Beitrags-Archiv für die Kategory 'Gräber des Krieges'

#Dez bemerkenswerte Trauerreden: Pierre Gouffault

Montag, 20. Dezember 2010 10:09

Bei einem Konzert traf ich Menschen, die ihn gekannt und von ihm erzählt haben. Pierre Gouffault war Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees. Er starb am 20. Dezember 2009 im Alter von 85 Jahren. Während der Nazizeit hat der Franzose im Widerstand gekämpft, wurde gefangen genommen und ins Konzentrationslagers Sachsenhausen gebracht. Er überlebte Krieg und Internierung. Nach dem Krieg setzte er sich gegen das Vergessen nationalsozialistischer Verbrechen ein, seit 2002  an der Spitze der Vereinigung der KZ-Überlebenden.

Die Trauerrede für Pierre Gouffault hielt Prof. Dr. Günter Morsch

In einer Rede im Juni 2006 fasste Gouffault seine Erfahrungen zusammen:

“Ich weiß seitdem, dass ein Mensch erst weiß, wer er ist, wenn er eine solche Probe durchgemacht hat.“

Dieser Artikel ist Beitrag 12 von 12 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

# Okt bemerkenswerte Trauerreden: Oberfeldwebel Florian Pauli

Dienstag, 26. Oktober 2010 10:11

Wieder ist ein deutscher Soldat in Afghanistan gestorben. Seit 2002 wurden mehr als 40 Soldaten bei diesem Auslandseinsatz getötet. Die Trauerrede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, anlässlich der Trauerfeier für den am 7. Oktober 2010 gefallenen Oberfeldwebel Florian Pauli ist nachzulesen auf der Seite Bundesministeriums der Verteidigung.

Wie hält man eine Trauerrede für einen jungen Mann in Uniform, der bei einem Selbstmordanschlag in einem fernen Land getötet wurde. Die Trauer ist immer vermischt mit der Frage: Was tut dieser junge Mann, was tun die Uniformträger in diesem fernen Land, dass sein Tod irgendeinen Sinn erhält? Zu Guttenberg sagt dazu:

“Wir lassen junge Menschen schwören, für unser Land tapfer zu sein. Und dann sind sie es und dann sterben sie tapfer.”

“Tapfer” im Leben meint furchtlos, heldenhaft, mutig, rechtschaffen, tatkräftig, waghalsig, unverzagt, furchtfrei, entschlossen, wacker, mannhaft, verwegen, gewagt, todesmutig etc. Tapfer kann man es nennen, wenn ein Soldat sich für einen Einsatz in Afghanistan meldet, in aller Bedeutungsvielfalt des Wortes “tapfer”. Aber kann ein Mensch “tapfer” sterben? Auf jeden Fall fühlt sich besser an als “feige” (was das Gegenteil von “tapfer” wäre) oder “sinnlos” (was Folge der Frage “warum in Afghanistan” wäre) sterben.

So lasse ich zwei unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen:

Blog Soldatenglück mit der Überschrift: “Es war dieser Gedanke des Helfens, der schon früh einen so wichtigen Platz in seinem Leben einnahm.”

Kolumne von Mely Kiyak (Frankfurter Rundschau) mit dem Titel: “Lieber Himmel” – Dort in Afghanistan kämpft niemand für unsere Freiheit. 

Dieser Artikel ist Beitrag 10 von 12 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (1) | Autor:

#Juni bemerkenswerte Trauerreden: Kurt Waldheim

Montag, 21. Juni 2010 8:53

Eien Trauerrede ist das letzte öffentliche Wort beim Tod eines Menschen. Wie kann ein ganzes Leben in einer Ansprache von 15, 30 oder 40 Minuten erfasst werden? Immer ist es die Auswahl des Redners, der Rednerin, welche Worte, welche Bilder er oder sie einsetzt. Besonders bei bekannten Politikern ist es undenkbar, dass eine rein private Rede gehalten wird. Verdienste sind zu würdigen, ein sensibler Umgang mit politischen Streitfragen muss gefunden werden.

Am 14. Juni 2007 starb Kurt Josef Waldheim, österreichischer Diplomat und Politiker. Er war von 1972 bis 1981 Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie von 1986 bis 1992 österreichischer Bundespräsident.

Umstritten war sein Umgang mit seiner NS-Vergangenheit. Ein Bericht der internationalen Historikerkommission bescheinigt ihm, dass seine Darstellung seiner militärischen Vergangenheit in vielen Punkten nicht im Einklang mit den Ergebnissen der Kommissionsarbeit steht. Seine militärische Vergangenheit sollte in Vergessenheit geraten.

Die Veröffentlichung dieses Berichtes führte 1988 zu einer Regierungskrise  und zur Isolation Waldheims.

Vor seinem Tod blickte er selbst zurück und schrieb in seinem Rückblick :

“Im Angesicht des Todes lösen sich alle Brüche des Lebens auf. Gutes und Böses, Helles und Dunkles, Verdienste und Fehler stehen nun vor einem Richter, der allein die Wahrheit kennt.”

EKurt Waldheim spricht von der zu späten Aufarbeitung des Geschehens, in dem Bewusstsein, dass die Generation, der er angehörte, diese Welt verlässt.

Auch die letzten Worte der Trauerrede für Kurt Waldheim, gesprochen von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer klingen versöhnlich.

“Begleiten wir den Verstorbenen versöhnt zu seiner letzten Ruhestätte.”

Versöhnung ist ja kein Widerspruch zu einer Aufarbeitung der NS-Zeit. Die Aufarbeitung gelingt nur mit einer Haltung, die nicht verurteilt, sondern Versöhnung sucht.

Dieser Artikel ist Beitrag 8 von 12 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

#April bemerkenswerte Trauerreden: Hans Filbinger

Freitag, 16. April 2010 11:02

Vor kurzem habe ich einen alten Herrn kennengelernt. Er hat den Krieg als Soldat selbst erlebt. Mit 18 Jahren wurde er in die Wehrmacht eingezogen und kämpfte in Russland. Er beschrieb das grausame System der Abschreckung. Die jungen Soldaten mussten einer Hinrichtung beiwohnen, bei der ein Desserteur erschossen wurde. Die Angst vor dem Tod als Deserteur sollte größer sein als die Angst vor dem Tod als Soldat an der Front. Wir sprachen auch über Hans Filbinger.

Hans Filbinger starb am 1. April 2007 und ist in einem Vorort von Freiburg beigesetzt.

Die Trauerrede des früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Günter Oettinger zum Tod von Hans Filbinger gehört zu den umstrittendsten Trauerreden der jüngeren Vergangenheit. Die Diskussionen flammte wieder auf, als Günther Oettinger als EU-Kommissar für Energiefragen nach Brüssel wechselte.

Die vollständige Rede wurde auf  Spiegel Online veröffentlicht. Der umstrittene Passus lautet:

“Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. (…) Es bleibt festzuhalten: Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.”

Oettinger wurde für diese Aussagen von verschiedenen Seiten stark krititisiert. Später hat sich Günther Oettinger, wohl aufgrund des öffentlichen Druckes, von seiner Rede distanziert und die Missverständnisse wegen seiner Trauerrede für Hans Filbinger bedauert.

Die Justiz der Wehrmacht  war für den Tod Zehntausender deutscher Soldaten verantwortlich, die als „Deserteure“ oder „Wehrkraftzersetzer“ aufgehängt oder erschossen wurden. Der alte Herr war damals ein junger Mann, der sich mit seinem Heimatland identifizierte. Ihn haben die Bilder des erschossenen Kameraden und die Angst des jungen Frontsoldaten geprägt.

Dieser Artikel ist Beitrag 5 von 12 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

#Feb bemerkenswerte Trauerreden: Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund

Donnerstag, 18. Februar 2010 10:00

Von einem Tag auf den anderen wurde im Jahre 1940 eine Wiener Heilanstalt in ein Kinderlager, eine Tötungsanstalt, verwandelt. Wenige haben überlebt. Die Kinder wurden von den Mördern zu medizinischen Präparaten herabgewürdigt, die bis vor wenigen Jahren in den Regalen standen.

Diese Regale einer sinnlosen Wissenschaft sollten geleert , die Kinder betrauert und begraben werden. Dafür hat sich eine Initiative Kritische Medizin über zwei Jahrzehnte hinweg eingesetzt. Am 28. April 2002 wurden die Kinder real und symbolisch beigesetzt.

Die Trauerrede wurde von Werner Vogt gehalten:

Das spät bereitete Grab. Trauerrede zum Begräbnis der ermordeten Kinder vom Spiegelgrund. Gehalten von Werner Vogt am 28.04.2002 beim feierlichen Trauerakt auf dem Wiener Zentralfriedhof.

“Schon lange ist ihnen die Erde leicht, der wir sie jetzt übergeben”

Erschienden in der Zeitschrift wespennest 127, S. 22
Im Internet zu lesen bei erinnern.at

Dieser Artikel ist Beitrag 1 von 12 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: