Beiträge vom Mai, 2009

Bonmot – die Waschung

Mittwoch, 6. Mai 2009 13:42

Diskussionen in Foren sind oft eigenartig anpruchslos. Als Quelle verlässlicher Informationen sind sie nicht zu gebrauchen. Hier ein Beispiel zum Thema Bestattungsriten mit den schönsten Originalzitaten.

Die Ausgangsfrage:

Was gibt es denn so für Bestattungsriten in den Religionen? Wie sieht das z.b. im Islam aus?

eine Antwort:

Also im Islam ist es üblich den Verstorbenen nicht im sarg zu bestaten und man “Wäscht” ihn vorher bevor man ihn begräbt.

eine weitere Antwort:

Ich wasch mich bevor ich sterbe.

darauf die Antwort:

Dann hast du ja was mit Moslems gemeinsam!

darauf eine weitere Antwort:

nix da .. die waschen erst nach dem Tod … ich dusche lebendig jeden Morgen und abend…

die jemand anderen zur Ergänzung anregt:

Juden waschen sich vor dem Sterben selbst und werden danach gewaschen.

Ich habe es mir nicht ausgedacht. Hier die Quelle dieses geistreichen Dialoges.

Thema: Bonmot, Kurios bis Seltsam | Kommentare (0) | Autor:

Frauentouren auf Friedhöfen

Dienstag, 5. Mai 2009 17:00

© Karin Jehle - Fotolia.com

Berlin ist eine große Stadt. Insgesamt gibt es dort 221 Friedhöfe. Davon sind 182 geöffnet, 87 vom Land Berlin verwaltet, 118 evangelisch, 9 katholisch, 5 jüdisch , einer russisch-orthodox, einer muslimisch und einer britisch. Die Friedhöfe in Berlin nehmen insgesamt eine Fläche von rund 1.150 ha ein.

Das Angebot an Gräbern ist riesig, prominente Gräber gibt es zuhauf. Dieser Umstand ermöglicht ein ganz spezielles Angebot: Frauentouren auf Friedhöfen. Nein, es ist nicht nur eine regelmäßige Tour, von Grab zu Grab, von Frau zu Frau. Ganze neun verschiedene Touren stehen auf dem Programm von Frauentouren. Die Historikerin Beate Neubauer und die Politikwissenschaftlerin Claudia von Gélieu touren mit interessierten Frauen und Männern unter den Stichwörtern Dichterin, Heldenmädchen, Selbstmörderin, Frauengräber, weibliche Trauerskulpturen, Engel, Eros, Emanzipation, Todesgöttinnen,  Trauernde, Muttertag und Todestag.

Bei Friedhofsführungen werden die Gräber berühmter und wenig bekannter Frauen gezeigt und anhand der zahlreichen weiblichen Skulpturen und Engel wird der Frage nachgegangen, welche Rolle Frauen in der Begräbniskultur spielten. Mit frauenspezifischem Blick werden bisher betrachtet: die Epitaphien der Nikolaikirche, die Friedhöfe am Mehringdamm und der Sophienkirche, der Dorotheenstädtische Friedhof, Matthäuskirchhof, Friedhof Friedenau, Zentralfriedhof Friedrichsfelde sowie die Waldfriedhöfe Heerstraße und Stahnsdorf.

Geehrte und vergessene Frauen gibt es auf 221 Friedhöfen sicherlich eine Menge. In einer Übersicht über Gräber von Prominenten in Berlin zähle ich 91 Männer und 13 Frauen. Tja, da haben wir es mal wieder. Wer ist prominent? Wer will prominent sein? Wer bestimmt, wer prominent ist? Frauentouren hat sich auf die Fahnen geschrieben: “Ohne Frauen ging und geht nichts!”

Eine muss es ja mal laut sagen!

Thema: Empfehlungen, Friedhof | Kommentare (1) | Autor:

Bonmot – der Brunnen

Dienstag, 5. Mai 2009 9:50

Im Nachklang zum letzten Beitrag über die Gegenwärtigkeit des Krieges in den Menschen ist mir heute ein Gedicht von Rose Ausländer in die Hände gefallen.

Der Brunnen

Im verbrannten Hof
steht noch der Brunnen
voll Tränen
Wer weinte sie
Wer trinkt
seinen Durst leer

Thema: Bonmot, Gräber des Krieges, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

legt an. feuer.

Samstag, 2. Mai 2009 14:05

© Vera Tomankova - Fotolia.com

“Schreib doch mal ein Buch” habe ich öfter gesagt bekommen, wenn ich meine Geschichten aus dem Alltag einer Trauerrednerin erzählt habe. Als Rednerin bin ich nur noch ab und zu tätig. Ein Buch wird es wohl nicht geben. Jetzt habe ich ja diesen Blog. Doch die Geschichten gibt es immer noch.

Einmal wurde ich zu einer Beerdigung gerufen. Ein junger Mann war an Krebs gestorben. Seine Mutter kündigte mir an, dass ein Freund der Familie bei der Trauerfeier auch noch einige Worte sprechen wolle. Ihre Sorge war „hoffentlich spricht er nicht zu lange”. Ich habe versäumt nachzufragen, wer dieser Freund ist und in welcher Beziehung er zu dem Verstorbenen steht. In der Trauerhalle vergaß ich, dass da noch einer reden wollte.

Dafür sprach er am Grab. Er sprach von den ruhmreichen deutschen Soldaten, die für Deutschland im Kampf gegen den Bolschewismus gefallen sind und vom deutschen Heimatboden. Er ließ mit Befehlen eine Kompanie heran marschieren und stillstehen. “Legt an! Feuer!” Die Schüsse waren zu hören. Ein Salut für den Verstorbenen. Er überreichte der betroffenen Mutter des verstorbenen Helden einen Bilderrahmen mit einem Spruch über die Heimat darin. “Er starb im Kampf gegen den Bolschwismus im Dienst der Heimat.” Die Augen aller Anwesenden ruhten auf mir. Ich griff nicht ein in das Geschehen, ich war viel zu überrascht und in einer inneren Suchbewegung, was diese Situation bedeutet. Doch ich wusste, dass dies nicht das letzte Wort am Grab sein würde und gab die Erde ins Grab mit den Worten „Im Tod sind Freund und Feind gleich und miteinander vereint”.

Beim anschließenden Beerdigungskaffee stellte sich heraus, dass der ältere Herr zusammen mit dem Großvater des verstorbenen jungen Mannes in Stalingrad gewesen war. Er kam zurück, jener starb. Aber nur ein Teil von ihm war zurück gekommen. Der andere lebte mit den verstorbenen Kameraden in einer anderen gefühlten Gegenwart. Wir waren am Grab für wenige Momente Zeugen einer vergangenen Zeit.

Thema: Friedhof, Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: