Beitrags-Archiv für die Kategory 'Sterbebegleitung'

Sag mir, wo der Himmel ist…

Dienstag, 19. Januar 2010 11:39

Sag mir, wo der Himmel ist. Wo ist er geblieben?
Sag mir, wo der Himmel ist. Oben oder unten?

Die Zeilen stammen aus einem Lied, das wir früher oft gesungen haben. Vor fünfzehn Jahren als ich noch in der kirchlichen Jugendarbeit gearbeitet habe. Christoph Schlingensief sagt, wo der Himmel ist. Er ist hier. Hier unten. Er ist das Leben.

schlingensief-himmel

“Ich habe lernen müssen, auf dem Sofa zu liegen und nichts anderes zu tun, als Gedanken zu denken.”

schreibt er ins seinem Tagebuch einer Krebserkrankung.

“Im Januar 2008 wird bei dem bekannten Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktions- und Installationskünstler Christoph Schlingensief Lungenkrebs diagnostiziert. Ein Lungenflügel wird entfernt, Chemotherapie und Bestrahlungen folgen, die Prognose ist ungewiss – ein Albtraum der Freiheitsberaubung, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint.”(Klappentext)

Seine Gedanken hält er fest mittels eines Diktiergerätes. Er spricht mit sich selbst, mit Freunden, seinem toten Vater, mit Gott. Es ist ein berührendes Buch. Denn Christoph Schlingensief beschreibt mit großer Offenheit seinen Umgang mit der Krankheit und der Todesnähe. Er kann im Tempo der Welt nicht mehr mithalten und lernt, mit dieser Situation umzugehen und nicht zu verzweifeln.

“Dieses bewegende Protokoll einer Selbstbefragung ist ein Geschenk an uns alle, an Kranke wie Gesunde, denen allzu oft die Worte fehlen, wenn Krankheit und Tod in das Leben einbrechen. Eine Kur der Worte gegen das Verstummen – und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an diese Welt.” (Klappentext)

Sag mir wo der Himmel ist. Was Schlingensief in seinem Buch ausdrückt hat mir ein Freund vor kurzem sehr anschaulich gezeigt. Er fragte: wo beginnt der Himmel? Am Horizont? In ein Kilometer Höhe? Dort wo die Wolken sind? Nein!
Er bückte sich, berührte mit der Hand den Boden und sagte: Hier beginnt der Himmel!

Christoph Schlingesief
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!
ISBN: 978-3-462-04111-8
Erscheinungsdatum: 20. April 2009
256 Seiten
Gebunden
Euro (D) 18.95 | sFr 33.50 | Euro (A) 19.50
Verlag Kiepenheuer&Witsch

Dieser Artikel ist Beitrag 4 von 6 Beiträgen der Artikel-Serie empfohlene Bücher.

Thema: Empfehlungen, Sterbebegleitung | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Was pietätvoll ist und was nicht

Dienstag, 1. Dezember 2009 20:16

Der Begriff Pietät wirkt etwas verstaubt. Assoziationen mit dunklem Muff und weißen Palmwedeln auf schwarzem Grund werden wach. Dabei meint er einfach Ehrfurcht, Respekt, Rücksichtnahme, Achtung, Ehrerbietung, Ehrfürchtigkeit, Hochachtung, Rücksicht und dergleichen -  auf die Toten bezogen.

Ein Hintergrundartikel von Dr. Christine Pernlochner-Kügler auf dem Aspetos-Blog geht der Frage nach, wie Pietät heute verstanden werden kann.

Heute wird Pietät häufig mit dem Verstecken und Tabuisieren der Toten gleichgesetzt: Wer die Toten durch Hintereingänge hinausschafft, wer sie versteckt und nicht klar über sie spricht, meint, er ist respektvoll. Das ist einerseits ein falsches Verständnis des Pietätsbegriffes, andererseits verhindert es den natürlichen Umgang mit dem Tod und den Toten als Teil unseres Lebens.

Dabei kann man es auch genau andersrum sehen und das wäre auch gesünder: Wenn man diesen verstaubten Begriff heute überhaupt noch verwenden will, dann wäre es „pietätvoll“, dem Tod und den Toten wieder mehr Platz im Leben zu geben und mit ihnen einen respektvollen Umgang zu pflegen, ohne sie schnell durch Hintereingänge wegzuschaffen und über sie zu schweigen.

Ich finde, wir sollten nicht auf diesen Begriff verzichten, auch wenn es Pietäten (Bestattungsinstitute) gibt, die unter pietätvoll Tabuisieren verstehen. Danke für diese Klarstellung!

Thema: Bestatter, Friedhof, Sterbebegleitung, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Über die verdrängten Schattenseiten der Pflege

Donnerstag, 26. November 2009 22:30

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Pflege in Deutschland

– aller Aufklärung zum Trotz ist dieses Thema nach wie vor tabuisiert. Das Gespräch über einen drohenden Pflegefall, ob als Betroffener oder Angehöriger, wird als unangenehm empfunden. Menschen sind unsicher und unwissend. Eine typische Reaktion: das Thema wird ausgeblendet, bis der Fall eingetreten ist.

Broschüre

Mit der Broschüre „Lass uns reden!
(kostenlos erhältlich) lädt der Deutsche Ring die Generationen zum Dialog ein:

- Das Thema Alter und Pflege wird offen angesprochen.

- Sie stellt Fragen, mit denen jeder sich auseinandersetzen sollte.

- Fundierte Ratschläge helfen, das Gespräch in der eigenen Familie zu führen.

- Die Broschüre wurde gemeinsam mit Psychologen entwickelt.

So früh wie möglich vorsorgen

Neben dem menschlichen Schicksal hat das Thema Pflege auch eine finanzielle Seite. Wer ist da, wenn der Pflegefall zum Alltag wird? Oder wenn die gesetzliche Pflegeversicherung nicht reicht? Notgedrungen übernehmen meist Frauen die Pflege, falls sie nicht selbst voll berufstätig sind. Meist kennen Frauen tatsächlich die (unausgesprochenen) Bedürfnisse der Eltern oder Schwiegereltern am besten. “Aber heute werden die Menschen immer mobiler – und der familiäre Zusammenhalt wird umso schwächer, je weiter die Wohnorte von Eltern und ihren Kindern auseinander liegen.” Im Gunde genommen geht die Vorsorge für den Pflegefall alle an.

Es gibt eine kaum überschaubare Zahl von Versicherungsprodukten zum Thema Pflege. Umso wichtiger ist es, bei der Auswahl auf Kompetenz zu achten. Pflegevorsorge ist mehr als ein Produkt, das die finanzielle Seite der Pflege absichert. Es bedeutet, die menschliche Seite zu kennen und in der Lage zu sein, zu helfen.

dtring2Hier hat sich der Deutsche Ring bereits 2006 mit der Generationenstudie einen Namen gemacht.  Sie ist als Buch mit einem Vorwort von Henning Scherf unter dem Titel „Altersträume“ im Handel erhältlich.
Die Kompetenz des Deutschen Ring zeigt sich auch in den Details ihrer Versicherungen: So ist die RingPflegeRente mit zusätzlichen Service- und Beratungsleistungen versehen – von der Pflegeplatz-Garantie bis zum Pflegemanager, der persönlich mit Rat und Tat zur Seite steht. Wer sich informieren möchte, kann dies auf den Internetseiten der Versicherung tun oder dort eine persönliche Beratung anfordern.
Hier können Sie die Broschüre Lass uns reden! kostenlos anfordern.

Thema: Sterbebegleitung | Kommentare deaktiviert | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Geschichten, die das Leben schreibt

Donnerstag, 22. Oktober 2009 10:20

hebamme

Sophie wurde 1922 geboren. Der Tag wird nicht verraten, auch nicht auf dem Grabstein.* Das ist ein Schutz vor der Plauderfreudigkeit der dörflichen Friedhofsbewacher Friedhofsbesucher. Denn bei ihr stehen zum Geburtstag nicht immer frische Blumen auf dem Grab. “Das würde uns zu sehr stressen. Und darum geht es auch gar nicht”,  sagt mir ihre schriftlich zur Grabpflege verpflichtete Tochter. Aber den Beruf ihrer Mutter hat sie auf den Grabstein schreiben lassen: Hebamme. Die letzten Jahre war die Mutter dement und lebte in einem Pflegeheim. Sie ging leicht hinüber, ein Hauch nur war ihr letztes Ausatmen.

Kürzlich hat mir die Tochter diese berührende Geschichte erzählt:

Wochen nach der Beerdigung ruft eine Frau bei ihr an. Es ist eine Mitarbeiterin des Pflegeheimes, in dem Sophie längere Zeit lebte und in dem sie starb. Sie war zugegen, als die alte Frau den Rest ihres Lebens aushauchte. Sie erzählt von einem Besuch bei ihrer eigenen Mutter, mit der sie über das Sterben einer alten Frau an ihrem Arbeitsplatz sprach, einer Hebamme. Es schien ihr wohl schwer zu fallen die zahlreichen Todesfälle zu verkraften. Diese Mutter erinnerte sich an den Namen. Sophie hatte sie entbunden. Das Kind von damals begleitet die Hebamme von damals beim Sterben. Der erste und der letzte Atemzug. Ein Kreis hat sich geschlossen. Und so schien dieses ganz besondere Erlebnis ihrer Berufstätigkeit Sinn und Würde einer Berufung zu schenken.

* Der Familienname steht im Original auf dem Grabstein drauf, den habe ich für die versprochene Anonymität wegretuschiert.

Thema: Sterbebegleitung, Systemisches | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Fachtagung zum frühen Kindstod

Donnerstag, 15. Oktober 2009 14:00

Unter dem Titel “Früher Kindstod – eine interdisziplinäre Fachtagung für Medizin und Geburtshilfe, Psychologie und Seelsorge” findet vom 23.- 24.10. eine Tagung an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt  statt.

Mit dem Motto

Vom Kontakt zur Begegnung, vom Tabu zur Sprache, vom Wollen zum Handeln

bieten die Veranstalter einen Rahmen für Fachvorträge und das interdisziplinären und praxisbezogene Fachgespräch. Neben konkreten Zugängen zum Thema und Hilfen soll die grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Geschehen ermöglicht werden.

Weitere Informaionen und Anmeldung auf der Webseite des Veranstalters

Thema: Empfehlungen, Kinder und Tod, Sterbebegleitung, Trauer | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Die Medikalisierung und Ökonomisierung des Sterbens

Mittwoch, 7. Oktober 2009 10:36

Über die Wünsche und die Realität der Sterbenden spricht der Theologe und Soziologe Reimer Gronemeyer. Den Link zur Sendung des SWR gibt es auf seiner Webseite.

“Umfragen bestätigen: 80 Prozent der Deutschen wünschen sich noch heute, im Kreis der Familie zu sterben, doch die Realität sieht anders aus: Die meisten sterben in Krankenhäusern oder Pflegeheimen, und ihr Sterben wird zunehmend medikalisiert, institutionalisiert und ökonomisiert.”

Professor Dr. Dr. Reimer Gronemeyer, SWR2 Aula vom 30.12.2007.

Thema: Empfehlungen, Sterbebegleitung | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky