Tag-Archiv für » community «

Deutsche Bloggerkultur

Samstag, 27. Juni 2009 12:00

© PeJo - Fotolia.com

Manchmal mache ich mir schon Gedanken, ob die ganze Arbeit an diesem Blog lohnt. Was schätzen Sie, wieviel Leuten ich schon erklärt habe, was ein Blog überhaupt ist und worin Blogs sich von anderen Webseiten unterscheiden?

Menschen in der Bestattungsbranche sind als Internetnutzer eher konservativ. Beschreibend ausgedrückt. Doch was noch nicht ist, kann ja noch werden. Mit etwas Zeitverzögerung werden Blogs, Wikis und Communities auch auf den Bildschirmen der Branche ankommen.

Das liegt insgesamt im Trend des Kulturvergleiches, den der Basic Thinking Blog aufgestellt hat.

Es gab keine “deutsche Blogger-Kultur”. Der Radius der Insider-Gemeinde war lange Zeit gering, sowohl bei der Zahl der Themen als auch bei der Leserschaft.

Basic Thinking meint, dass sich das Blatt gewendet hat und ruft das Jahr 2009 zum Blog-Wahrnehmungs-Wendejahr aus.  Der  Zeitgeist hat gut gearbeitet und die allgemeine Medienkompetenz nimmt zu.

Während die Medien derzeit orientierungslos und mit großer Verspätung im Web 2.0 ankommen, haben Blogs ihr Publikum bereits empfangen.

Auch ich empfange Sie auf meinem Blog mit offenen Armen. Herzlich willkommen.

Thema: Blog | Kommentare (0) | Autor:

nochmal twitter – beerdigung

Sonntag, 7. Juni 2009 10:00

An einem ganz normalen Twitter-Tag treffen sich Menschen in der Twitter-Liste. Die einzige Gemeinsamkeit ist das Stichwort Beerdigung.

Der Tierfreund
# Flubber_normal djflubber Jetzt zur Meerschwein Beerdigung.

Der Menschenfreund
# Bild_home_normal SchoolworksNews @djflubber Herzliches Beileid… Ich komm zur Beerdigung

Der Verbitterte
# Default_profile_normal SchalkerJung Bin ich froh, wenn ich bald nichts mehr mit der buckligen Verwandschaft zu schaffen habe. Nach der Beerdigung will ich sie nie mehr sehen!

Der Gestresste
# Default_profile_normal SchalkerJung Die Beerdigung meiner Oma habe ich neben der Arbeit organisiert. Stress pur!

Der Erschöpfte
# Profilbild_dm_normal hejgen Wieder zurück in Elstal. Heute vormittag war die Beerdigung meiner Großmutter. Werde jetzt in mein Bettchen gehen und Schlaf genießen.

Der Gezeckte
# Simone_dude-kleiner_normal SimQ hat mich doch gestern bei der beerdigung ne zecke erwischt! ja, ich pass auf, dass der kopp auch weg ist, ja ich achte auf die wunde usw

Der Befreite
# Marcus0309_450_normal Thempaxx @saschalobo …am tag meiner beerdigung sein dürfte: reiss dich mal zusammen! Keiner weiss, wie er sich/ob er was fühlt: Ergo:fühl dich frei

Der ganz Schlaue
# Avatar-raw_normal brillenfux @saschalobo wenn ich das in Reli richtig verstanden habe, fängt das leben dann doch erst richtig an!

Thema: Bonmot, Internet | Kommentare (4) | Autor:

Postmortales Digitalmanagement

Dienstag, 17. März 2009 21:14

Das Web 2.0 boomt. Ein Artikel auf Spiegel Online zitiert die Marktforscher von Nielsen, die eine neue Studie veröffentlicht haben. Das Web 2.0 wird die Netz-Nutzung umkrempeln. Die Nutzungsdauer steigt und Nutzerzahlen steigen, weil zunehmend ältere Menschen die Communitys entdecken.

Da mein Hauptinteresse der Bestattungskultur gilt, frage ich mich schon eine ganze Weile, was mit all den Profilen geschieht, die man über die Jahre im Web verstreut hat, wenn das reale Leben endet. Jetzt gehen in den USA erste Dienste an den Start, die dieses Problem bereits im Vorfeld regeln wollen. Spiegel Online berichtet darüber und über die Ergebnisse einer Anfrage an verschiedene Community-Betreiber. Werden die Profile gelöscht? Haben die Angehörigen Zugang zu den gespeicherten Inhalten, so wie sie Zugang zu im Nachlass gefunden Briefen haben? Ist dies im Sinne der Angehörigen? Oder muss der digitale Nachlass konsequent gelöscht werden?

Ein Unternehmensberater, mit dem ich einmal über dieses Problem gesprochen habe, hat dafür den Begriff  “postmortales Digitalmanagement” geprägt. Auch wenn dieses Wortungeheuer schräg klingt – es liegt auf der Hand, darüber nachzudenken, was im Falle eines Todes mit den eigenen Nutzerkonten geschehen soll. Wer sammelt die Profile am Ende wieder ein?

Die Nielsen-Studie als Download (Registrierung notwendig).

Thema: Digitaler Nachlass, Internet | Kommentare (2) | Autor:

SchülerVZ sperrt Profile und Trauergruppen nach dem Amoklauf

Sonntag, 15. März 2009 20:08

Es geht wie eine Welle durch das Internet. Aktuell finden sich bei Google 32.700 Treffer für die kombinierte Suche nach “Amoklauf Winnenden” . Eine Woche zuvor hat niemand diese Suche eingegeben.

Die vor allem von Schülerinnen und Schülern genutzte Community schülerVZ hat schnell reagiert. Denn dort suchten sie alle nach Informationen für die Titelseiten, die Leute von den Medien.

Zwei gute Artikel habe ich auf mehrblog.net gefunden.  SchuelerVZ nahm die Profile der Opfer und des Täters heraus, um die virtuell Schaulustigen abzuweisen. Ebenso wurde eine Reihe von Gruppen gesperrt, die spontan eingerichtet wurden, um das Entsetzen ausdrücken und die Trauer mit anderen teilen zu können.

Als Grund dafür gibt das Unternehmen an, dass die Nutzer vor sensations suchenden Journalisten geschützt werden sollen – Die Betroffenen sprechen von Zensur.

Jüngere Menschen haben einen anderen Umgang mit Privatheit und persönlichen Informationen im Internet. In den Communities muss man sich registrieren, um dort lesen und schreiben zu können, doch das ist schnell gemacht. Wo die Jugendlichen die Eingriffe von SchülerVZ als Zensur empfinden, sehe ich den Schutz der Opfer und der Angehörigen. In der spontanen Betroffenheit werden Einträge gemacht, die allzu öffentlich sind. Sinnvoll ist es, in den Schulen, in den Klassen miteinander zu sprechen, was der Amoklauf auslöst, welche Ängste da sind, welcher Umgang untereinander, welche Gewalterfahrungen die Jugendlichen haben und wie darauf reagiert werden könnte. Ich bin sicher, auch dies ist momentan eine Welle, die viele erfasst.

Thema: Digitaler Nachlass, Internet, Trauer | Kommentare (2) | Autor: