#Aug bemerkenswerte Trauerreden: die Toten der Loveparade

Donnerstag, 5. August 2010 22:18

Langsam werden die medialen Bilder von dem Unglück bei Loveparade in Duisburg weniger. Doch die Betroffenheit hält weiter an. Die einundzwanzig Toten und mehrere hundert Verletzte bei diesem Event katapultieren unzählige Menschen in eine Auseinandersetzung mit dem Tod und in die Trauer hinein. Die Bilder vom Tunnel und der unvorstellbaren Menge Menschen, die Pressekonferenz mit den betretenen Gesichtern der Verantwortlichen und die Trauerfeier verzeichnen in unzähligen Internetportalen hohe Klickraten. Viele Menschen drücken ihre Gefühle in den Kommentaren und Foren aus.

Heute bin ich auf eine Seite gestoßen, die Teilnehmende der Loveparade auffordert, sich als Besucher einzutragen, um verläßlichere Zahlen zu bekommen als die, die in den Medien verbreitet werden. Diesen Aufruf gebe ich gerne weiter. Aktuell haben sich 130156 Menschen eingetragen.

Loveparade 2010 Duisburg Besucherzahlen
Hilf mit!

Die Rede von Hannelore Kraft bei der Trauerfeier gehört für mich zu den bewegensten Reden eines Politikers/ einer Politikerin. Was macht die Kraft dieser Rede aus? Sie stimmt nicht ein in den Chor derer, die irgendjemanden an den Pranger stellen wollen und die unheilvolle Energie moderner Rächer in die Welt tragen. Es geht ihr um die Klärung von Verantwortung für das Unglück. Viel wichtiger aber ist ihre Authentizität. Man hört ihr an, wie bewegt sie ist. Das hilft den Trauernden mehr als jede Schuldzuschreibung in irgendeine Richtung. Ein menschliches politisches Antlitz. Bewegend für mich auch ihre Worte an die Trauernden:

“Öffnen Sie Ihre Herzen, für alle, die Ihnen Trost spenden wollen.”

Wenn Menschen sich von diesem Unglück bewegen lassen, ihr Herz nicht verschließen, der Verlockung der Verfolgerposition mit ihrem Ruf nach Rache nicht nachgeben, dann kann die Trauer eine Menge bewirken. Eine Erfahrung von Verletzlichkeit, Menschlichkeit, Solidarität und Gemeinschaft.  Das wäre dann die echte Loveparade.

Das Video der Trauerrede.

Der Text der Trauerrede.

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Thema: Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

#Juli bemerkenswerte Trauerreden: Heidi Kabel

Mittwoch, 14. Juli 2010 9:17

Ja klar, ich habe Sie auch gekannt. Aber mich hatte sie nicht weiter interessiert. Das Ohnsorg-Theater war nichts für eine Jugendliche, das war für die alten Leute. Ich habe es meinen Eltern überlassen, die Aufführungen im Fernsehen anzuschauen. Heute bin ich selbst im Alter der damaligen “alten Leute” und habe einen etwas anderen Blick. Das Volkstümliche ich mir selbst immer noch fremd, aber ich sehe heute eine Frau, die die Herzen der Menschen erreicht hat. Heidi Kabel starb am 15. Juni im Alter von 95 Jahren.

Weil sie so berühmt war, gibt es nicht nur eine, sondern mehrere Trauerreden, die alle hier zu sehen sind.

Mir selbst gefällt dieses Lied am besten: Die Oma aus dem Internet.

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Thema: Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

#Juni bemerkenswerte Trauerreden: Kurt Waldheim

Montag, 21. Juni 2010 8:53

Eien Trauerrede ist das letzte öffentliche Wort beim Tod eines Menschen. Wie kann ein ganzes Leben in einer Ansprache von 15, 30 oder 40 Minuten erfasst werden? Immer ist es die Auswahl des Redners, der Rednerin, welche Worte, welche Bilder er oder sie einsetzt. Besonders bei bekannten Politikern ist es undenkbar, dass eine rein private Rede gehalten wird. Verdienste sind zu würdigen, ein sensibler Umgang mit politischen Streitfragen muss gefunden werden.

Am 14. Juni 2007 starb Kurt Josef Waldheim, österreichischer Diplomat und Politiker. Er war von 1972 bis 1981 Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie von 1986 bis 1992 österreichischer Bundespräsident.

Umstritten war sein Umgang mit seiner NS-Vergangenheit. Ein Bericht der internationalen Historikerkommission bescheinigt ihm, dass seine Darstellung seiner militärischen Vergangenheit in vielen Punkten nicht im Einklang mit den Ergebnissen der Kommissionsarbeit steht. Seine militärische Vergangenheit sollte in Vergessenheit geraten.

Die Veröffentlichung dieses Berichtes führte 1988 zu einer Regierungskrise  und zur Isolation Waldheims.

Vor seinem Tod blickte er selbst zurück und schrieb in seinem Rückblick :

“Im Angesicht des Todes lösen sich alle Brüche des Lebens auf. Gutes und Böses, Helles und Dunkles, Verdienste und Fehler stehen nun vor einem Richter, der allein die Wahrheit kennt.”

EKurt Waldheim spricht von der zu späten Aufarbeitung des Geschehens, in dem Bewusstsein, dass die Generation, der er angehörte, diese Welt verlässt.

Auch die letzten Worte der Trauerrede für Kurt Waldheim, gesprochen von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer klingen versöhnlich.

“Begleiten wir den Verstorbenen versöhnt zu seiner letzten Ruhestätte.”

Versöhnung ist ja kein Widerspruch zu einer Aufarbeitung der NS-Zeit. Die Aufarbeitung gelingt nur mit einer Haltung, die nicht verurteilt, sondern Versöhnung sucht.

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Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

#Mai bemerkenswerte Trauerreden: Erich Mielke

Montag, 31. Mai 2010 19:00

Am 21. Mai 2000 verstarb Erich Mielke. Zehn Jahre ist das her.

Nachdem ich gestern Abend den Tatort ” Schlafende Hunde” angesehen habe (ARD), ist ja die Frage berechtigt, ob die Stasi, der Geheimdienst ohne Land, noch aktiv ist? Doch Halt! Ein Krimi ist ein Krimi ist ein Krimi.

Ganz real ist die Trauerrede anlässlich des Todes von Erich Mielke, gehalten am 10. Juni 2000 von einem Juristen, dem ehemaligen General des “Ministeriums für Staatssicherheit” (MfS) der DDR und Chef der “MfS”-Hochschule in Potsdam, Willi Opitz.

Ich bin im Westen aufgewachsen, mir ist diese Art von Trauerreden sehr fremd. Es ist ja nicht einfach eine Trauerrede, sondern durchaus eine politische Rede. Wenn ich sie lese, scheint es mir, dass in ihrem Gedankengang die Zeit seit der Wende stehen geblieben ist. Von daher hatte der Tatort gestern nicht ganz unrecht.

Die Trauerrede ist als Dokument der Zeitgeschichte veröffentlicht auf dem Blog des Journalisten Erik Praschl. Wie er distanziere ich mich vom Inhalt dieser Trauerrede. Ich lese sie als zeitgeschichtliches Dokument.

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#April bemerkenswerte Trauerreden: Hans Filbinger

Freitag, 16. April 2010 11:02

Vor kurzem habe ich einen alten Herrn kennengelernt. Er hat den Krieg als Soldat selbst erlebt. Mit 18 Jahren wurde er in die Wehrmacht eingezogen und kämpfte in Russland. Er beschrieb das grausame System der Abschreckung. Die jungen Soldaten mussten einer Hinrichtung beiwohnen, bei der ein Desserteur erschossen wurde. Die Angst vor dem Tod als Deserteur sollte größer sein als die Angst vor dem Tod als Soldat an der Front. Wir sprachen auch über Hans Filbinger.

Hans Filbinger starb am 1. April 2007 und ist in einem Vorort von Freiburg beigesetzt.

Die Trauerrede des früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Günter Oettinger zum Tod von Hans Filbinger gehört zu den umstrittendsten Trauerreden der jüngeren Vergangenheit. Die Diskussionen flammte wieder auf, als Günther Oettinger als EU-Kommissar für Energiefragen nach Brüssel wechselte.

Die vollständige Rede wurde auf  Spiegel Online veröffentlicht. Der umstrittene Passus lautet:

“Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. (…) Es bleibt festzuhalten: Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.”

Oettinger wurde für diese Aussagen von verschiedenen Seiten stark krititisiert. Später hat sich Günther Oettinger, wohl aufgrund des öffentlichen Druckes, von seiner Rede distanziert und die Missverständnisse wegen seiner Trauerrede für Hans Filbinger bedauert.

Die Justiz der Wehrmacht  war für den Tod Zehntausender deutscher Soldaten verantwortlich, die als „Deserteure“ oder „Wehrkraftzersetzer“ aufgehängt oder erschossen wurden. Der alte Herr war damals ein junger Mann, der sich mit seinem Heimatland identifizierte. Ihn haben die Bilder des erschossenen Kameraden und die Angst des jungen Frontsoldaten geprägt.

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#März bemerkenswerte Trauerreden: die Opfer von Winnenden

Mittwoch, 24. März 2010 10:24

Ein Jahr ist es her. “Schon ein Jahr” für diejenigen, die sich wieder an die Tage im März 2009 erinnern, als ganz Deutschland betroffen war vom Amoklauf. “Erst ein Jahr” für diejenigen, die unmittelbar betroffen sind. Sie erinnern sich täglich, denn der Tod hat ihnen das Kind, die Schwester, den Bruder, die Freundin, den Freund genommen und das eigene Leben grundlegend verändert.

Zur Selbstachtung gehört es, dass man „Nein“ sagt zu Dingen, die man für schlecht hält – auch wenn sie nicht verboten sind.

Bemerkenswert ist die Rede von Bundespräsident Horst Köhler bei der zentralen Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs in Winnenden und Wendlingen am 22.3.2009  Die gesamte Rede finden Sie hier.

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