Beitrags-Archiv für die Kategory 'Kurios bis Seltsam'

Meine Zombiefreunde auf Facebook

Dienstag, 20. April 2010 11:11

Facebook ist in aller Munde. Seit die Stiftung Warentest dem Sozialen Internet-Netzwerk schlechte Noten in Sachen Datenschutz ausgestellt hat und die Ministerin Aigner in einem offenen Brief an Facebook-Chef Zuckerberg das US-Unternehmen zu striktem Datenschutz aufgerufen hat, dürfte die Problematik so langsam zu den Facebook-Nutzer durchdringen.

Ein spezieller Bereich ist der Datenschutz für verwaiste Profile. Inzwischen kann man bei Facebook das Profil von Verstorbenen in einen Memorial-Status überführen. Wer nichts von dem Profil weiß und die Funktion nicht findet (die Information findet sich natürlich nicht auf der Startseite von Facebook), sieht alt aus.

So entstehen Zombiefreunde, virtuell ausgestopfte Menschen – so werden sie in einem Artikel des ORF genannt. Was daraus für die Lebenden folgt ist dort schön beschrieben: Freundschaften, die ewig währen.

Thema: Digitaler Nachlass, Internet, Kurios bis Seltsam | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Steigern der Rendite mit Todesklausel in Unternehmensanleihen

Montag, 22. März 2010 9:00

Urne-Asche

Die Financial Times Deutschland berichtet aktuell über Spekulationen in den USA mit Hilfe todkranker Menschen. Die Finanzwelt hat eine ganz eigene Sprache. Ich könnte niemandem erklären, wie diese Finanzprodukte funktionieren. Die Fachwelt kennt sich besser aus mit Anleihen, Bond, Emittent, Survivor Option, death put, Nennwert und Rendite. Allerdings bin ich beeindruckt, auf welche Ideen Spekulanten kommen, um aus Asche Asche zu machen – so das wunderbare Wortspiel der Financial Times. Eine Frage bleibt offen: was bewegt todkranke Menschen dazu, einen solchen Vertrag zu unterschreiben? Immerhin, in Deutschland sind diese Papiere unbekannt.

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Thema: Kurios bis Seltsam | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Bitte stellen Sie einen Antrag

Montag, 8. März 2010 15:13

© Liv Friis-larsen - Fotolia.com

Nachdem ein Mensch gestorben ist, müssen die Angehörigen eine ganze Reihe von Ämtern und Vertragspartnern benachrichtigen. Die Rente, die GEZ, verschiedene Versicherungen, Zeitungsabos, Bankkonten, Mitgliedschaften in Vereinen und natürlich die Krankenkasse. Ein Mann, dessen Frau verstorben ist, berichtet von einem Telefonat mit der Krankenkasse seiner Frau.

Hotline

“Krankenkasse xy, mein Name ist Maier, was kann ich für Sie tun?”

Herr Müller

“Guten Tag, mein Name ist Müller, ich brauche ein paar Auskünfte, meine Frau ist verstorben…”

Schweigen

Herr Müller

“Hallo, sind Sie am Telefon?”

Hotline

“Jaaaa, worum geht es?”

Herr Müller

“Mein Name ist Müller,  meine Frau ist verstorben …”

Hotline

“Da müssen Sie einen Antrag zur Aufnahme ihrer Frau ins Krankenhaus stellen.”

Herr Müller (Name geändert) fragte mich dann, ob ich nicht ein Telefontraining für Mitarbeiter/innen von Krankenkassen über den Umgang mit Hinterbliebenen anbieten könnte. Werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf vorbereitet, dass jemand anruft, der den Tod eines Mitglieds der Krankenkasse anzeigt? Ist es so schwer “oh, das tut mir aber leid”, “mein Beileid”  oder “darf ich Ihnen mein Mitgefühl ausdrücken” zu sagen. Und dann richtig hinzuhören, worum es dem Anrufer geht? Ich aquiriere (bisher) nicht bei Krankenkassen oder Callcentern. Sollte ich aber angefragt werden, biete ich gerne eine entsprechende Schulung an.

Thema: Bonmot, Kurios bis Seltsam | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Unternehmen, aus denen doch nichts wurde

Freitag, 15. Januar 2010 12:11

© David Humphrey - Fotolia.com

Wer ein Unternehmen gründet, wer ein Projekt in die Öffentlichkeit bringen will, braucht eine Webseite. Gute Domainnamen sind nicht einfach zu finden. Gute Domainnamen sind etwas wert. Einige Namen möchte ich vorstellen. Die Rechte an den Namen wurden wieder zurück gegeben. Sie zeugen von Unternehmen, aus denen doch nichts wurde.

Auf der Internetseite SpyDom werden gelöschte Domains aufgelistet. Viele dieser Domains besitzen noch Backlinks oder Einträge in Webkatalogen irgendwo im Internet, die für den Aufbau eines neuen Projektes hilfreich sind. Die frei gewordenen Domains können durch eine Stichwortsuche eingegrenzt werden. In Abständen schaue ich dort vorbei, um zu sehen, was sich im “mortalen Bereich” tut. Und habe sofort Fantasien, wer da welches Projekt vorhatte und wieder aufgegeben hat.

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Thema: Internet, Kurios bis Seltsam | Kommentare (1) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Die zehn schönsten Tipps zum Halten einer Trauerrede

Sonntag, 13. Dezember 2009 13:16

Vorsicht Satire!

Liebe Freunde der Rhetorik,

im Internet kursieren zahlreiche Seiten,  auf denen Sie in Kurzform beigebracht bekommen, wie man eine Trauerrede hält.  Die zehn schönsten Tipps habe ich für Sie zusammengestellt. Originalzitate stehen in Anführungszeichen.
Ob es die besten Tipps sind? Aber entscheiden Sie bitte selbst.

Zu Beginn die wichtigste Erkenntnis:

“Die Trauer-Rede ist eine der schwierigsten Reden.
Allerdings kommt man nicht immer um ein paar Worte herum.”

Tipp 1:

“Erinnern Sie sich an den Toten.”

Tipp 2:

“Klären Sie Ihr Verhältnis zu dem Verblichenen.”

Tipp 3:

“Beachten Sie »familienprotokollarische« Wünsche.”

Tipp 4:

“Machen Sie sich Gedanken zum Rede-Thema”:
“Welche Gestalt nimmt der Tod an und wie kommt er zu uns?”

Tipp 5:

“Machen Sie sich Gedanken zum Rede-Thema”:
“Was heißt Abschied nehmen und was geschieht dabei?”

Tipp 6:

“Scheuen Sie sich nicht, wenn die Situation sehr stark auf Sie einwirkt, Ihre Gefühle zu zeigen, allerdings ohne aus der Fassung zu geraten.”

Tipp 7:

“Wenn Sie religiös sind, verweisen Sie darauf, dass der Tod kein Abschied für immer ist.”

Tipp 8:

“Mit Rücksicht auf die Trauernden sollte eine Rede kurz sein und sich auf das Wesentliche beschränken.”

Tipp 9:

“Noch ein praktischer Hinweis”:
“Denken Sie beim Abgang an eine Verneigung vor dem Sarg.”

Tipp 10:

“Überlegen Sie sich, ob Sie sich der anspruchsvollen Aufgabe gewachsen fühlen.”

Mein Zusatztipp:
Ich empfehle mit Tipp 10 anzufangen.

Thema: Kurios bis Seltsam, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Weit weg trauern

Samstag, 21. November 2009 11:00

© Vlad Kochelaevskiy - Fotolia.com

Wenn Sie weit weg wohnen und gar nicht da sein können können Sie weit weg trauern.

Ein Bestattungsunternehmen bietet auf seiner Webseite eine neue Dienstleistung.  Es bietet Trauernden an, in der Zeit zwischen Tod und Beisetzung eine E-Mail an eine bestimmte Adresse zu schreiben. Diese Mail wird dann dem Verstorbenen ungelesen mit in den Sarg oder ins Grab gelegt.

E-Mails sind so etwas wie die Postkarten der virtuellen Welt, also offen. Beim Empfänger der E-Mail ist sie als zweiseitige Postkarte gestaltet und er verspricht nur die Vorderseite zu lesen. Da muss der Empfänger gut die sechste Bitte des Vater Unser verinnerlicht haben. “Und führe mich nicht in Versuchung”.

Für den Fall der Fälle, wenn die Bestattung schon stattgefunden hat, gibt es eine zweite E-Mail-Adresse für die Post an den Verstorbenen. Diese Mails werden weder abgerufen noch gelesen (aber hoffentlich irgendwann gelöscht?), sie haben rein symbolischen Charakter. Dies könnte man einen  “mausetoten Briefkasten” nennen. Bei einem toten Briefkasten wird die Post nämlich abgeholt.

Dies ist ein Dienst des Bestattungshauses Haller – Gewinner des Funeral Award 2009 für die beste Webseite im Bestattungssektor. Liebes Bestattungshaus, ist dieser Dienst ernst gemeint? Wird er genutzt? Oder ist es einfach gut für die Public Relations?

Thema: Kurios bis Seltsam, Trauer | Kommentare (2) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky