Beiträge vom Februar, 2011

Aufgenommen in den Himmel – Dokumentation im Bayrischen Fernsehen

Montag, 7. Februar 2011 8:25

Wie ist der Glaube der katholischen Kirche an die leibliche Auferstehung zu verstehen? Welche Bedeutung hat der Leib des Menschen, wenn er stirbt? Welche Vorstellung haben Menschen in der Nähe zum Tod vom “Danach”?

Eine Sendung des Bayrischen Fernsehens geht diesen Fragen nach

am Mittwoch 9. Februar 2011
um 19.00 Uhr

Die Dokumentarfilmerin Dagmar Knöpfel nähert sich mit diesen Fragen Patienten und Mitarbeitern einer Palliativstation und eines Hospizes an. Der Tod als täglicher Begleiter verliert hier etwas von seinem Schrecken und ist trotzdem die große Unbekannte, die jeder für sich definieren muss.

Thema: Empfehlungen, Sterbebegleitung | Kommentare (0) | Autor:

Besetzen Web-Start-ups die Bestattungsthemen im Internet?

Samstag, 5. Februar 2011 14:27

Die Bestattungsbranche ist im Internet zunehmend vertreten. Immer neue Seiten tauchen auf, die sich mit Bestattungen und Trauer beschäftigen. Eine schöne Entwicklung, könnte man meinen. Das Thema Sterben und Tod kommt so aus dem Tabu-Bereich heraus und vervollständigt das Internetangebot zu allen Lebenslagen. Die neuen Bestattungsportale gründen jedoch nicht die Brancheninsider, sondern die PR-Unternehmen und Web-Agenturen. Das Web-Geschäft ist schließlich unabhängig vom Thema der Seite. Da die Bestattungsbranche die Entwicklungen im Internet weitgehend verschläft, versuchen natürlich andere sich diesen Markt zu erschließen. Einen Artikel, der sich kritisch mit dieser Entwicklung auseinandersetzt habe ich bei Förderland gefunden, einer Plattform die “Wissen für Gründer und Unternehmer” anbietet.

Unter dem Titel “Wie Bestattungen.de den Spagat zwischen Tod und Geld schaffen will” wird eine ausführliche Recherche und Einschätzung eines neuen Angebotes zum Preisvergleich für Bestattungen geliefert. Die einleitenden Worte sind programmatisch:

“Wer ein Web-Start-up aufmacht, hat mit Anstand meist nicht viel am Hut.”

Und kritisch wird angemerkt:

“Es war übrigens ein geschickter Zug, eine neue GmbH für die Unternehmung zu gründen, denn die Kundschaft hätte bestimmt ziemlich gestaunt, wenn sie “dealjaeger GmbH” im Impressum gelesen hätte.”

Ein Blick ins Impressum von Förderland löst bei mir allerdings ein “Aha” aus. Förderland ist eine Marke der marktform gmbh. Ein junges Team von Entwicklern und Beratern aus dem Bereich der Neuen Medien bietet verschiedene Serviceleistungen an: klassische Firmenhomepages, anspruchvolle CMS und E-Business-Lösungen, Suchmaschinenmarketing, Programmierung etc. – wie der IT-Dienstleister-Guide verrät.

Was für das besprochene Unternehmen für Bestattungspreisvergleich in der Bestattungsbranche gilt, trifft ebenso auf das besprechende Unternehmen in der Gründerszene zu. Die Web-Agenturen wissen halt, wie das Internet tickt.

Thema: Internet | Kommentare (0) | Autor:

Delete. Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten – Buchempfehlung

Mittwoch, 2. Februar 2011 10:59

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Selten hat ein Buch bei mir soviele bunte Klebezettelchen bekommen wie dieses. Das digitale Zeitalter perfektioniert die Erinnerung. Seit die Preise für digitale Speichermedien eine Halbwertszeit von wenigen Monaten haben, ist digitales Erinnern ein Kinderspiel. Niemals zuvor wurden in einem solchen Umfang Informationen gespeichert. Ungefiltert versteht sich, niemand scheidet das Wichtige vom Unwichtigen.

Vergessen können ist eine Errungenschaft des menschlichen Gehirns – so die These Viktor Mayer-Schönbergers. Vergessen können trägt zur Gewichtung von Informationen bei. Ohne Vergessen können keine Vergebung. Ganz praktisch demonstriert er dies anhang zweier Beispiele: eine ausgebildete Lehrerin erhält keine Stelle, weil sie unbedacht ein Foto von sich, betitelt „Betrunkene Piratin“, ins Internet gestellt hat. Einem Psychotherapeuten wird die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert, weil er in einem Zeitschriftenartikel erwähnte, selbst einmal LSD probiert zu haben.

In der analogen Welt sind derartige Informationen schon bald nicht mehr auffindbar, in der digitalen Welt dagegen gehen sie nie verloren. Sie sind auch nach Jahren noch verfügbar. Ob ein Mensch frühere Handlungen aktuell vielleicht ganz anders sieht, ob er sich von früheren Überzeugungen distanziert hat, den digitalen Daten ist das egal. Informationen gibt es nur in Jetzt-Zeit.

Mayer-Schönberger beschreibt die Rolle, die das Vergessen in der menschlichen Geschichte gespielt hat. Er zeigt die Gefahren auf, die eine uneingeschränkte digitale Speicherung nach sich zieht.

“Wenn wir damit rechnen müssten, dass jede Information über uns noch über unseren Tod hinaus im digitalen Gedächtnis bleibt, würden wir dann noch unbefangen persönliche Erfahrungen mitteilen und uns zu gesellschaftlichen und politischen Fragen äußern – oder würden wir uns selbst zensieren?”

Die Selbstzensur sieht er als eine der Folge der “ewigen” Verfügbarkeit von Informationen. “Google vergisst nie!” – einen solchen Hinweis sollte jeder Internetnutzer über seinem Bildschirm hängen haben.

Wird als Konsequenz der digitalen Speicherung nur noch das als wahr gelten, was die Suchmaschine als Ergebnis ausspuckt. Führen Informationen, die aus ihrem Kontext gerissenen werden, nicht zu Manipulationen? Oder wird es ein Qualitätsmerkmal der wirklich wichtigen Dinge werden, auf Papier verfügbar zu sein?

Mayer-Schönberger schlägt eine einfache Lösung vor: Dateien könnten mit einem Verfallsdatum versehen sein. Das selektiert dauerhaft erhaltenswerte Informationen von den Instantinhalten des Web.

“Delete” heißt das Buch: Lösche!

Was für den persönlichen Hausrat gilt – der sollte regelmäßig durchforstet und nicht mehr genutztes entsorgt werden – sollte auch für die digitalen Staubfänger gelten.

Die amerikanische Originalausgabe von “Delete” erhielt den McLuhan Award der Media Ecology Association (MEA) für das beste Buch des Jahres sowie den Don K. Price Award der American Politican Science Association (APSA) für das beste Technologie-Buch.

Viktor Mayer-Schönberger
Delete. Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Kamphuis

Berlin University Press 2010, 264 Seiten, EUR 24,90
ISBN 978-3-940432-90-2

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