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Unter grünem Rasen – Buchbesprechung

Montag, 15. Juni 2009 10:52

Zeitungsmeldungen greifen regelmäßig die Frage der Anonymen Beisetzung auf. Aktuell dazu die Financial Times Deutschland oder das Online-Presse-Portale Pressetext Austria.

In den aktuellen Diskussionen um die Anonyme Beisetzung ist die Dissertation der Kulturwissenschaftlerin Traute Helmers eine willkommene Vertiefung, die über reine Pro und Contra Positionen hinausführt.

Das als Online-Publikation erhältliche Buch gibt mit gut recherchiertem und aufbereitendem Beispielen einen Einblick in den Themenkreis Anonyme Bestattung. Sie zeigt die unterschiedlichen Perspektiven von Personen, die selbst anonym beigesetzt werden wollen, von Experten der Institution Friedhof, von Friedhofsbesuchern und von Nahestehenden anonym Begrabener.

Die zugrunde liegende These ist, dass das anonyme Begräbnis keinen Kulturverfall, sondern eine kulturelle Leistung darstellt, die Bestattungstraditionen teils aufgreift wie sie andere verwirft und verändert, um neue Bedeutungen und Funktionen zu integrieren.

Die Befragung von zehn Frauen und Männer, die für sich ein anonymes Begräbnis wünschen, gibt Einblicke in ihre Art und Weise, letzte Dinge zu regeln und einem Erinnert- oder Vergessenwerden vorzusorgen. Interviews mit Friefhofsmitarbeitern zeigen manche Ambivalenz im Verhältnis von vorgesehener Anonymität und einem von Nahestehenden gesuchten Erinnerungsort. Das Bildmaterial stellt Objekte der Erinnerungskultur vor.

Im Unterschied zu anderen Studien zum anonymen Begräbnis nimmt die Autorin die analytische Kategorie Geschlecht mit auf. Sie untersucht die unterschiedlichen Sichtweisen von Frauen und Männern und bespricht die weibliche Symbolik auf dem Friedhof.

Unter grünem Rasen – Traute Helmers  – Oldenburg 2004

Eine kulturwissenschaftliche Studie zu neuen Formen von Begräbnis- und Erinnerungspraxis auf Friedhöfen.  Das anonyme Begräbnis zwischen institutionellem Bestattungsalltag und individueller Aneignung. Ritual und Objekt in der Erinnerungspraxis am anonymen Grabfeld.

Band 1 (Textband)
Band 2 (Bildband)

zugänglich als Online-Publikationen der Universität Oldenburg

Thema: Empfehlungen, Friedhof, Trauer, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

Kolumbarien in Kirchen

Dienstag, 19. Mai 2009 9:25

© Womo - Fotolia.com

“Kirche Herz Jesu in Hannover wird zum ersten Kolumbarium in Norddeutschland.”

Meldungen wie diese auf glaubeaktuell.net wird es in Zukunft häufiger geben. Nach Erfurt, Marl und Aachen entsteht in Hannover-Misburg ein Kolumbarium in einem Kirchengebäude. Das Modell wird Schule machen, denn es schlägt mehrere aktuelle Kirchenfragen mit einer Klappe.

Die Planung sieht vor, ein „Weizenfeld” aus 880 Stelen in die Kirche zu bauen. Diese Stelen aus Bronzerohr werden 2,26 Meter hoch sein und einen Durchmesser von zehn Zentimetern haben. Jede soll eine bis zwei Ascheurnen aufnehmen können. Architekt Tobias Klodwig rechnet mit etwa 1.400 Urnenplätzen insgesamt. Der Name des oder der Toten wird in die Stele graviert. Den oberen Abschluss der Stele, die „Frucht”, bildet ein kreuzförmig eingeschnittener Zylinder, Ausdruck des Miteinander von Tod und Auferstehung.

Durch die notwendige Zusammenlegung von Kirchengemeinden zu größeren Seelsorgeeinheiten werden einzelne Kirchengebäude nicht mehr genutzt. Mit dem Verkauf von Nutzungsrechten an den Grabstätten können Einnahmen erzielt werden, denn auch die Kirchen müssen bei sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer mit spitzem Bleistift rechnen. Die Kirchen bieten Versammlungsräume, die auch für Trauerfeiern geeignet sind. Zudem erschließt das Engagement im Bereich der Bestattungskultur missionarische Wege der Seelsorge, denn sie erreicht bei Trauerfeiern und Bestattungen auch kirchenferne Menschen. Die Gestaltungshoheit bleibt bei den Kirchen. In Zeiten moderner Grabmalgestaltung mit nicht immer christlicher Symbolik, ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor. Mit ihrer seelsorglichen Kompetenz in der Trauerbegleitung erschaffen sich die Kirchen ein positives Image.

Vorraussetzung für die Nutzung einer Kirche ist ihre Umwidmung. Wird das Angebot angenommen, haben sich die Umbaukosten schnell amortisiert. Auch die laufenden Kosten für Personal, Instandhaltung und Betriebskosten sollen aus den Einnahmen gedeckt werden. Nicht ganz billig ist der Urnenplatz in Herz Jesu in Hannover-Misburg, er soll bei 20 Jahren Nutzungsdauer durchschnittlich 3000 Euro kosten. Gemeindemitglieder erhalten einen Vorzugspreis, wenn sie sich schnell entscheiden. Die ersten 150 Plätze kosten nur die Hälfte. Die Marktwirtschaft hält in den Kirchen Einzug.

Allerdings sind nicht alle von diesem Geschäftsmodell der Kirchen begeistert. In Zeiten großer Überhangsflächen auf den städtischen Friedhöfen, entsteht den Kommunen eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz. Denn nicht nur der Verkauf von Nutzungsrechten an Grabstellen, auch die Nutzung der vorhandenen Trauerhallen und die Beauftragung zur Grabpflege, bedeuten Einnahmen für die Bewirtschaftung der Friedhofsflächen.

Thema: Friedhof, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Urnengräber: Quadratisch und praktisch, gut?

Sonntag, 22. Februar 2009 15:41

"cimetière">Eric

Die Nachfrage nach pflegeleichten Grabstätten für Urnen steigt. Auf manchen Friedhöfen schießen die Urnenwände wie Pilze aus dem Boden. Es ist Zeit für eine Übersicht über diese Beisetzungsart.

1.  Für manche Leute praktisch, aber nicht unbedingt gut

Die anonyme Urnenbeisetzung: Praktisch ist es für die Sozialämter, die damit die Kosten gering halten wollen. Die Urnen werden meist frühmorgens von Friedhofsmitarbeitern auf einem dafür vorgesehenen Grabfeld beigesetzt. Das Grab erhält keine Kennzeichnung. Nur die Friedhofsverwaltung weiß, wer wo liegt. Nicht gut für die Menschen, die den/die Verstorbene kannten. Denn sie haben keinen Ort, zu dem sie gehen können.

2. Nur bedingt praktisch, aber schon besser

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Thema: Friedhof | Kommentare (0) | Autor: