wir Zaunstreiter, Wurschtler und Ausharrer?

Darauf gibt es nur eine Antwort: Wir vermeiden Liebe. Liebe inmitten der Vergänglichkeit. Denn wer liebt, dankt für die gemeinsame Zeit. Wer liebt, geht an Angst und Zorn vorbei in den dahinterliegenden Raum der Begegnung. Geht weiter, wenn der eigene Weg ruft und findet im Ende einen neuen Anfang.

Thema: Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Bonmot – das Versicherungsschreiben

Mittwoch, 1. April 2009 15:14

Haben Sie schon einmal versucht einer Versicherung einen Sachverhalt zu schildern? Kaum ein Mensch schreibt einfach wie sonst auch. Bei dem Versuch sich besonders verständlich zu machen, entsteht so manche Kuriosität. Ein Zitat aus den mitglieferten Textbausteinen in PhraseExpress (siehe Bonmot – die alten Leute) in der Rubrik “Versicherungsschreiben”:

“Ich habe nun so viele Formulare ausfüllen müssen, dass es mir bald lieber wäre, mein geliebter Mann wäre überhaupt nicht gestorben.”

Thema: Bonmot | Kommentare (0) | Autor: