Beiträge vom August, 2009

Einmal im Leben Kaiser sein – Krematorium Niederrhein Willich offiziell eröffnet

Montag, 31. August 2009 10:37

Am vergangenen Freitag wurde das neue Krematorium Niederrhein Willich offiziell eröffnet. Betreiber ist die Facultatieve Gruppe, die verschiedene Krematorien und Begräbnisstätten in den Niederlanden und Deutschland (Memmingen) betreibt. Seit dem Frühjahr 2009 finden hier Kremationen statt, die Feierhallen wurden in den vergangenen Monaten fertig gestellt.

Der Innenhof

Der Innenhof

Am Samstag 29.08. wurde zum Tag der offenen Tür eingeladen. Ich war in der Nähe, hatte also Gelegenheit mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. [...]

Thema: Bestatter, Friedhof, Trauer | Kommentare (1) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Der Blitz schlägt ein

Samstag, 29. August 2009 14:00

Kennen Sie das auch? Es gibt Zeiten, da wird plötzlich von verschiedenen Seiten ein Thema an einen herangetragen. Jahrelang im Hintergrund, rückt ein Thema durch die Anfragen in den Fokus. So geht es mir gerade zu dem Thema Trauer und Naturerfahrung. In kurzer Zeit ist eine Artikelreihe zu dem Thema entstanden, die ich in den nächsten Wochen immer Samstags veröffentlichen werde.

Blitzeinschlag

Blitzeinschlag

Mein Schlüsselerlebnis

Draußen allein in der Natur. Einfach nur dagesessen, geschaut, gespürt, wahrgenommen im Innern und um mich herum. Mein Blick fällt auf einen Baum. Es gibt so viele Bäume im Wald, doch bei diesem einen verweile ich. Ich lasse mich von seiner Geschichte berühren und bemerke, dass er meine eigene Geschichte berührt.

In diesen Baum ist der Blitz eingeschlagen. Ein Teil von ihm ist tief verletzt.

Warum hat es ausgerechnet mich getroffen? Er fragt nicht.
Wer ist Schuld an meiner Situation? Im Wald gibt es keine Moral.
Wenn ich dieses getan oder nicht getan hätte, wäre es es vielleicht anders gekommen? Bäume kennen keinen Konjunktiv.

Bäume sind anders als Menschen. Es gibt Fragen und Verhaltensweisen, die ich nur bei Menschen beobachten kann. Dieser Baum lebt mit dem Ereignis. Er jammert nicht und hält sich nicht damit auf, dem Blitz seine Schuld nachzutragen. Er spürt, dass er nicht ganz zerstört wurde. Seine Wurzeln sind intakt. Jede noch so kleine Lebensader nutzt er, um weiter den überlebenden Teil zu versorgen. Er treibt neue Zweige und Blätter aus. Er ist gezeichnet. Das Leben ist größer. Er lebt.

* Veröffentlichung des Bildes unter Creative Commons Lizenz

Dieser Artikel ist Beitrag 1 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie Trauer und Naturerfahrung.

Thema: Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Marilyn ich komme

Mittwoch, 26. August 2009 10:00

Die Grabstelle direkt über Marilyn Monroes Gruft wurde versteigert. Wenige Stunden päter trat der glückliche Gewinner von der Auktion zurück. Er hatte in seinem Geldbeutel nachgeschaut und festgestellt, dass ihm die nötigen 4 602 100 Dollar (3,2 Millionen Euro) fehlen.

Hier die vollständige Pressemeldung

So neu ist es nicht, dass Menschen in der Nähe von berühmten anderen Menschen begraben sein wollen und sich das einiges kosten lassen. Heute sind es die Gebeine der Stars und Sternchen, früher waren es die Gebeine der Heiligen. Je näher, desto besser. Denn die prominenten Knochen machen einen selbst berühmt oder heilig. Wie es beliebt.

Thema: Friedhof, Kurios bis Seltsam | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Süsser Sarg

Freitag, 21. August 2009 8:58

Der Tschechisch-Blog hat einen netten kleinen Artikel über süße Särge im Altersheim veröffentlicht. Dort wird Gebäck im Sargform als “kleiner Sarg mit Sahne” verkauft. Fragen Sie mich bitte nicht, wie man rakvciky se šlehackou* ausspricht. Meine Oma konnte Tschechisch  sprechen, aber die kann ich nicht mehr fragen.

*(die c mit umgekehrten Dach obendrauf, dass Zeichen scheint der Wordpress Zeichensatz nicht zu enthalten)

Thema: Kurios bis Seltsam | Kommentare (3) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Wie halten Sie es mit der Erinnerung

Donnerstag, 20. August 2009 11:00

Es gibt Wohnungen, in denen fühle ich mich wie lebend in einem Museum begraben. Sie sind wohlsortiert, aber irgendwie tot. Andere sind von einer gradlinigen Ästhetik, aufgeräumt, kein Staubmäuschen, keine Staubfänger, bewundernswert und beängstigend zugleich. Dazwischen Wohnungen mit vor Kleinkram überquellenden Regalen, Sammelsurien von Mitbringseln von Märkten und Stränden dieser Welt. Den Dingen haftet Vergangenheit an. Es sind Erinnerungsstücke an Menschen, Orte, Gefühle, Lebensphasen.

Momentan lese ich das Buch “Eine Waise sozusagen” von Eleonora Lev. Vieles fragt mich an: wie gehst du mit der Vergangenheit um, dem Bekannten und den Lücken in deiner Familiengeschichte. Mit den Gegenständen, den Fotos, den Erinnerungen.

“Ich sammle keine Vergangenheit,” hat mir einmal jemand gesagt, als ich ihn verständnislos fragte, wie er Erinnerungsstücke wegschmeißen und sich mit solcher Leichtigkeit von Gegenständen trennen könnte.

(Eleonora Lev)

Thema: Bonmot, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Menschliche Überreste aus dem Marienburger Massengrab beigesetzt

Sonntag, 16. August 2009 18:09

Transport der Marienburger Toten

Transport der Marienburger Toten

Der Fund des Massengrabes in Marienburg hatte im Januar 2009 für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Über die Hintergründe wurde je nach polititischer Ausrichtung unterschiedlich spekuliert. Von Typhustoten, von Hingerichteten, von Verhungerten war die Rede. Von Russen ermordete Deutsche, von Polen ermordete Juden, von Polen ermordete Deutsche, von Deutschen ermordete Juden – alles war im Angebot. Ausführlich hat polskaweb.eu über die Entwicklungen berichtet.

In einer Pressemitteilung des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge heißt es.

Die Untersuchung der menschlichen Überreste, die von Oktober 2008 bis April 2009 aus einem Massengrab in Malbork/Marienburg geborgen wurden, ist abgeschlossen. Der Chirurg und Gerichtsmediziner Dr. Leszek Zacharczuk teilt dazu mit:

Die genaue Zahl der Toten ist nicht zu ermitteln. Nach der Anzahl der gefundenen Schädelknochen handelt es sich um 2111 Menschen, nach der Anzahl der identifizierten Oberschenkelknochen sind es 2116 Menschen. Unter ihnen sind 1001 Frauen, 381 Männer, 377 Kinder und 352 Menschen, deren Geschlecht und Alter nicht bestimmt werden konnten. (…)

Der Zustand der meisten Gebeine lässt vermuten, dass diese Menschen durch Krankheiten, Unterernährung oder Erfrierungen gestorben sind. Angesichts der Zeitumstände ihres Todes waren es wahrscheinlich in ihrer überwiegenden Zahl deutsche Zivilisten, die zwischen Januar und März 1945 ums Leben kamen.

Am 14. August 2009 wurden die Marienburger Toten auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Stare Czarnowo bei Stettin bestattet. Geistliche aus Polen und Deutschland gestalteten die Trauerfeier, an der über 400 Menschen teilnahmen. Damit hat die Instrumentalisierung der Toten hoffentlich ein Ende. Alle Toten dieses Krieges sind würdig zu bestatten und zu betrauern, Deutsche, Polen, Russen, Juden und all die anderen.

Thema: Friedhof, Gräber des Krieges, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky