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Die Netzgemeinde nimmt Abschied von Rivva

Freitag, 11. Februar 2011 10:19

Keine Angst, Sie müssen Rivva nicht gekannt haben. Sie war noch recht jung, gerade vier Jahre alt. Viele Blogger kannten sie. Wer nicht so intensiv in das Online-Geschehen involviert ist, kannte sie nicht. Ihr Erzeuger nimmt Abschied:

Rivva
2007 – 2011
Merci et Adieu,
Frank

Doch Rivva war kein Kind, kein menschliches Wesen, sondern Rivva ist der Name einer sehr speziellen Suchmaschine im Internet.  Sie garantierte einen gewichteten Schlagzeilenüberblick über die deutschsprachige Blog- und Online-Medienlandschaft. Was viel diskutiert wurde und mit vielen Backlinks versehen war, brachte das Thema nach oben.

Es gibt Menschen, die verbringen einen Großteil ihrer Lebenszeit im Internet. Frank Westphal ist einer von Ihnen. Er bezeichnet sich selbst als “Extreme Programmer” und “Web 2.0 Technologist”. “Extreme” meint nun nicht, dass er extrem viele Stunden mit Programmieren verbringt, sondern meint eine agile Art und Weise in kleinen Teams neue Software zu entwickeln. Frank Westphal hat in seinem Bereich einen hohen Bekanntheitsgrad. Nun führt er die Suchmaschine Rivva nicht weiter. Über die Gründe wird fleissig spekuliert.

Das Ende dieses Netzdienstes gestaltet er selbst wie eine Todesanzeige.  Die Berichterstattung über das Abschalten gleicht einem Nachruf, wie am Beispiel von Jurek Scrobala (Süddeutsche Zeitung) deutlich wird. Die Freunde und Bekannten reagieren mit Kondolenzeinträgen über die Kommentarfunktion.

Aktuell sind bereits 278 Kondolenzbezeigungen eingegangen. Menschen, die Rivva kannten drücken ihr Bedauern aus, hoffen auf eine Auferstehung, bedanken sich oder fragen nach den Gründen. Ich kann die Reaktionen nachvollziehen. Denn Trauer entsteht nicht nur, wenn ein Mensch stirbt, sondern auch wenn ein Projekt oder eine Arbeit zu Ende geht. Tod und Abschied ist eine Realität. Dank und Anteilnahme entsteht, wenn jemand oder etwas eine Bedeutung im Leben eines anderen hatte. Einzig die Gestaltung, die den Abschied wie den Abschied von einem verstorbenen Menschen erscheinen lässt, finde ich etwas irritierend.

Thema: Internet, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

out of web

Dienstag, 2. Februar 2010 19:00

Anbieter im Internet haben ein Interesse: Wie bekommen wir die Leute ins Internet und wie bringen wir sie dazu, das eigene Angebot zu nutzen. Seit längerem frage ich mich, wie die Leute eigentlich wieder aus dem Internet herauskommen. Datenbanken sind geduldig und werden nicht immer gut gepflegt. Wer sich bei einem Dienst, den er nicht mehr nutzen möchte abmelden will, muss oft eine detektivische Ader haben. Der Anmeldebutton ist nicht zu übersehen, der Abmeldebutton findet sich – wenn überhaupt – versteckt auf der dritten Unterseite und die “häufigen Fragen” liefern bei dem Stichwort “Abmeldung” kein Ergebnis.

Ein aktueller Artikel in der Financial Times Deutschland mit dem Titel “Out of Office” fragt nach, was mit Profilen, Fotos und E-Mails passiert , wenn der Nutzer stirbt. Die Wenigsten sind sich bewusst, wie wichtig diese Fragen für die Angehörigen werden, wenn sie einmal sterben. Solange das Internet ein Medium der jungen Generation war, stand dieses Thema nicht im Vordergrund. Je älter die Nutzenden werden, desto wichtiger wird es für die Seitenbetreiber, Informationen bereit zu stellen, wie Menschen aus ihrem “Netz” wieder herauskommen.

Thema: Digitaler Nachlass, Internet | Kommentare (0) | Autor:

Unternehmen, aus denen doch nichts wurde

Freitag, 15. Januar 2010 12:11

© David Humphrey - Fotolia.com

Wer ein Unternehmen gründet, wer ein Projekt in die Öffentlichkeit bringen will, braucht eine Webseite. Gute Domainnamen sind nicht einfach zu finden. Gute Domainnamen sind etwas wert. Einige Namen möchte ich vorstellen. Die Rechte an den Namen wurden wieder zurück gegeben. Sie zeugen von Unternehmen, aus denen doch nichts wurde.

Auf der Internetseite SpyDom werden gelöschte Domains aufgelistet. Viele dieser Domains besitzen noch Backlinks oder Einträge in Webkatalogen irgendwo im Internet, die für den Aufbau eines neuen Projektes hilfreich sind. Die frei gewordenen Domains können durch eine Stichwortsuche eingegrenzt werden. In Abständen schaue ich dort vorbei, um zu sehen, was sich im “mortalen Bereich” tut. Und habe sofort Fantasien, wer da welches Projekt vorhatte und wieder aufgegeben hat.

[...]

Thema: Internet, Kurios bis Seltsam | Kommentare (2) | Autor:

bestattungskultur zu verkaufen

Montag, 13. Juli 2009 10:00

Vor kurzem habe ich nach der Telefonnummer einer Friedhofsverwaltung gesucht. Unter www.friedhof-NameDerStadt.de finde ich die gesuchte Nummer nicht. Stattdessen kann ich dort den Domainnamen kaufen. Webseite und Onlineshop bestelle ich am besten gleich mit. Es gibt Firmen die Domains nach dem Muster www.Branche-NameDerStadt.de flächendeckend anbieten.

Als  Namen für diesen Blog war www.bestattungskultur.de naheliegend. Was ich fand ist ein Lehrstück über die Kultur der freien Marktwirtschaft. Ich könnte mir die bestattungskultur kaufen. Sie wird von einem Domain-Spekulanten angeboten, ebenso www.trauerfeier.de und www.bestattungswelt.de. Manch eine/r aus der Branche hat sich frühzeitig mit den Mechanismen des Internet beschäftigt und sich gute Domainnamen gesichert. Auf die Unternehmens-Webseite verlinkt, führen sie die Leute zum eigentlichen Angebot.

Gute Domainnamen werden von Unternehmen aufgekauft.  Die Masse macht’s. Irgendwann findet sich einer, der bereit ist für den Domainnamen Geld auszugeben.

Domainnamen werden wie Immobilien verkauft, versteigert und vermietet. Angesichts eines immensen Überangebots ist der Handel alles andere als einfach. Mit attraktiven Namen ist trotzdem ein Erfolg möglich.

schreibt Sven Lennartz auf seinem Blog. Anschließend gibt er gute Hinweise, wie Domainhandel funktioniert und auf was bei der Wahl der Domainnamen zu achten ist. Rekordpreise sind allerdings sind selten.

Sehr selten sogar. Eine gute Übersicht über bisher erzielte Preise bietet der Domain-Spiegel. Selbst wirklich attraktive Namen dürften kaum mehr als 500 bis 1000 Euro erzielen.

Die meisten kleineren und mittleren Dienstleister weichen auf freie Domainnamen aus. Mir selbst widerstrebt es auch, hier die Kommerzialisierung voranzutreiben. Zumal ein guter Domainname verbunden sein muss mit einer guten Suchmaschinenoptimierung (SEO). Diese professionelle Herangehensweise scheitert zum einen oft an der Internetkompetenz, zum anderem am Geld.

Bei DENIC, einer  eingetragenen Genossenschaft, die die Top Level Domain .de verwaltet, kann jeder selbst  nachschauen, ob eine Domain noch frei oder wer der Inhaber einer Domain ist. Allen Baustellenschildern, Plattformen von Domainhändlern und Fehlermeldungen zum Trotz.

verwandter Artikel: Namensfindung leicht gemacht

Thema: Blog, Internet, Kurios bis Seltsam | Kommentare (1) | Autor:

hatmalgelebt.de

Donnerstag, 25. Juni 2009 14:55

Heute war in der Post ein Brief von meiner Freundin. Die schickt mir manchmal Zeitungsartikel, von denen sie meint, dass ich sie gelesen haben sollte. Dieser war wieder ein Volltreffer. Harald Martenstein, Experte für Architektur, den Papst – und sogar für Frauen (Zeit Magazin vom 28.05.2009):

Autoren, die als Experten auftreten sind wie das Internet. Man will es unbedingt haben, aber niemand möchte für Inhalte bezahlen. Mir geht es ebenso.

Ich möchte hinausschrei(b)en: Mir auch.

Nachdem er die Geschichte von George erzählt hat, der sich als Heizungsmonteur bei einem Sender beworben hatte, dank einer Verwechslung plötzlich auf Sendung war und Vernünftiges über Hedgefonds und den Dollarkurs von sich gab, schreibt Harald Martenstein weiter:

Er (George) sagt vernünftige Sachen und ist von den echten Experten nicht zu unterscheiden, es gibt nämlich überhaupt keine echten Experten.

Sollte ich als Expertin nun gekränkt sein? Beileibe nicht und Bei Leibe nein. Als potentielles Multitalent könnte ich sogar als Heizungsmonteurin arbeiten, vorausgesetzt ich hätte etwas mehr Lebenszeit mit Heizungen, Schaltplänen und den passenden Werkzeugen verbracht.

Meine Freundin verdient gut Geld. Sie arbeitet weder im noch mit dem Internet.
Harald hat jetzt eine Idee, wie er im Internet Geld verdienen könnte.

Mit einer Todesanzeigenseite, einer richtig kultigen Nachrufseite. Die vorgeschlagene Domain lebtnichtmehr.de ist schon reserviert. Ich habe gleich mal hatmalgelebt.de geordert. Mal sehen, wer schneller die Webseite online hat.

Thema: Blog, Internet | Kommentare (0) | Autor: