Beiträge vom September, 2009

muslimisch christliche Beerdigungen

Dienstag, 29. September 2009 14:50

Vor einiger Zeit war ich Gast bei einer Beerdigung. Gestorbenen war das erstgeborene Kind eines Paares, das aus zwei Religionen und Kulturen kam. Sie war Christin, er Muslim.

Die Bestattung begleitete ein evangelischer Pastor. Es war so traurig. Nicht nur wegen des Kindes. Der Pastor legte eine klassisch evangelische Beerdigung hin. Kein Wort von den verschiedenen Kulturen. Kein Wort davon, was es für die Familie bedeutet, dass dieses Kind gestorben ist. Keinerlei Text oder Gebet aus der muslimischen Tradition. Die Herkunft des Vaters, seine Bedürfnisse und das religiöse Empfinden der Hälfte der Trauergäste wurden schlichtweg ignoriert.

Diese Beerdigung fiel mir wieder ein, als ich heute auf eine Arbeitshilfe gestoßen bin, die sich dieses Themas annimmt.

«Zu Ihm kommt ihr alle zurück»
Handreichung für christlich-muslimische Trauerfälle

Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen, behandelt die Arbeitshilfe die Themen Gericht und Auferstehung, Sterben und Begräbnis und gibt Hinweise auf Materialien und nützliche Literatur.

Aus der Einleitung:

“Die Zahl der religionsverschiedenen Ehen hat zugenommen. Es kommt immer öfter vor, dass bei einem Trauerfall Menschen islamischen Glaubens mit betroffen sind, sei es dass sie zu den engsten Angehörigen zählen oder dass sie zum familiären Umfeld oder zum Freundes- und Bekanntenkreis gehören. Die pastorale Begleitung eines solchen Trauerfalls muss islamische Gegebenheiten und Gefühle berücksichtigen, ebenso die Gestaltung der Trauerfeier.

Doch worauf ist besonders zu achten? Mit welchen Vorstellungen und Erwartungen ist bei muslimischen Beteiligten zu rechnen? Worauf kann und soll bei einer christlichen Beerdigung Rücksicht genommen werden? Dies können Fragen sein, die eine Pfarrerin oder einen Pfarrer beschäftigen.”

Doch nicht nicht nur für Pfarrerinnen und Pfarrer ist das Thema interessant. Auch Bestatter, Trauerredner und Friedhofsmitarbeiter treffen immer häufiger auf gemischt religiöse Trauergemeinschaften.

Die Arbeitshilfe betont:

“Es handelte sich bei der beschriebenen Liturgie nicht um eine interreligiöse Feier.Vielmehr war es eine katholische Beerdigung, in die ergänzend einzelne Elemente aus der Praxis muslimischer Beisetzungen Eingang gefunden hatten. Aus dem muslimischen Ritus war im Anschluss an die Beerdigung die Rezitation aus dem Koran hinzugekommen. Erde ins Grab zu werfen, ist in beiden Religionen gebräuchlich.”

Alle anderen Berufsgruppen sind freier, sie müssen nicht eine bestimmte Liturgie vertreten. Sie können einfach die Angehörigen fragen, wie eine Gestaltung der Trauerfeier aussehen könnte in der beide religiösen Traditionen zu ihrem Recht kommen. Die Angehörigen sind dann selbst die Experten ihres Lebens, auch ihres Abschiedes.

Die Arbeitshilfe nimmt sich eines wichtigen Themas an und enthält Texte und Gebete aus dem Christentum und dem Islam. Deshalb nehme ich sie gerne zur Hand.

Erhältlich online oder bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Fachstelle Migration, Speichergasse 29, 3011 Bern

© Bern 2008 Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn/ Fachstelle Migration und Katholische Fachstelle Kirche im Dialog, Bern.

Thema: Friedhof, Trauer, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

Projekt Care and Art

Samstag, 26. September 2009 14:00

© darknightsky - Fotolia.com

Zum ersten Mal kam ich mit LandArt in Kontakt als ich vor Jahren den Film Rivers and Tides sah. (Thomas Riedelsheimer, Andy Goldsworthy, Fred Frith: Rivers and Tides. Andy Goldsworthy working with time.  Berlin 2001) Die Zustimmung zur Vergänglichkeit, die Leichtigkeit natürlicher Materialien, die Ruhe in der Arbeit – das alles hat mich sehr beeidruckt.

In Anlehnung an die Kunstrichtung LandArt nutzt das Projekt Care and Art die Erfahrungen der Arbeit in und mit der Natur. Den inneren Bildern können Menschen eine äußere Gestalt geben, in liebevoller und achtsamer Verbindung mit den Gefühlen der Trauer. Begleitet werden sie von Maria Traut und Piet Morgenbrodt. Mir gefällt es, wie sie ihre Arbeit beschreiben: kein großer Wortschwall, sondern eine achtsame Einladung, sich von der Natur berühren und inspirieren zu lassen und selbst kreativ zu werden, vielleicht nur für einen kurzen Moment. Nichts muss, vieles kann entstehen.

Dieser Artikel ist Beitrag 5 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie Trauer und Naturerfahrung.

Thema: Empfehlungen, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Buchempfehlung – Wie der Tod dem Leben dient

Donnerstag, 24. September 2009 16:00

Abschied und Sterben im Familien-Stellen

Für manche mag der Titel sperrig klingen. Wie soll der Tod dem Leben dienen können, ist er doch oft genug ein unwillkommenens Ereignis. Jemand stirbt, man selbst bleibt zurück und muss mit dem Verlust klarkommen.

Das Buch von Thomas Schäfer weitet den Blick. In der systemischen Aufstellungsarbeit steht der einzelne Mensch und sein Schicksal im Zusammenhang mit allen Toten und Lebenden in seiner Familie. In Aufstellungen kann man sehen, wie die Einstellung zu den Toten die Lebenden beeinflusst. [...]

Dieser Artikel ist Beitrag 2 von 14 Beiträgen der Artikel-Serie Empfohlene Bücher.

Thema: Empfehlungen, Systemisches, Trauer | Kommentare (1) | Autor:

Projekt Gipfelstürmer

Samstag, 19. September 2009 12:00

„Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann,
so ist es der Glaube an die eigene Kraft.“

Dieses Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach stellt Hans-Georg Renner seinem Projekt Gipfelstürmer voran.

Es gibt Gipfel in unserem Innern, die wir erklimmen können. Trauerarbeit ist kein gerader und bequemer Weg, sondern ein manchmal steiler und unwegsamer Pfad. Wie beim Bergsteigen braucht man Weggefährten, oft genug einen Führer.

Das Projekt Gipfelstürmer

ist ein Angebot in der pädagogischen Arbeit mit Jungen in der Adoleszenz. Herkömmliche Gesprächsangebote erreichen die Zielgruppe nur begrenzt. Mit den Erfahrungen aus der Erlebnispädagogik und der Sterbe- und Trauerbegleitung hat Hans-Georg Renner ein Angebot geschaffen, das dieser Situation gerecht wird.

Gerade Jungs tun sich schwer mit der Trauer. In einer Entwicklungsphase, in der die Gefühle sich ständig drehen, in der die Gruppe der Gleichaltrigen wichtig ist und in der sie ihre ersten Erfahrungen mit den Mädels machen, ist die Trauer eine große Herausforderung. Ein Gipfel , der erklommen werden will. Wo Gesprächsangebote scheitern, beschreibt Renner die Möglichkeit die Jungen über ein handlungsorientiertes Angebot zu erreichen. Gerade die Sinneserfahrungen in der Natur bieten sich aus der Überzeugung heraus an, dass, wer Sinn sucht mit seinen Sinnen beginnen sollte.

Um die Herausforderung annehmen zu können, müssen zunächst im eigenen Inneren Berge versetzt werden: die eigene Gefühlswelt als wichtig erachten und Selbstvertrauen entwickeln. Mehrere Treffen zum Kennenlernen und zur Vorbereitung finden ihren Höhepunkt in einer siebentägigen Bergtour. Denn wer sich nicht real auf den Weg macht, wird den Gipfel nie erklimmen.

Literatur:
Hans-Georg Renner, Mit trauernden Jungen Berge versetzen” (Heft 4/2009 Zeitschrift für Erlebnispädagogik)
Link zur Webseite des Anbieters .

Dieser Artikel ist Beitrag 4 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie Trauer und Naturerfahrung.

Thema: Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Warum sich bloggen lohnt

Mittwoch, 16. September 2009 9:30

“Ich bin gerade auf Ihren Blog gestoßen und wirklich begeistert von den Beiträgen und Dingen die Sie hier so sammeln. Besonders der Bereich Empfehlungen gefällt mir sehr gut.”

Diese Rückmeldung hatte ich vor kurzem in meinem Postfach. Das erwärmt mein Herz und bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass Informationen dazu da sind um weitergegeben zu werden.

Früher, was habe ich da Zeit in Bibliotheken verbracht und Kataloge durchgeblättert. Den Ordner voller ausgeschnittener Zeitungsartikel habe ich irgendwann unbearbeitet im Altpapier entsorgt.

Ich gebe zu, ich bin begeistert von den Möglichkeiten der digitalisierten Information. Inzwischen ist nicht mehr das Finden von Information das Problem, sondern Informationen zu systematisieren und zu verarbeiten.

Für mich ist der Blog auch so etwas wie eine veröffentlichte Materialsammlung und die Möglichkeiten die Inhalte zu diskutieren (was zugegebenermaßen wenig genutzt wird). Manche Menschen hüten ihr gesammeltes Material wie ihren Augapfel. Was sie sich selbst mühsam erarbeitet haben, das soll ihren Vorsprung vor anderen sichern. Solche Gedanken sind mir nicht fremd, doch inzwischen schätze ich die Kontakte die über den freien Austausch entstehen sehr. In Webdeutsch wird das community genannt.

So ist es gedacht: profitieren Sie von dem hier vorgestellten Material. Wenn es benutzt wird, dann profitiert am Ende die Sterbe-, Bestattung- und Trauerkultur. Dann habe nicht nur ich was davon, sondern die Menschen.

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