Beitrags-Archiv für die Kategory 'Gräber des Krieges'

#Feb bemerkenswerte Trauerreden: Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund

Donnerstag, 18. Februar 2010 10:00

Von einem Tag auf den anderen wurde im Jahre 1940 eine Wiener Heilanstalt in ein Kinderlager, eine Tötungsanstalt, verwandelt. Wenige haben überlebt. Die Kinder wurden von den Mördern zu medizinischen Präparaten herabgewürdigt, die bis vor wenigen Jahren in den Regalen standen.

Diese Regale einer sinnlosen Wissenschaft sollten geleert , die Kinder betrauert und begraben werden. Dafür hat sich eine Initiative Kritische Medizin über zwei Jahrzehnte hinweg eingesetzt. Am 28. April 2002 wurden die Kinder real und symbolisch beigesetzt.

Die Trauerrede wurde von Werner Vogt gehalten:

Das spät bereitete Grab. Trauerrede zum Begräbnis der ermordeten Kinder vom Spiegelgrund. Gehalten von Werner Vogt am 28.04.2002 beim feierlichen Trauerakt auf dem Wiener Zentralfriedhof.

“Schon lange ist ihnen die Erde leicht, der wir sie jetzt übergeben”

Erschienden in der Zeitschrift wespennest 127, S. 22
Im Internet zu lesen bei erinnern.at

Dieser Artikel ist Beitrag 3 von 2 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Bleibt nüscht übrig

Freitag, 4. Dezember 2009 16:09

Nicht jedes Buch sucht einen Verlag, nicht jede Geschichte kommt groß heraus. Das Internet bietet Möglichkeiten, die eigenen Geschichten zu veröffentlichen, Bookrix ist ein solcher Anbieter.  Egal ob veröffentlichen oder ein wenig stöbern, ein wenig Zeit muss man mitbringen.

Eine schönes Büchlein dort ist die “Trauerrede auf meinen Großvater”. Ganz liebevoll gestaltet, mit Achtung vor dem Leben des Großvaters und mit allerlei Alltagsweisheiten. Unter anderem die Weisheit, dass nüscht übrig bleibt.

Thema: Gräber des Krieges, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Menschliche Überreste aus dem Marienburger Massengrab beigesetzt

Sonntag, 16. August 2009 18:09

Transport der Marienburger Toten

Transport der Marienburger Toten

Der Fund des Massengrabes in Marienburg hatte im Januar 2009 für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Über die Hintergründe wurde je nach polititischer Ausrichtung unterschiedlich spekuliert. Von Typhustoten, von Hingerichteten, von Verhungerten war die Rede. Von Russen ermordete Deutsche, von Polen ermordete Juden, von Polen ermordete Deutsche, von Deutschen ermordete Juden – alles war im Angebot. Ausführlich hat polskaweb.eu über die Entwicklungen berichtet.

In einer Pressemitteilung des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge heißt es.

Die Untersuchung der menschlichen Überreste, die von Oktober 2008 bis April 2009 aus einem Massengrab in Malbork/Marienburg geborgen wurden, ist abgeschlossen. Der Chirurg und Gerichtsmediziner Dr. Leszek Zacharczuk teilt dazu mit:

Die genaue Zahl der Toten ist nicht zu ermitteln. Nach der Anzahl der gefundenen Schädelknochen handelt es sich um 2111 Menschen, nach der Anzahl der identifizierten Oberschenkelknochen sind es 2116 Menschen. Unter ihnen sind 1001 Frauen, 381 Männer, 377 Kinder und 352 Menschen, deren Geschlecht und Alter nicht bestimmt werden konnten. (…)

Der Zustand der meisten Gebeine lässt vermuten, dass diese Menschen durch Krankheiten, Unterernährung oder Erfrierungen gestorben sind. Angesichts der Zeitumstände ihres Todes waren es wahrscheinlich in ihrer überwiegenden Zahl deutsche Zivilisten, die zwischen Januar und März 1945 ums Leben kamen.

Am 14. August 2009 wurden die Marienburger Toten auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Stare Czarnowo bei Stettin bestattet. Geistliche aus Polen und Deutschland gestalteten die Trauerfeier, an der über 400 Menschen teilnahmen. Damit hat die Instrumentalisierung der Toten hoffentlich ein Ende. Alle Toten dieses Krieges sind würdig zu bestatten und zu betrauern, Deutsche, Polen, Russen, Juden und all die anderen.

Thema: Friedhof, Gräber des Krieges, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Bonmot – der Brunnen

Dienstag, 5. Mai 2009 9:50

Im Nachklang zum letzten Beitrag über die Gegenwärtigkeit des Krieges in den Menschen ist mir heute ein Gedicht von Rose Ausländer in die Hände gefallen.

Der Brunnen

Im verbrannten Hof
steht noch der Brunnen
voll Tränen
Wer weinte sie
Wer trinkt
seinen Durst leer

Thema: Bonmot, Gräber des Krieges, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

legt an. feuer.

Samstag, 2. Mai 2009 14:05

© Vera Tomankova - Fotolia.com

“Schreib doch mal ein Buch” habe ich öfter gesagt bekommen, wenn ich meine Geschichten aus dem Alltag einer Trauerrednerin erzählt habe. Als Rednerin bin ich nur noch ab und zu tätig. Ein Buch wird es wohl nicht geben. Jetzt habe ich ja diesen Blog. Doch die Geschichten gibt es immer noch.

Einmal wurde ich zu einer Beerdigung gerufen. Ein junger Mann war an Krebs gestorben. Seine Mutter kündigte mir an, dass ein Freund der Familie bei der Trauerfeier auch noch einige Worte sprechen wolle. Ihre Sorge war „hoffentlich spricht er nicht zu lange”. Ich habe versäumt nachzufragen, wer dieser Freund ist und in welcher Beziehung er zu dem Verstorbenen steht. In der Trauerhalle vergaß ich, dass da noch einer reden wollte.

Dafür sprach er am Grab. Er sprach von den ruhmreichen deutschen Soldaten, die für Deutschland im Kampf gegen den Bolschewismus gefallen sind und vom deutschen Heimatboden. Er ließ mit Befehlen eine Kompanie heran marschieren und stillstehen. “Legt an! Feuer!” Die Schüsse waren zu hören. Ein Salut für den Verstorbenen. Er überreichte der betroffenen Mutter des verstorbenen Helden einen Bilderrahmen mit einem Spruch über die Heimat darin. “Er starb im Kampf gegen den Bolschwismus im Dienst der Heimat.” Die Augen aller Anwesenden ruhten auf mir. Ich griff nicht ein in das Geschehen, ich war viel zu überrascht und in einer inneren Suchbewegung, was diese Situation bedeutet. Doch ich wusste, dass dies nicht das letzte Wort am Grab sein würde und gab die Erde ins Grab mit den Worten „Im Tod sind Freund und Feind gleich und miteinander vereint”.

Beim anschließenden Beerdigungskaffee stellte sich heraus, dass der ältere Herr zusammen mit dem Großvater des verstorbenen jungen Mannes in Stalingrad gewesen war. Er kam zurück, jener starb. Aber nur ein Teil von ihm war zurück gekommen. Der andere lebte mit den verstorbenen Kameraden in einer anderen gefühlten Gegenwart. Wir waren am Grab für wenige Momente Zeugen einer vergangenen Zeit.

Thema: Friedhof, Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Der Zug der Erinnerung

Montag, 23. März 2009 8:48

Seit November 2007 ist der Zug unterwegs, jetzt macht er Halt in Freiburg. Mit Hilfe der “Deutschen Reichsbahn” wurden während des Dritten Reises über 1 Million Kinder und Jugendliche verschleppt. Die Ausstellung “Zug der Erinnerung” erzählt die Geschichte der europäischen Deportationen in beispielhaften Biografien. Die Webseite des Projektes beschreibt die Hintergründe.

Auf den Bahnhöfen schienen sich die Wartenden an den Anblick der Todeszüge gewöhnt zu haben. Wie Fotodokumente aus mehreren Städten beweisen, fanden die Deportationen oft am helllichten Tag und auf den Nachbargleisen des alltäglichen Zugverkehrs statt. Aus dem Ruhrgebiet ist bekannt, dass einzelne Waggons an übliche Reisezüge gekoppelt wurden, um die deportierten Menschen zu Knotenpunkten des Bahnverkehrs zu bringen und dort mit anderen Verschleppten zusammenzuführen.

Auf dem Weg in die Vernichtung wurden die letzten Botschaften der Opfer gefunden, die sie aus den Zügen warfen: verzweifelte Hilferufe, Brieffetzen und Postkarten. Kaum ein Bahngleis, das an die Schicksale der Verschleppten erinnert; wenige Bahnhöfe, in denen ein Ort des Gedenkens besteht.

Vom 29. März bis 1. April 2009 ist die Ausstellung in den Zugwaggons in Freiburg zu sehen. Ein Begleitprogramm ermöglicht die Begegnung mit Zeitzeugen, bietet Filme und Freiburger Bezüge. Download: Zug der Erinnerung – Programm Freiburg.

Momentan steht der Zug in Offenburg (24. -26. März). Weitere Stationen in diesem Frühjahr werden sein: Konstanz, Biberach a.d. Riß, Laupheim, Ulm, Augsburg, München, Regensburg, Nürnberg, Fürth.

Thema: Empfehlungen, Gräber des Krieges | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky