Schwester Tod – Buchempfehlung

Freitag, 6. August 2010 23:46

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Erni Kutter, Schwester Tod, Weibliche Trauerkultur, Abschiedsrituale, Gedenkbräuche, Erinnerungsfeste

Wer sich mit Ritualen und der Gestaltung von Abschiedsfeiern beschäftigt, kennt die Kluft zwischen den überlieferten Riten früherer Zeiten und der Ritenarmut moderner Begräbnisse. Gestorben wird meist in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, die sozialen Einheiten, in denen Menschen leben sind kleiner geworden, Lebensübergänge werden nicht mehr gestaltet. Historisch ausgerichtete Beschreibungen von Sterbe- und Abschiedsritualen vergangener Zeiten wirken wie museale Relikte.

„Schwester Tod“ von Erni Kutter ist hilfreich, weil es beides zusammenbringt. Die Autorin verbindet historisches, rituelles und praktisches Wissen in Bezug auf die Sterbegleitung und den Tod. Sterbebegleitung und Totenfürsorge waren in unserem Kulturkreis eine Domäne der Frauen. Diesen Erfahrungsschatz hat die Autorin aufgespürt und in einem übersichtlich gegliederten Aufbau zugänglich gemacht. Der Fokus auf die weibliche Tradition bringt in den Blick, was uns allen, Frauen und Männern, gut täte. Eine Stärke des Buches ist, dass die Autorin frühere Gebräuche und Riten so aufgreift, dass sie auch im heutigen Kontext durchführbar sind. Es geht ihr nicht nur darum, Früheres darzustellen, sondern darum, es wieder zu beleben und für unsere Zeit weiterzuentwickeln. [...]

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Thema: Empfehlungen, Sterbebegleitung | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Der Tod ist nicht das Ende – Buchempfehlung

Montag, 25. Januar 2010 14:10

Der Tod ist nicht das Ende

Da schreibe ich schon fast ein Jahr auf diesem Blog und empfehle Bücher, doch mein eigenes war noch nicht dabei…
Zusammen mit Ilse Grünewald habe ich 2003 dieses Buch herausgegeben. Seit zwei Jahren ist die zweite Auflage erhältlich.

Dieses Buch ist gedacht für alle Menschen in Abschiedssituationen: für solche, die trauern, weil sie gerade einen Menschen verloren haben, aber auch für solche, bei denen das schon länger her ist. Trauern ist ein langer Prozess, der sich in Wellen Bewegungen vollzieht. Dabei kann dieses Buch begleiten. Es ist eine Einladung zu Lesen, zum Blättern, es enthält Gedicht e und Geschichten, Texte, die zum weiteren Nachdenken einladen. Einem Nachdenken über den Tod, das offen ist für unterschiedliche religiöse oder weltanschauliche Erfahrungen.

Ein Teil der Geschichten und Gedichte wurde von Personen zusammengetragen, die einen lieben Menschen verloren haben. Es sind Texte, in denen sie Trost fanden. Ihnen allen einen herzlichen Dank. Die Texte und Gedichte wurden lose einem Thema zugeordnet. Für jeden dieser thematischen Abschnitte haben die Autorinnen, Ilse Grünewald und Birgit Janetzky, einen Begleittext geschrieben. Mit diesem sprechen sie Trauernde direkt an: Sie können sich wiederfinden mit all ihren Gefühlen, mit allem, was sie in dieser Lebenssituation bewegt. In unserer Gesellschaft sind wir so ungeübt im Umgang mit dem Tod, dass viele Trauernde von sich denken, ihr Umgang sei nicht „normal“, sei „krank“ oder irgendwie “extrem“, wenn sie nicht nach wenigen Wochen nahtlos wieder in ihren Alltag gleiten und „funktionieren“.

Wer die Texte dieses Buches liest, sieht, dass Trauer mit all ihren begleitenden Gefühlen zutiefst menschlich ist; und dass der Tod und der Umgang mit ihm zu den schwierigen Aufgaben des menschlichen Daseins zählt, aber nicht unmöglich ist. Die Autorinnen verfügen beide über einen reichen Erfahrungschat im Umgang mit Trauernden. Beiden ist es ein Herzensanliegen, Menschen in ihrer Trauer zu begleiten. Mit diesem Buch laden sie dazu ein, sich auf diese Erfahrung einzulassen. Es gibt keine Antworten, aber viele Anregungen. Es ist ein Buch zum „Querbeet-Lesen“, jede Leserin, jeder Leser mag selbst herausfinden, wo und ob sie/er sich in den Texten und Gedichten wiederfindet.

Inhalt

· Einleitung
· Den Abschied nehmen
· Berührungen – sich berühren lassen· Vielfalt der Gefühle
· Freisetzung kreativer Kraft
· Heilsamer Umgang mit Ritualen
· Sterbenkönnen ist ein heiliges Wissen

Ilse Grünewald, Birgit Janetzky
Der Tod ist nicht das Ende
Matthias-Grünewald-Verlag, Ostfildern 2007
13,90 €

ISBN alt 3786726744
ISBN-13: 978-3786726746

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Thema: Empfehlungen, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Sag mir, wo der Himmel ist…

Dienstag, 19. Januar 2010 11:39

Sag mir, wo der Himmel ist. Wo ist er geblieben?
Sag mir, wo der Himmel ist. Oben oder unten?

Die Zeilen stammen aus einem Lied, das wir früher oft gesungen haben. Vor fünfzehn Jahren als ich noch in der kirchlichen Jugendarbeit gearbeitet habe. Christoph Schlingensief sagt, wo der Himmel ist. Er ist hier. Hier unten. Er ist das Leben.

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“Ich habe lernen müssen, auf dem Sofa zu liegen und nichts anderes zu tun, als Gedanken zu denken.”

schreibt er ins seinem Tagebuch einer Krebserkrankung.

“Im Januar 2008 wird bei dem bekannten Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktions- und Installationskünstler Christoph Schlingensief Lungenkrebs diagnostiziert. Ein Lungenflügel wird entfernt, Chemotherapie und Bestrahlungen folgen, die Prognose ist ungewiss – ein Albtraum der Freiheitsberaubung, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint.”(Klappentext)

Seine Gedanken hält er fest mittels eines Diktiergerätes. Er spricht mit sich selbst, mit Freunden, seinem toten Vater, mit Gott. Es ist ein berührendes Buch. Denn Christoph Schlingensief beschreibt mit großer Offenheit seinen Umgang mit der Krankheit und der Todesnähe. Er kann im Tempo der Welt nicht mehr mithalten und lernt, mit dieser Situation umzugehen und nicht zu verzweifeln.

“Dieses bewegende Protokoll einer Selbstbefragung ist ein Geschenk an uns alle, an Kranke wie Gesunde, denen allzu oft die Worte fehlen, wenn Krankheit und Tod in das Leben einbrechen. Eine Kur der Worte gegen das Verstummen – und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an diese Welt.” (Klappentext)

Sag mir wo der Himmel ist. Was Schlingensief in seinem Buch ausdrückt hat mir ein Freund vor kurzem sehr anschaulich gezeigt. Er fragte: wo beginnt der Himmel? Am Horizont? In ein Kilometer Höhe? Dort wo die Wolken sind? Nein!
Er bückte sich, berührte mit der Hand den Boden und sagte: Hier beginnt der Himmel!

Christoph Schlingesief
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!
ISBN: 978-3-462-04111-8
Erscheinungsdatum: 20. April 2009
256 Seiten
Gebunden
Euro (D) 18.95 | sFr 33.50 | Euro (A) 19.50
Verlag Kiepenheuer&Witsch

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Thema: Empfehlungen, Sterbebegleitung | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Säkulare Totenrituale – Buchempfehlung

Donnerstag, 17. Dezember 2009 12:31

Waxmann-Verlag

Jane Redlin, Säkulare Totenrituale
Totenehrung, Staatsbegräbnis und private Bestattung in der DDR

Auf den ersten Blick scheint der Titel widersprüchlich. Wie gehen „Totenrituale“, die in der Regel mit kirchlichen Ritualen in Zusammenhang gebracht werden, mit dem Begriff „säkular“ zusammen, der im Gegensatz zur Religion steht. Die als Dissertation erschienene Forschungsarbeit nimmt die Totenehrung in der DDR unter die Lupe, in einem säkularen Gesellschaftssystem, das gewiss nicht als religiös bezeichnet werden kann. Spannend ist der Einblick in die Entwicklung innerhalb der DDR, weil durch die Staatspartei, die „Sozialistische Einheitspartei Deutschlands“ eine klare Trennung von Staat und Kirche vorgenommen wurde. Dies führte zu einem beschleunigten Prozess der allgemeinen Entwicklung zur Säkularisierung, wie er auch in der BRD zu beobachten ist.

Die Autorin bringt beide Begriffe zusammen. [...]

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Thema: Empfehlungen, Friedhof | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Buchempfehlung – Carina unvergessen

Montag, 19. Oktober 2009 14:00

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Katrin Gebert, „Carina unvergessen“ Erinnerungskultur im Internetzeitalter

Seit einigen Jahren erscheinen immer mehr deutschsprachige Gedenkseiten im Internet. “Carina unvergessen” ist die erste umfassende wissenschaftliche Studie, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzt. Mehrere hundert Internetseiten gibt es, auf denen verstorbene Menschen öffentlich vorgestellt, erinnert und betrauert werden. Neben kommerziellen Seiten, die ein Portal für Einträge zur Verfügung stellen, stehen unzählige von Familienangehörigen oder Freunden erstellte private Gedenkseiten.

Die Ethnologin und Kulturwissenschaftlerin Katrin Gebert nimmt Forschungen über das Gedächtnis und ethnologische Ritualtheorien zum Ausgangspunkt. Sie untersucht Erinnerungsportale aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und wertet exemplarisch einhundert Gedenkeinträge für einzelne Personen aus. [...]

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Buchempfehlung – Wie der Tod dem Leben dient

Donnerstag, 24. September 2009 16:00

Abschied und Sterben im Familien-Stellen

Für manche mag der Titel sperrig klingen. Wie soll der Tod dem Leben dienen können, ist er doch oft genug ein unwillkommenens Ereignis. Jemand stirbt, man selbst bleibt zurück und muss mit dem Verlust klarkommen.

Das Buch von Thomas Schäfer weitet den Blick. In der systemischen Aufstellungsarbeit steht der einzelne Mensch und sein Schicksal im Zusammenhang mit allen Toten und Lebenden in seiner Familie. In Aufstellungen kann man sehen, wie die Einstellung zu den Toten die Lebenden beeinflusst. [...]

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Thema: Empfehlungen, Systemisches, Trauer | Kommentare (1) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky