Buchempfehlung – Orte, die gut tun – Zukunft unserer Friedhöfe

Montag, 19. November 2012 23:18

Orte, die gut tun – Zukunft unserer Friedhöfe

Wie müssen Friedhöfe und Grabstätten gestaltet werden, um hilfreich für die Trauerbewältigung zu sein? Wie wird der Friedhof  zu einem Ort, der “gut tut”? Der Leitfaden  von Günter Czasny ist in erster Linie für Entscheidungsträger gedacht, die mit durchdachten und erprobten Konzept den Veränderungen auf dem Friedhof entgegenwirken wollen. Veränderungen, die mit wenigen Stichworten skizziert sind: Trend zur Feuerbestattung, zu Urnengräbern, riesigen Freiflächen, alternativen Begräbnisorten, in der Folge davon Drehen an der Gebührenschraube – was die “Friedhofsflucht” weiter fördert.

Die Friedhofsträger müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie dieser Entwicklung gegensteuern wollen. Analysieren, Bewerten, Lösungen finden. In diesem Dreischritt geht das Buch voran. Hilfreich sind die Projektbeispielen, die praktikable und leicht umsetzbare Lösungsansätze aufgezeigen. Als wichtigste Erkenntnis steht am Ende, dass in Zukunft vermehrt Grabfelder geschaffen werden müssen, die von der Grabpflege entpflichten und dennoch Trauerrituale zulassen. Fotos, Zeichnungen und Modellstudien veranschaulichen das Konzept. Neben den Friedhofsträgern geben die Beispiele auch Steinmetzen und anderen Gewerken auf dem Friedhof Anregungen für die Friedhofs- und Grabgestaltung vor Ort.

Aus dem Inhalt:

Problemsituation Friedhof

Trauerverhalten

Veränderte Anforderungen an die Friedhofsträger und die am Friedhof tätigen Gewerke

Probleme mit zunehmenden Freiflächen

Grabstättenkonzepte

Umsetzungsbeispiele

Handlungsempfehlungen

Orte, die gut tun – Zukunft unserer Friedhöfe
1. Auflage, Format 30,5 x 21,5 cm, 69 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen
ISBN 978-3-87188-234-0

Das Buch ist direkt erhältlich beim Ebner-Verlag
Preis 17,50 EUR (inkl. Versandkosten)

 

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Friedwald: Waldbewusstsein und Bestattungskultur – Buchempfehlung

Sonntag, 8. Januar 2012 17:03

„Was verbinden Menschen mit dem Wald?“ Diese Frage ist einer der Zugänge, mit denen sich Stefanie Rüter dem Phänomen Waldbestattungen nähert. Seit etwas zehn Jahren hat diese Form der Bestattung auch Einzug in deutsche Wälder gehalten. Die Grundlage der empirischen Untersuchung zu dieser neuen Form der Bestattung, sind qualitative Interviews und das Gästebuch auf der Homepage der Friedwald GmbH. [...]

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Vier minus drei – Buchempfehlung

Freitag, 13. Mai 2011 12:45

Wie schafft es ein Buch, dass aus einem schweren Stoff besteht – der Unfalltod des Mannes und zweier kleiner Kinder – auf eine Bestseller-Liste? Vielleicht ist es das Stichwort “neues Leben”, im Untertitel “Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand.” Da wird man neugierig. Niemand kann sich vorstellen, wie das gehen soll. Allein der Gedanke an den Unfalltod eines nahestehenden Menschen lässt die meisten innerlich schaudern. Betroffene nehmen das Buch in die Hand, vielleicht in der Hoffnung Verständnis und Hilfe zu finden. Nichtbetroffene bauen schon mal vor für den Fall der Fälle?

Eine Stärke des Buches ist, dass Barbara Pachl-Eberhart so authentisch schreibt. Gar nicht marktschreierisch oder voller Selbstmitleid “was habe ich für ein schweres Schicksal!” Für mich macht der Reiz dieses Buches die Nüchternheit des Faktischen “Familie mit vier Personen – Unfall – drei sind tot -allein” aus, gepaart mit einer Leichtigkeit im Schreiben und dem in allem Schrecken aufblitzenden Humor. Richtig erleichternd ist dann, dass diese starke, beeindruckende Frau auch an ihre Grenze stößt. Sie nimmt die Leserinnen und Leser mit in den inneren Taumel, doch nie lässt sie sie dort zurück.

Ein bißchen Mut erfordert es schon, an diesem Schicksal teilzunehmen. Mein Blick verweilte länger auf den Bildern des Mannes, der beiden Kinder, der Familie. Berührt werden die eigenen Trauererfahrungen. Barbara Pachl-Eberhart schreitet mutig voran mit ihrer Ehrlichkeit, die weder sich noch andere schont. Sie schreitet voran in eine neue Beziehung, wenige Monate nach dem Tod ihrer Familie. Das ist für viele ein Tabu-Bruch. Die Leserin, der Leser kommen nicht umhin, ihr eigenes Leben zu befragen. Ein Trost am Ende ist: für ein “neues Leben” in Ehrlichkeit braucht nicht immer jemand zu sterben.

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-7787-9217-9
€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 30,90* (empf. VK-Preis)

Auch als ebook erhältlich.

 

 

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Trauerrede in postmoderner Trauerkultur – Buchempfehlung

Montag, 9. Mai 2011 22:04

Gegenwärtig ringen die Kirchen  um Akzeptanz. Die Moderne stellt die Theologie vor Herausforderungen, die es früher so nicht gab, als die Konfessionen das gesellschaftliche Leben bestimmten. Sterben und Tod sind Erfahrungen, die viele Menschen aufrütteln. Sie suchen nach einem sinnstiftenden Halt, selbst wenn die Religion vorher keine Bedeutung mehr für sie hatte.

Die Trauerpastoral der Kirchen stellt sich auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ein. Die Beiträge dieses Bandes tragen dem Rechnung. Zunehmend werden auch Mitglieder der Kirchen von freiberuflichen Trauerrednern beerdigt. Die katholischen oder evangelischen Pastoren und Pastorinnen stehen vor einem heterogenen Publikum, dass zum Teil mit den  einfachsten rituellen Formem beim Begräbnis nicht mehr vertraut ist.

Vor zehn Jahren war es noch ungewöhnlich, dass kirchliche Vertreter von der “Trauerrede” sprachen. Der Fokus lag damals auf der “Begräbnisliturgie”, der “Begräbnishomilie” oder der “Begräbnispredigt”. Doch diese Begriffe “schränken den Rahmen konfessionell ein und decken sich nicht mehr mit der pluraler gewordenen Wirklichkeit von Reden und Ansprachen im Umfeld von Tod und Trauer” – so die Einleitung.

Trauerbegleitung, Trauerpastoral, biblische Ansätze, literarische Bezüge, Trauerrede als Beziehungsrede, christliche Verkündigung im Angesicht des Todes… Diese Inhalte nehmen die Trauerrede in ihren unterschiedlichen Aspekten auf. Die Beiträge dieses Buches bilden die innerkirchlichen Diskussionen und die Öffnung für die Entwicklungen der Moderne ab und laden zum Gespräch ein, nicht zuletzt die freien Rednerinnen und Redner, denen ein eigener Beitrag gewidmet ist.

In einer Zeit, in der so vieles machbar scheint, stellt der Tod eine absolute Grenze dar, der es sich zu stellen gilt. Die Trauer um einen verstorbenen Menschen fordert dabei von SeelsorgerInnen viel Einfühlungsvermögen. Nicht billiger Trost wird dabei erwartet, sondern Hilfestellung. Gerade die Vielfalt neuer Bestattungsformen und Trauerriten zwingt zu neuen Ansätzen.

Johann Pock, Ulrich Feeser-Lichterfeld (Hg.)
Trauerrede in postmoderner Trauerkultur
Reihe: Werkstatt Theologie – Praxisorientierte Studien und Diskurse
Bd. 18, 2011, 144 S., 19.90 EUR, br., ISBN 978-3-643-50284-1

 

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Delete. Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten – Buchempfehlung

Mittwoch, 2. Februar 2011 10:59

mayer-schoenberger_delete

Selten hat ein Buch bei mir soviele bunte Klebezettelchen bekommen wie dieses. Das digitale Zeitalter perfektioniert die Erinnerung. Seit die Preise für digitale Speichermedien eine Halbwertszeit von wenigen Monaten haben, ist digitales Erinnern ein Kinderspiel. Niemals zuvor wurden in einem solchen Umfang Informationen gespeichert. Ungefiltert versteht sich, niemand scheidet das Wichtige vom Unwichtigen.

Vergessen können ist eine Errungenschaft des menschlichen Gehirns – so die These Viktor Mayer-Schönbergers. Vergessen können trägt zur Gewichtung von Informationen bei. Ohne Vergessen können keine Vergebung. Ganz praktisch demonstriert er dies anhang zweier Beispiele: eine ausgebildete Lehrerin erhält keine Stelle, weil sie unbedacht ein Foto von sich, betitelt „Betrunkene Piratin“, ins Internet gestellt hat. Einem Psychotherapeuten wird die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert, weil er in einem Zeitschriftenartikel erwähnte, selbst einmal LSD probiert zu haben.

In der analogen Welt sind derartige Informationen schon bald nicht mehr auffindbar, in der digitalen Welt dagegen gehen sie nie verloren. Sie sind auch nach Jahren noch verfügbar. Ob ein Mensch frühere Handlungen aktuell vielleicht ganz anders sieht, ob er sich von früheren Überzeugungen distanziert hat, den digitalen Daten ist das egal. Informationen gibt es nur in Jetzt-Zeit.

Mayer-Schönberger beschreibt die Rolle, die das Vergessen in der menschlichen Geschichte gespielt hat. Er zeigt die Gefahren auf, die eine uneingeschränkte digitale Speicherung nach sich zieht.

“Wenn wir damit rechnen müssten, dass jede Information über uns noch über unseren Tod hinaus im digitalen Gedächtnis bleibt, würden wir dann noch unbefangen persönliche Erfahrungen mitteilen und uns zu gesellschaftlichen und politischen Fragen äußern – oder würden wir uns selbst zensieren?”

Die Selbstzensur sieht er als eine der Folge der “ewigen” Verfügbarkeit von Informationen. “Google vergisst nie!” – einen solchen Hinweis sollte jeder Internetnutzer über seinem Bildschirm hängen haben.

Wird als Konsequenz der digitalen Speicherung nur noch das als wahr gelten, was die Suchmaschine als Ergebnis ausspuckt. Führen Informationen, die aus ihrem Kontext gerissenen werden, nicht zu Manipulationen? Oder wird es ein Qualitätsmerkmal der wirklich wichtigen Dinge werden, auf Papier verfügbar zu sein?

Mayer-Schönberger schlägt eine einfache Lösung vor: Dateien könnten mit einem Verfallsdatum versehen sein. Das selektiert dauerhaft erhaltenswerte Informationen von den Instantinhalten des Web.

“Delete” heißt das Buch: Lösche!

Was für den persönlichen Hausrat gilt – der sollte regelmäßig durchforstet und nicht mehr genutztes entsorgt werden – sollte auch für die digitalen Staubfänger gelten.

Die amerikanische Originalausgabe von “Delete” erhielt den McLuhan Award der Media Ecology Association (MEA) für das beste Buch des Jahres sowie den Don K. Price Award der American Politican Science Association (APSA) für das beste Technologie-Buch.

Viktor Mayer-Schönberger
Delete. Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Kamphuis

Berlin University Press 2010, 264 Seiten, EUR 24,90
ISBN 978-3-940432-90-2

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