Beitrags-Archiv für die Kategory 'Trauer'

Vier minus drei – Buchempfehlung

Freitag, 13. Mai 2011 12:45

Wie schafft es ein Buch, dass aus einem schweren Stoff besteht – der Unfalltod des Mannes und zweier kleiner Kinder – auf eine Bestseller-Liste? Vielleicht ist es das Stichwort “neues Leben”, im Untertitel “Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand.” Da wird man neugierig. Niemand kann sich vorstellen, wie das gehen soll. Allein der Gedanke an den Unfalltod eines nahestehenden Menschen lässt die meisten innerlich schaudern. Betroffene nehmen das Buch in die Hand, vielleicht in der Hoffnung Verständnis und Hilfe zu finden. Nichtbetroffene bauen schon mal vor für den Fall der Fälle?

Eine Stärke des Buches ist, dass Barbara Pachl-Eberhart so authentisch schreibt. Gar nicht marktschreierisch oder voller Selbstmitleid “was habe ich für ein schweres Schicksal!” Für mich macht der Reiz dieses Buches die Nüchternheit des Faktischen “Familie mit vier Personen – Unfall – drei sind tot -allein” aus, gepaart mit einer Leichtigkeit im Schreiben und dem in allem Schrecken aufblitzenden Humor. Richtig erleichternd ist dann, dass diese starke, beeindruckende Frau auch an ihre Grenze stößt. Sie nimmt die Leserinnen und Leser mit in den inneren Taumel, doch nie lässt sie sie dort zurück.

Ein bißchen Mut erfordert es schon, an diesem Schicksal teilzunehmen. Mein Blick verweilte länger auf den Bildern des Mannes, der beiden Kinder, der Familie. Berührt werden die eigenen Trauererfahrungen. Barbara Pachl-Eberhart schreitet mutig voran mit ihrer Ehrlichkeit, die weder sich noch andere schont. Sie schreitet voran in eine neue Beziehung, wenige Monate nach dem Tod ihrer Familie. Das ist für viele ein Tabu-Bruch. Die Leserin, der Leser kommen nicht umhin, ihr eigenes Leben zu befragen. Ein Trost am Ende ist: für ein “neues Leben” in Ehrlichkeit braucht nicht immer jemand zu sterben.

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-7787-9217-9
€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 30,90* (empf. VK-Preis)

Auch als ebook erhältlich.

 

 

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Thema: Empfehlungen, Kinder und Tod, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Seminarangebot TrauerWege – Lebendige Ritualgestaltung zu Tod, Bestattung und Trauer

Montag, 21. Februar 2011 14:44

Oft ist ein Todesfall in der eigenen Familie ein Auslöser, dass Menschen sich weiterbilden möchten, um andere Menschen in ihrer Trauer begleiten zu können. Die Motivation ist entweder eine sehr gute Erfahrung, wie hilfreich es ist, im Trauerprozess begleitet zu werden. Oder Trauernden erleben, wie unbeholfen ihr Umfeld reagiert und möchten in Zukunft dazu beitragen, anderen diese Erfahrung zu ersparen.

Eine Freundin und Kollegin, Petra Hugo, bietet in Kooperation mit anderen Fachfrauen eine Fortbildung zur “Lebendigen Ritualgestaltung zu Tod, Bestattung und Trauer” an. Die vier Seminare, die einzeln oder gesamt belegt werden können, helfen persönlich oder beruflich interessierte Menschen, ihre Haltung und Fähigkeiten zu erweitern und sich Kraftquellen für den Trauerprozess zu erschließen. Beim 3. Seminar im August bin ich als Referentin beteiligt, Schwerpunkt wird hier die Gestaltung von Trauerfeiern sein.

Termine und Themen

  • 8. – 10. April 2011 Die Kostbare Zeit vom Tod bis zur Bestattung
  • 3. – 5. Juni 2011 Heilsames Singen, Klingen und Tanzen
  • 26. – 28. Aug. 2011 Erinnerung und Abschied feiern – Gestaltung von Trauerfeiern…
  • 2. – 4. Dez. 2011 Dem Leben, der Trauer, der Erinnerung… Gestalt geben

Alle weiteren Informationen und die Seminarausschreibungen gibt es auf der Seite von TrauerWege.

Aus der Ausschreibung:

“Auch angesichts von Sterben, Tod und Trauer können Menschen ihre Schöpfungs- und Gestaltungskraft und damit ihre Eigenmacht entwickeln, und professionell beteiligte Menschen können sie in diesem Sinne begleiten. In (symbolischen und kreativen) Handlungen, Ritualen und rituellen Abläufen können wir Rahmen und Ausdruck finden für unsere Seele, für Erlebnisse, Gefühle und Beziehungen. So können wir mit uns selbst und mit anderen – lebenden und verstorbenen – Menschen verbunden sein, mit Himmel und Erde, mit Kräften, die größer sind als wir. Eine rituelle Kultur gründet auf altem und traditionellem Menschheitswissen und braucht Weiterentwicklung mit neuen Ideen, damit sie den Menschen und ihren Bedürfnissen angemessen ist. Dann können wir uns darin aufgehoben fühlen, können Trost, Gemeinschaft und die Entfaltung heilsamer Kräfte erfahren.”

Kosten: Lehrgang 1020 Euro zzgl. Tagungshaus, Seminar 270 Euro zzgl. Tagungshaus

Ort: Stiftsgut Keysermühle in Klingenmünster bei Landau /Pfalz: DZ / EZ pro Nacht ca. 60 – 75 Eurowww.stiftsgut-keysermuehle.de

Veranstalter: Trauer-Wege-Leben, Petra Hugo, Weedstr. 8, 55237 Flonheim, Tel. 06734-961781
Mitglied des Bundesverbandes Trauerbegleitung

Dieser Lehrgang kann durch Bildungsprämien-Gutschein gefördert werden. Eine Förderung bis zu 500 Euro pro Jahr ist möglich für erwerbstätige Menschen innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen, in Familienzeit oder als BerufsrückkehrerInnen. Informationen zum Bildungsprämien-Gutsschein.

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Die Netzgemeinde nimmt Abschied von Rivva

Freitag, 11. Februar 2011 10:19

Keine Angst, Sie müssen Rivva nicht gekannt haben. Sie war noch recht jung, gerade vier Jahre alt. Viele Blogger kannten sie. Wer nicht so intensiv in das Online-Geschehen involviert ist, kannte sie nicht. Ihr Erzeuger nimmt Abschied:

Rivva
2007 – 2011
Merci et Adieu,
Frank

Doch Rivva war kein Kind, kein menschliches Wesen, sondern Rivva ist der Name einer sehr speziellen Suchmaschine im Internet.  Sie garantierte einen gewichteten Schlagzeilenüberblick über die deutschsprachige Blog- und Online-Medienlandschaft. Was viel diskutiert wurde und mit vielen Backlinks versehen war, brachte das Thema nach oben.

Es gibt Menschen, die verbringen einen Großteil ihrer Lebenszeit im Internet. Frank Westphal ist einer von Ihnen. Er bezeichnet sich selbst als “Extreme Programmer” und “Web 2.0 Technologist”. “Extreme” meint nun nicht, dass er extrem viele Stunden mit Programmieren verbringt, sondern meint eine agile Art und Weise in kleinen Teams neue Software zu entwickeln. Frank Westphal hat in seinem Bereich einen hohen Bekanntheitsgrad. Nun führt er die Suchmaschine Rivva nicht weiter. Über die Gründe wird fleissig spekuliert.

Das Ende dieses Netzdienstes gestaltet er selbst wie eine Todesanzeige.  Die Berichterstattung über das Abschalten gleicht einem Nachruf, wie am Beispiel von Jurek Scrobala (Süddeutsche Zeitung) deutlich wird. Die Freunde und Bekannten reagieren mit Kondolenzeinträgen über die Kommentarfunktion.

Aktuell sind bereits 278 Kondolenzbezeigungen eingegangen. Menschen, die Rivva kannten drücken ihr Bedauern aus, hoffen auf eine Auferstehung, bedanken sich oder fragen nach den Gründen. Ich kann die Reaktionen nachvollziehen. Denn Trauer entsteht nicht nur, wenn ein Mensch stirbt, sondern auch wenn ein Projekt oder eine Arbeit zu Ende geht. Tod und Abschied ist eine Realität. Dank und Anteilnahme entsteht, wenn jemand oder etwas eine Bedeutung im Leben eines anderen hatte. Einzig die Gestaltung, die den Abschied wie den Abschied von einem verstorbenen Menschen erscheinen lässt, finde ich etwas irritierend.

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Weihnachten allein

Dienstag, 21. Dezember 2010 10:11

“Dies wird ihr erstes Weihnachten ohne Ihre Frau (Ihren Mann/ Ihren Sohn/ Ihre Tochter) sein.” Diesen Satz hört man in der Adventszeit häufiger in einer Trauerrede. Viele Menschen freuen sich auf Weihnachten. Endlich ein paar Tage frei, endlich wieder beisammen, endlich die Feierlichkeit und den Lichterglanz genießen.

Menschen, die gerade von einer Beerdigung kommen, haben ganz andere Gefühle. Es kommt keine Weihnachtsstimmung auf. Die Glitzerwelt und der Konsumrauch in den Innenstädten (“der beste Weihnachtsumsatz seit fünf Jahren”) ist ihnen hohl geworden. Die glücklichen Paare auf dem Weihnachtsmarkt stimmen traurig. Vielen graut vor Weihnachten, denn die Betonung der Familie und die Erwartungen an das Fest, sind wie die Negativfolie, auf der die Trauer und der Verlust besonders weh tun.

Wie können trauernde Menschen diese Tage gut überstehen? Wichtig ist, dass sie sich erlauben zu trauern. Sie müssen in dem Weihnachtspiel nicht mitmachen. Sie dürfen Kerzen anzünden und die Lichter anschauen in Erinnerung an den verstorbenen Menschen, den Tisch für ihn mitdecken und sich erinnern wie es im im letzten Jahr noch war. Manchen hilft es, auf den Friedhof zu gehen und einen Weihnachtsgruss auf das Grab zu legen.

Wer das Bedürfnis hat allein zu sein, der darf die gut gemeinten Einladungen unter den Weihnachtsbaum anderer Leute ablehnen. Wer Angst vor dem Alleinsein hat , der sollte sie annehmen und offen darüber reden, wie es ihm geht. Niemand muss stark sein, um anderen das Fest nicht zu vermiesen. Es verändert das Zusammensein für alle, denn der Verstorbene ist anwesend, auch wenn er körperlich nicht da ist. Er gehört für den Trauernden ganz dazu. Wichtig ist so oder so, freundlich zu sich selbst zu sein.

Thema: Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Bestattungskultur und Trauer – 9. Palliative Care Symposium

Donnerstag, 21. Oktober 2010 11:24

Hinweisen möchte ich auf eine Veranstaltung zum Thema Bestattungskultur und Trauer am 26.11.2010 in Freiburg

Die Ausschreibung:

Eine faszinierende bisweilen auch verstörende Vielfalt von Bestattungskulturen begegnen uns in Geschichte und Gegenwart. Ob Erd-, Luft-, Wasser- oder Feuerbestattung und für alles finden sich eindrückliche Beispiele, in ihnen drücken sich Todesvorstellungen ebenso aus, wie Formen des Umgangs mit Tod und Sterben in verschiedenen Kulturen. Prägend für die Bestattungskultur in Deutschland und Europa waren – mit vielen Wandlungen – die christlichen Kirchen. Heute haben Glaubensgemeinschaften kein Monopol mehr auf die „letzten Dinge“ und es entwickelt sich eine vielfältige Bestattungskultur mit kreativen und individuellen Variationsmöglichkeiten: Friedwälder,

Aschenstreuwiesen, Diamantenpressungen aber auch Internetfriedhöfe sind die neuen Stichworte. Menschen mit Migrationshintergrund, etwa aus der Türkei, die zunehmend in Deutschland begraben sein möchten, verlangen nach neuen Friedhöfen und Kultursensibilität.

Das 9. Freiburger Palliative Care Symposium widmet sich dem Thema Bestattungskultur und Trauer und bietet Gelegenheit, sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es lädt dazu ein, die Vorstellungen von Bestattung und Trauerarbeit in den Kontext von Palliative Care zu stellen.

Es laden ein:

Prof. Dr. Thomas Klie (EH Freiburg)
Prof. Dr. Andreas Heller (IFF Wien)
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Christoph Student (Deutsches Institut für Palliative Care, Bad Krozingen)

Programm 26.11.2010, 9:00 – 17:00 Uhr
Anmeldung über das Institut für Weiterbildung an der Evangelischen Hochschule Freiburg e.V.

> Das vollständige Programm und die Anmeldung

Thema: Kirche/ Religion, Sterbebegleitung, Trauer | Kommentare (0) | Autor: