Beitrags-Archiv für die Kategory 'Digitaler Nachlass'

Delete. Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten – Buchempfehlung

Mittwoch, 2. Februar 2011 10:59

mayer-schoenberger_delete

Selten hat ein Buch bei mir soviele bunte Klebezettelchen bekommen wie dieses. Das digitale Zeitalter perfektioniert die Erinnerung. Seit die Preise für digitale Speichermedien eine Halbwertszeit von wenigen Monaten haben, ist digitales Erinnern ein Kinderspiel. Niemals zuvor wurden in einem solchen Umfang Informationen gespeichert. Ungefiltert versteht sich, niemand scheidet das Wichtige vom Unwichtigen.

Vergessen können ist eine Errungenschaft des menschlichen Gehirns – so die These Viktor Mayer-Schönbergers. Vergessen können trägt zur Gewichtung von Informationen bei. Ohne Vergessen können keine Vergebung. Ganz praktisch demonstriert er dies anhang zweier Beispiele: eine ausgebildete Lehrerin erhält keine Stelle, weil sie unbedacht ein Foto von sich, betitelt „Betrunkene Piratin“, ins Internet gestellt hat. Einem Psychotherapeuten wird die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert, weil er in einem Zeitschriftenartikel erwähnte, selbst einmal LSD probiert zu haben.

In der analogen Welt sind derartige Informationen schon bald nicht mehr auffindbar, in der digitalen Welt dagegen gehen sie nie verloren. Sie sind auch nach Jahren noch verfügbar. Ob ein Mensch frühere Handlungen aktuell vielleicht ganz anders sieht, ob er sich von früheren Überzeugungen distanziert hat, den digitalen Daten ist das egal. Informationen gibt es nur in Jetzt-Zeit.

Mayer-Schönberger beschreibt die Rolle, die das Vergessen in der menschlichen Geschichte gespielt hat. Er zeigt die Gefahren auf, die eine uneingeschränkte digitale Speicherung nach sich zieht.

“Wenn wir damit rechnen müssten, dass jede Information über uns noch über unseren Tod hinaus im digitalen Gedächtnis bleibt, würden wir dann noch unbefangen persönliche Erfahrungen mitteilen und uns zu gesellschaftlichen und politischen Fragen äußern – oder würden wir uns selbst zensieren?”

Die Selbstzensur sieht er als eine der Folge der “ewigen” Verfügbarkeit von Informationen. “Google vergisst nie!” – einen solchen Hinweis sollte jeder Internetnutzer über seinem Bildschirm hängen haben.

Wird als Konsequenz der digitalen Speicherung nur noch das als wahr gelten, was die Suchmaschine als Ergebnis ausspuckt. Führen Informationen, die aus ihrem Kontext gerissenen werden, nicht zu Manipulationen? Oder wird es ein Qualitätsmerkmal der wirklich wichtigen Dinge werden, auf Papier verfügbar zu sein?

Mayer-Schönberger schlägt eine einfache Lösung vor: Dateien könnten mit einem Verfallsdatum versehen sein. Das selektiert dauerhaft erhaltenswerte Informationen von den Instantinhalten des Web.

“Delete” heißt das Buch: Lösche!

Was für den persönlichen Hausrat gilt – der sollte regelmäßig durchforstet und nicht mehr genutztes entsorgt werden – sollte auch für die digitalen Staubfänger gelten.

Die amerikanische Originalausgabe von “Delete” erhielt den McLuhan Award der Media Ecology Association (MEA) für das beste Buch des Jahres sowie den Don K. Price Award der American Politican Science Association (APSA) für das beste Technologie-Buch.

Viktor Mayer-Schönberger
Delete. Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Kamphuis

Berlin University Press 2010, 264 Seiten, EUR 24,90
ISBN 978-3-940432-90-2

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Thema: Digitaler Nachlass, Empfehlungen, Internet | Kommentare (0) | Autor:

store your DNA and your lifetime memories – Swissdnabank

Freitag, 14. Januar 2011 16:50

Ein weiteres Angebot, dass mit der “Ewigkeit” wirbt, ist die Swissdnabank. Das 2008 im schweizerischen Lugano gegründete Unternehmen verspricht die Speicherung der DNA und der Lebenserinnerung eines Menschen auf ewig.

Die Sicherheit einer Militärbasis in den Schweizer Alpen soll dafür sorgen, dass Menschen vertrauensvoll ihre DNA an das Unternehmen übermitteln. “Der sicherste Ort auf dieser Erde”, so die Werbung. Einen Datensafe für die Lebenserinnerungen eines Menschen bieten inzwischen viele andere an. Bilder, Videos, Audiodateien, Dokumente -  privat oder in der Wolke gespeichert, das ist nicht mehr neu. Die Bewahrung seiner körperlichen Einzigartigkeit, repräsentiert durch das Erbgut, ist das Alleinstellungsmerkmal von Swissdnabank.

Einfach eine Speichelprobe nehmen und per Post hinschicken. Die nachfolgenden Generationen sollen davon profitieren, diese Informationen später abrufen zu können.

Der Account kostet 99 Dollar für die Datenspeicherung. Allerdings werden die wenigsten mit 100 MB auskommen. Einen USB-Stick zur Speicherung gibt es für einen Bruchteil im Supermarkt zu kaufen. DNA-Speicherung und 1 GB Speicherplatz kosten 399 Dollar. Wer mehr Platz braucht für seine Video- und Bildersammlung, greift noch tiefer in die Tasche. Aber es ist ja für “ewig”, da sollten wir nicht geizig sein.

Kein Wort über die Möglichkeit des Mißbrauchs der Informationen meiner DNA. Ich will ja nicht kleinlich sein, aber heute morgen habe ich einen Artikel in der Zeitung über die Einführung der neuen Gesundheitskarte in Deutschland gelesen. Kritikpunkt ist dort die Speicherung von Gesundheitsdaten, etwas Psychotherapie, Aids, Erbkrankheiten, die für Arbeitgeber und Versicherungskonzerne natürlich von höchstem Interesse sind. Wer garantiert, das die Daten nicht in deren Hände gelangen? In dieser Diskussion wird von einer Speicherung der Erbinformation eines Menschen überhaupt nicht gesprochen, da würden alle Datenschützer entsetzt aufschreien. Und jetzt kann ich diese Information freiwillig einem Schweizer Unternehmen überlassen, damit sie sie in den Schweizer Alpen für die Nachwelt verwahrt . Wieder einmal ein Anbieter, der die Sehnsucht des Menschen anspricht, dass irgendetwas sein irdisches Leben überdauert.

Thema: Digitaler Nachlass, Kurios bis Seltsam | Kommentare (0) | Autor:

Klonen Sie sich digital für die Ewigkeit – virtualeternity.com

Dienstag, 28. Dezember 2010 14:27

Es scheint gerade Mode zu sein, digitale Unsterblichkeit im Internet anzubieten. Die englischsprachige Plattform Virtualeternity ist ein weiteres Beispiel. Nach dem Motto “Die Ewigkeit ist machbar” könnte ich mich hier virtuell klonen. Der sogenannten Intellitar (muss ein Kunstwort sein, mein Dictionary kennt es nicht) ist eine künstliche Intelligenz, die ich erschaffen und trainieren kann. Auf diese Weise könnten sich auch nach meinem Tod meine Angehörigen und Freunde mit mir unterhalten. Ich sehe aus wie ich, spreche wie ich und mit etwas Training hat mein Klon meine Persönlichkeit. So wie das Bild Lynn könnte eines Tages mein Bild auf der Webseite sein.

Ich habe probeweise eine Unterhaltung mit Lynn geführt, die mich auf der Webseite anlächelte und mich fragte, wie sie mir helfen kann. So sieht sie aus. Meine Unterhaltung mit ihr siehe unten.

Lynn: Welcome back to Virtual Eternity. How can I help you today?

Visitor: Who you are?

Lynn: My name is Lynn.

Visitor: How old are you?

Lynn: I don’t know if I have a “birthday” but I was created in 2010

Visitor: do you love me?

Lynn: Thanks, that’s kind of you to say

Visitor: this was a question

Lynn: I thought that might get your attention

Visitor: stupid

Lynn: I’m sorry you feel that way

Visitor: stupid

Lynn: I’m not programmed to respond to that

Visitor: you are a roboter

Lynn: yo’re free to think that, but I don’t believe so

Probieren Sie es selbst aus. Und schreiben Sie mir Ihre Dialoge in den Kommentar.
Die Seite ist ernst gemeint. Alles klar? Ich bleibe dabei: wenn ich gestorben bin, will ich einfach tot sein dürfen.

Mit diesem Artikel schließe ich dieses Jahr ab. Freuen Sie sich auf meinen ersten Artikel im neuen Jahr. Da werde ich Ihnen ein weiteres Angebot für digitale Unsterblichkeit vorstellen.

Thema: Digitaler Nachlass, Internet | Kommentare (0) | Autor:

Der Tod im Netz – Programmtipp Deutschlandfunk

Sonntag, 31. Oktober 2010 10:34

Der Tod im Netz – Der digitale Nachlass will geregelt werden

Deutschlandfunk Marktplatz
am 4. November 2010 um 10:10 Uhr

Am Mikrofon: Wiebke Lehnhoff

In Deutschland sterben jedes Jahr knapp eine Million Menschen. Viele von ihnen nutzten zuhause einen PC und waren im Internet unterwegs. Sie regelten ihre Geldgeschäfte online, bestellten Waren im Netz, unterhielten eine eigene Homepage oder waren Mitglied in einem sozialen Netzwerk.

In jedem Fall speicherten sie unzählige Daten und Dateien auf Ihrem PC und hinterließen Spuren im Netz. Dieser digitale Nachlass muss inzwischen genau so sorgfältig geregelt werden wie Schriftstücke aus Papier. Denn in der digitalen Privatsphäre schlummern nicht nur wichtige Hinweise für die Entscheidung, ob man ein Erbe überhaupt antreten soll. Intime Daten auf einem PC können Angehörige auch negativ überraschen.

Was passiert mit all den Daten eines Hightechanwenders? Wer darf Daten löschen, Benutzerkonten übernehmen und Passwörter einsehen? In der realen Welt helfen Erb- und Totenschein, im Internet ist es dagegen ein Leichtes, auch ohne Kontrolle das digitale Leben eines Verstorbenen einfach weiter zu führen. Wie sich der digitale Nachlass vor und nach dem Tod regeln lässt, darüber informiert Wiebke Lehnhoff mit ihren Studiogästen im Marktplatz.

Ich bin als Gründerin von SEMNO als Expertin ins Studio eingeladen und freue mich auf die Fragen der Hörerinnen und Hörer.

Die Nummer für das Hörertelefon: 00 800 – 44 64 44 64

Die Nummer für das Faxgerät: 00 800 – 44 64 44 65

Die E-Mail-Adresse: marktplatz@dradio.de

> die Ankündigung

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Wohin mit den Toten – Sendung des Bayrischen Fernsehens

Freitag, 22. Oktober 2010 9:41

Die dunkle Jahreszeit beginnt. Mit ihr die Sendungen über Bestattungsthemen. Eine davon:

am 3.11.2010
im Bayerischen Fernsehen
um 19.00 Uhr (Stationen-Sendeplatz)
Titel “Wohin mit den Toten”

In Deutschland sterben jährlich zwei Großstädte wie Augsburg und Nürnberg zusammen weg. Rund um die letzte Ruhestätte gibt es daher in unserer Gesellschaft inzwischen eine ganze Industrie, die bei den Angehörigen für ihre Dienste wirbt. Da fällt eine Entscheidung nicht immer leicht …

Michael Wandt begleitet in seiner Dokumentation Menschen, deren Geschäft der Tod ist. Ob bei einer Beerdigung auf einem Berg, bei der Diamantherstellung mit Asche, bei einer anonymen Urnenbestattung oder der eher üblichen Erdbestattung – durch die Augen der Kamera erhalten wir einen Überblick über das vielseitige Angebot für die letzte Reise…

> weitere Infos

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