Beitrags-Archiv für die Kategory 'Digitaler Nachlass'

Tod im Newsfeed irritiert – Vortrag auf der re:publica 2013

Freitag, 24. Mai 2013 17:44

“RIP ist schnell geschrieben, wenn irgendwo auf der Welt ein Prominenter gestorben ist.
Es werden Nachrufe verfasst, es wird getrauert oder zumindest eine Statusmeldung verfasst, die sagt, dass man trauert.
Passiert der Tod im engen, persönlichen Umkreis, ist der Umgang damit im Social Web ein anderer.”

Elisabeth Rank stellt wichtige Fragen aus der Perspektive einer aktiven Internetnutzerin. Insgesamt stellt sie mehr Fragen, als sie irgendwelche Antworten gibt. Es ist gut, sich diesen Fragen auszusetzen, damit überhaupt ein Bewusstsein wächst. Der Vortrag wurde am 6. Mai auf der re:publica 2013 gehalten.

 

Thema: Allgemein, Digitaler Nachlass, Internet | Kommentare (0) | Autor:

Google macht es vor. Vorsorge für den Todesfall.

Freitag, 12. April 2013 8:00

Die Google-Dienste

Bei Youtube habe ich ein Konto unter einem Nickname. Ich nutze es nicht öffentlich. Auch bei Google+ habe ich mich angemeldet, mal testweise, auch wenn ich es nicht nutze. Damit ist automatisch mein Profilbild bei Picasa gespeichert. Für den Blog nutze ich Feedburner, einige Alerts habe ich eingerichtet und ja, eine Gmail-Adresse habe ich auch. Die habe ich wegen meines Smartphones, nutze sie aber nicht weiter. Dafür aber Play, über das ich meine Apps beziehe. Auch wenn es so praktisch wäre: den Kalender nutze ich nicht. Eine kleine Illusion von Privatsphäre möchte ich mir doch erhalten. Analytics habe ich dagegen auf meinen Webseiten eingebaut, damit betreibe ich ein wenig Statistik über Besucherzahlen .

All das sind Google Dienste, vereint auf meinem Google-Dashboard. Sie verwaisen, wenn ich mal sterbe.

Jetzt hat Google einen Kontoinaktivität-Manager eingeführt. Oft wird das Unternehmen ja als Datenkrake bezeichnet. Mit diesem Tool, gibt es jedoch zu erkennen, dass es an den Daten verstorbener Nutzer nicht mehr interessiert ist. Ich denke schon länger, dass dies die beste Möglichkeit wäre, eine Vorsorge für den digitalen Nachlass zu betreiben. Jede Plattform fragt schon bei der Anmeldung ab, was mit den Daten und Inhalten im Todesfall passieren soll. Google verpflichtet niemanden den Kontoinaktivität-Manager auszufüllen. Das ist auch gut, stärkt es doch die Selbstverantwortung jeden Nutzers, jeder Nutzerin.

Wie funktioniert der Kontoinaktivität-Manager?

Sie müssen sich in Ihr Profil einloggen.  Unter www.google.com/settings können Sie den Kontoinaktivität-Manager einrichten. Klicken Sie unter Kontoverwaltung auf den Link “Einrichten” oder gleich auf diesen Link.

Hier können Sie angeben, was mit einem Google Account passieren soll, wenn dieser für einen definierten Zeitraum (3, 6, 9 oder 12 Monate) inaktiv ist.

Sie können bestimmte Kontodaten teilen oder andere Nutzer benachrichtigen, wenn Sie Ihr Konto einige Zeit nicht verwendet haben. Ebenso können Sie bis zu zehn E-Mail-Adressen eintragen, mit dem vertrauten Personen der der Zugriff gestattet wird. Dabei ist es möglich, alle Google-Dienste freizugeben oder einzelne auszuwählen.

Soll die Person auch Daten herunterladen können, muss eine Telefonnummer angegeben werden, an die ein Code geschickt wird. Dieser Code wird zum Download benötigt.

Am Ende können Sie eine Botschaft hinzufügen.

Der Inaktivität-Manager muss am Ende noch aktiviert werden. Sie werden per E-Mail erinnert, wenn Sie längere Zeit nicht aktiv waren und das schnell ändern. Es wäre doch schade, wenn die Bildersammlung futsch wäre und die Google+ Kontakte das Profil nicht mehr finden.

Eine sinnvolle Lösung

Ich halte diesen Kontoinaktivität-Manager für eine gute Lösung. In Zukunft werden immer mehr Menschen sterben, die unzählige Onlinedienste nutzen. Es muss doch im Interesse der Plattformen sein, aktive Nutzer mit stets aktuellen Daten zu haben, nicht aufgeblähte Nutzerzahlen, die durch inaktive (weil verstorbene) Geisteraccounts entstehen. Da können sich andere Plattformen ein Beispiel nehmen.

Thema: Allgemein, Digitaler Nachlass, Internet | Kommentare (0) | Autor:

Die Beiträge zur Blogparade – Tod und Trauer im Internet.

Samstag, 1. Dezember 2012 14:46

Die Blogparade “Tod und Trauer im Internet” die Jörg Eisfeld-Reschke und ich vor kurzem gestartet haben ist zu Ende. Stichtag war der 26. November 2012. Es ist eine recht stattliche Anzahl interessanter Beiträge zusammen gekommen. Heute geben wir eine Übersicht über die Autoren/Autorinnen und Themen, zu denen die gestellten Fragen angeregt haben. Wir sichten die einzelnen Beiträge noch genauer und dann kommt eine inhaltliche Zusammenfassung. Vielen Dank an Jörg Eisfeld-Reschke, der die Beiträge übersichtlich zusammengeführt hat.

Hier der Überblick über alle Beiträge, die zur Blogparade eingereicht wurden:

Vielen herzlichen Dank an alle Autorinnen und Autoren für die inspirierenden, aufklärerischen und interessanten Beiträge!

Thema: Digitaler Nachlass, Internet, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Social Media und der Tod – Beschleunigung und Entschleunigung des Lebens

Donnerstag, 1. November 2012 18:36

Die Blogparade zum Thema Tod und Trauer im Internet zieht Kreise. Mit meinem eigenen Beitrag will ich einen Blick werfen auf die Frage, ob die Nutzung von Social Media bei einem Todesfall nicht diametral entgegengesetzt ist zu dem Geschehen offline. Die Stichworte “Beschleunigung” und “Entschleunigung” dienen der Veransschaulichung.

Ich bin in beiden Bereichen tätig: online und offline. Online lösche ich Profile verstorbener Menschen, melde Accounts ab, sichere für die Angehörigen Daten oder lösche diese, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Offline begleite ich Menschen beim Abschied. Bei Aufbahrungen begleite ich sie über die Schwelle hinein in den Raum, in dem der verstorbene Mensch liegt. Bei Trauerfeiern halte ich Reden, gehe mit zum Grab und begleite die Beisetzung. Dabei stelle ich fest, dass die Uhren in beiden Bereichen völlig anders ticken.

Der Medienwissenschaftler Geert Lovink nennt das Internet ein “24-Stunden-Nachrichtenspektakel”. Alle sind informiert, doch keiner denkt mehr nach. Die Internetaktiven pflegen rund um die Uhr ihre Profile bei facebook, twitter, google+, pinterest & Co. Diese Plattformen sind dynamisch, schnell, vernetzt und asap (as soon as possible).

Der Social Media Gehetzte

Seiten oder Profile auf denen wenig los ist, wirken irgendwie leblos und veraltet. Geschrieben wird in Echtzeit. Sein und Schreiben geschieht am besten zeitgleich. Das Sterben durchkreuzt diesen asap-Mechanismus. Eine letzte Bastion des Privaten, des nicht Getwitterten, nicht Gesharten, nicht Gelikten ist der Moment des Sterbens selbst.

Im Moment des Sterbens steht die Timeline für einen Moment still, bevor in ungebremster Heftigkeit die R.I.P Nachrichten das Profil überschwemmen. Nur so ist gesichert, dass der Schreiber der/die Erste ist. Urheber/in der Meldung, Startpunkt des Streams der Follower und “Freunde” wird. So wir das Facebook Profil “RIP Dirk Bach” die Fangemeinde an sich bindet. Kaum ist die Todesmeldung am 1.10. raus, schnappt sich dieser Zeitgenosse die Aufmerksamkeit von – eben nachgeschaut – 6769 “Gefällt mir”-Klickern.

Über die Trauer mit einem Klick hat ja Hedwig Seipel schon geschrieben. Auch der Hinweis auf den t3n-Artikel über Edgeranks von Jörg Eisfeld-Reschke im Kommentar dort gehört zu dieser Thematik. Wie im Großen bei den verstorbenen Prominenten funktioniert der Mechanismus auch bei den verstorbenen Normalsterblichen, nur mit weniger Reichweite. Entscheidend ist der  “Ich bin dabei”-Effekt im Freundeskreis.  Sicher, unter den Beiträgen ist auch echte Betroffenheit. Wer mag beurteilen, welche Tränen vor dem Bildschirm vergossen werden? Wer weiß, welche Trauer aus der eigenen Lebensgeschichte des RIP-Schreibers berührt ist, wenn die Trauerbekundung für einen Prominenten abgegeben wird? Wer Social Media nutzt, trauert in den vorgegebenen Strukturen der Plattform, sei es Facebook, Google+, Twitter, Xing oder andere.

Dennoch, bei aller Vorsicht in der Beurteilung, mich irritiert die Instant-Trauer in der Timeline. Haben diese Leute noch Zeit an ein Sterbebett oder zur Beerdigung zu kommen? Wie welchen Gefühlen treten die fleissigen Internettrauernden in den Aufbahrungsraum und wie nähern sie sich dem Körper, der nur noch tot ist. Erlauben sie sich das stille Verweilen am Sarg oder ziehen sie ihr Smartphone heraus und twittern jede innere Regung, quasi in einer permanenten Selbstbeobachtung und Überlegung, welche Worte bei den Followern am besten ankommen werden.

Im direkten Umfeld eines sterbenden oder verstorbenen Menschen spielen  Zeit und Schnelligkeit keine Rolle mehr. Ich habe noch von keinem sterbenden Menschen gehört, dass er noch schnell nach seinen E-Mails oder den Statusmeldungen seiner “Freunde” schauen wollte, bevor er stirbt. Das Internet mit seiner ganzen Dringlichkeit und Geschäftigkeit ist den Sterbenden herzlich egal. Manchen Trauernden wohl nicht. Twitter-Nachrichten von Beerdigungen hinterlassen bei mir einen schalen Nachgeschmack. Sie signalisieren eher “Ich war dabei”, Betonung mehr auf dem ICH, als auf der Trauer.

Wie hat sich die Trauerarbeit durch und mit Social Media verändert? Eines ist sicher, sie ist öffentlicher geworden. Aber das trifft ja auf alle Lebensbereiche zu. Unsensible Kondolenz und Gesehen-werden-wollen auf Beerdigungen gab es schon immer. Jetzt ist diese Seite der Trauer ebenso öffentlich wie die Trauer selbst. Ich selbst scheue mich meine Trauer so öffentlich zu machen. Ich habe noch nie in der Timeline kondoliert, auch wenn ich einen Menschen kannte. Ich gehe lieber zur Aufbahrung, wenn dies möglich ist. Ich gehe zur Beerdigung, besuche die Angehörigen und Freunde und schaue mir mit Ihnen die Fotoalben an.

Aber vielleicht sitze ich ja auch in Zukunft irgendwann mit den Angehörigen vor dem Bildschirm, weil alle Fotos nur noch digital zu sehen sind. Weil sie mir das Video zeigen wollen, das die früheren Zeiten wieder heraufbeschwört.

Welche Chancen oder Gefahren sehe ich, wenn Menschen das Internet in Zeiten der Trauer nutzen? Ich denke, es ist deutlich geworden: das Internet ist ein schnelles Medium. Es ist in Zeiten der Trauer zu schnell. Ich habe Angst, dass Menschen es verlernen bei den Toten zu verweilen. Ich habe unendlich viel über das Leben gelernt, weil ich die Verstorbenen und mit ihnen den Tod meditiert habe.

Thema: Digitaler Nachlass, Trauer | Kommentare (5) | Autor:

Blogparade zu Tod und Trauer im Internet

Dienstag, 16. Oktober 2012 19:27

 

Die Idee zur Blogparade hatte Jörg Eisfeld-Reschke. Über seine Veranstaltung bei der Social Media Week Berlin sind wir in Kontakt gekommen und herausgekommen ist dieser Aufruf.

Wie viele Deiner Facebook-Freunde und Twitter-Follower sind tot? Was passiert mit ihnen – löschen, ignorieren oder entfreunden? Was soll mit Deinen Social Media-Profilen passieren, wenn Du mal nicht mehr bist? Das sind Fragen, mit denen wir uns bislang glücklicherweise selten beschäftigen mussten. Aus Rücksicht auf uns und unsere Angehörigen sollten wir ihnen nicht mehr länger ausweichen. Lasst uns zu diesem Thema Gedanken machen, austauschen und Öffentlichkeit herstellen.

Kurzum: Lasst uns eine Blogparade “Tod und Trauer im Internet” starten!

Das Internet verändert die Art und Weise wie wir sterben und trauern. Das Thema ist noch recht jung und braucht mehr Aufmerksamkeit. Es fehlt bei vielen Sterbenden das Bewusstsein für ihren digitalen Nachlass – und den Hinterbliebenen geht es nicht anders.

Wie funktioniert eine Blogparade?

Eine Blogparade wird mit einem Aufruf gestartet. In einem vorgegebenen Zeitraum ehmen andere Blogger zu der aufgeworfenen Frage Stellung. Sie geben Antworten, diskutieren miteinander und zeigen neue Aspekte auf. Damit sie sich gegenseitig finden und Bezug nehmen können, wird der Aufruf verlinkt.

Leitfragen zur Blogparade “Tod und Trauer im Internet”

Den ganzen Themenkomplex auf eine einzige Leitfrage zu reduzieren wird seiner Tragweite nicht gerecht. Zudem treten bei jedem Gespräch und jeder Diskussion neue Aspekte hervor, die so noch nicht bedacht waren. Genau so soll es auch bei dieser Blogparade sein.

Hier einige Fragen zur Anregung:

  • Wie hat sich die Trauerarbeit durch und mit Social Media verändert?
  • Welche Chancen oder Gefahren seht ihr, wenn Menschen das Internet in Zeiten der Trauer nutzen?
  • Wie schätzt ihr das Potential, die Vor- und Nachteile von Webdiensten ein, mit denen Nachrichten nach dem Tod versendet werden?
  • Brauchen wir jetzt alle ein Testament für unseren digitalen Nachlass?

Die Blogparade läuft bis zum 26. November 2012. Anschließend fassen wir die Ergebnisse zusammen.

Birgit Aurelia Janetzky und Jörg Eisfeld-Reschke

Thema: Digitaler Nachlass, Trauer | Kommentare (3) | Autor: