Beiträge vom Oktober, 2009

Ich liebe diese Fremdwörter

Donnerstag, 29. Oktober 2009 11:15

Neulich bin ich über ein neues Fremdwort gestolpert: Prokrastination. Anscheinend laufe ich nur noch mit dem Tunnelblick durch die Gegend, der überall eine Neuheit bei den Bestattungen wittert. Sofort vermute hinter diesem Wortungetüm eine neue Art des Umgangs mit dem Leichnam.

Passt doch wunderbar in die Reihe:

Kremation – Promession – Resomation – Prokrastination

Kremation ist klar. Promession meint laut Wikipedia eine Bestattungsmethode durch Gefriertrocknen und anschließendes Kompostieren der Leiche. Bei der Resomation, auch alkalische Hydrolyse genannt, wird der zu bestattende Leichnam durch die Einwirkung einer starken Lauge hydrolysiert.

Nun zur Prokrastination: Die hat so gar nichts mit der Bestattung zu tun. Wer an Prokrastination leidet, wird vielleicht etwas enttäuscht sein, wenn er am Lebensende auf sein Leben zurückschaut. Aber lesen Sie selbst diesen witzigen Blogeintrag auf dem Blog “berufung-selbstaendig”. Hier die Auflösung

Thema: Kurios bis Seltsam | Kommentare (1) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Bonmot – vor 25 Jahren

Montag, 26. Oktober 2009 10:31

Aus einem Telefonat:

“Das ist fünfundzwanzig Jahre her.
Deshalb müssen wir jetzt nicht weinen.

Trauer ist zeitlos. Manchmal öffnet sich noch einmal die Tür zur Trauer, die man schon längst überwunden glaubte. Meist geschieht dies in neuen Abschiedssituationen.

Thema: Bonmot, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Geschichten, die das Leben schreibt

Donnerstag, 22. Oktober 2009 10:20

hebamme

Sophie wurde 1922 geboren. Der Tag wird nicht verraten, auch nicht auf dem Grabstein.* Das ist ein Schutz vor der Plauderfreudigkeit der dörflichen Friedhofsbewacher Friedhofsbesucher. Denn bei ihr stehen zum Geburtstag nicht immer frische Blumen auf dem Grab. “Das würde uns zu sehr stressen. Und darum geht es auch gar nicht”,  sagt mir ihre schriftlich zur Grabpflege verpflichtete Tochter. Aber den Beruf ihrer Mutter hat sie auf den Grabstein schreiben lassen: Hebamme. Die letzten Jahre war die Mutter dement und lebte in einem Pflegeheim. Sie ging leicht hinüber, ein Hauch nur war ihr letztes Ausatmen.

Kürzlich hat mir die Tochter diese berührende Geschichte erzählt:

Wochen nach der Beerdigung ruft eine Frau bei ihr an. Es ist eine Mitarbeiterin des Pflegeheimes, in dem Sophie längere Zeit lebte und in dem sie starb. Sie war zugegen, als die alte Frau den Rest ihres Lebens aushauchte. Sie erzählt von einem Besuch bei ihrer eigenen Mutter, mit der sie über das Sterben einer alten Frau an ihrem Arbeitsplatz sprach, einer Hebamme. Es schien ihr wohl schwer zu fallen die zahlreichen Todesfälle zu verkraften. Diese Mutter erinnerte sich an den Namen. Sophie hatte sie entbunden. Das Kind von damals begleitet die Hebamme von damals beim Sterben. Der erste und der letzte Atemzug. Ein Kreis hat sich geschlossen. Und so schien dieses ganz besondere Erlebnis ihrer Berufstätigkeit Sinn und Würde einer Berufung zu schenken.

* Der Familienname steht im Original auf dem Grabstein drauf, den habe ich für die versprochene Anonymität wegretuschiert.

Thema: Sterbebegleitung, Systemisches | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Buchempfehlung – Carina unvergessen

Montag, 19. Oktober 2009 14:00

carina-unvergessen

Katrin Gebert, „Carina unvergessen“ Erinnerungskultur im Internetzeitalter

Seit einigen Jahren erscheinen immer mehr deutschsprachige Gedenkseiten im Internet. “Carina unvergessen” ist die erste umfassende wissenschaftliche Studie, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzt. Mehrere hundert Internetseiten gibt es, auf denen verstorbene Menschen öffentlich vorgestellt, erinnert und betrauert werden. Neben kommerziellen Seiten, die ein Portal für Einträge zur Verfügung stellen, stehen unzählige von Familienangehörigen oder Freunden erstellte private Gedenkseiten.

Die Ethnologin und Kulturwissenschaftlerin Katrin Gebert nimmt Forschungen über das Gedächtnis und ethnologische Ritualtheorien zum Ausgangspunkt. Sie untersucht Erinnerungsportale aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und wertet exemplarisch einhundert Gedenkeinträge für einzelne Personen aus. [...]

Dieser Artikel ist Beitrag 3 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie empfohlene Bücher.

Thema: Empfehlungen, Internet | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Wo der Fussballer bestattet ist

Montag, 19. Oktober 2009 11:30

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Auf der Frankfurter Buchmesse wurde unter den vielen Neuerscheinungen auch das Buch

Die Gräber der Götter. Fußballhelden und ihre letzte Ruhestätte

vorgestellt. Ein Interview mit dem Autor Edgar Wangen hat jetzt FAZ-Online veröffentlicht. Allein der Titel ist schon interessant: Götter und Helden sind die Jungs mit der geldbringenden Fußfertigkeit. Der Autor geht der Frage nach, was die Gräber über Bestattungskultur und den Fußball in den jeweiligen Ländern aussagen.

Bei den Gräbern deutscher Spieler findet er nur absolute Standardisierung. Die Gräber wirken austauschbar.

Bis auf Helmut Rahn und Fritz Walter ist nicht zu erkennen, dass der Tote mal ein Fußballspieler war. Es gibt auch nur zwei Gräber, die der Deutsche Fußball-Bund pflegt: das von Fritz Walter und das von Sepp Herberger.

Wer mehr erfahren will, dem sei das Buch von Edgar Wangen empfohlen:

Die Gräber der Götter. Fußballhelden und ihre letzte Ruhestätte
Verlag Die Werkstatt, 288 Seiten, viele Fotos, 24,90 Euro

Thema: Empfehlungen, Friedhof | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Kurzfilm – Wie Eltern trauern

Donnerstag, 15. Oktober 2009 14:00

Das Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt bietet vom 25. September – 30. November 2009 eine Ausstellung zum Thema:  „…sie schauen das Antlitz Gottes – Seelsorge nach Totgeburt“.

Die ausgestellen Dokumente, Objekte und beschriebenen Riten geben Aufschluss wie früher und heute mit den Totgeborenen und deren Müttern (Anmerkung Janetzky: warum eigentlich nur mit den Mütter und nicht auch mit den Vätern?) umgegangen wurde bzw. wird.

Im Informations- und Medienbereich wird ein Film gezeigt, der online bereits angeschaut werden kann

“… wir hätten dich gerne länger bei uns behalten.” Wie Eltern trauern.

Ohne Worte aber sehr beredt ist die filmische Aufnahme des Abschiedes von einem Kind. Berührende Bilder und gefühlvolle Musik führen behutsam an die Trauer heran. Zum Film “Wie Eltern trauern”.

Dieser Artikel ist Beitrag 3 von 4 Beiträgen der Artikel-Serie empfohlene Filme.

Thema: Bestatter, Empfehlungen, Kinder und Tod, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky