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Die Dichter wussten es schon immer

Samstag, 12. September 2009 14:00

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Ohne Tod wären wir nichts. Marie Luise Kaschnitz gibt ein interessantes Experiment an die Hand:

Wenn einer sich vornähme, das Wort Tod nicht mehr zu benützen, auch kein anderes, das mit dem Tod zusammen hängt, mit dem Menschentod oder mit dem Sterben der Natur. (…)

Er hätte es nicht leicht, dieser Schreibende, jeden Augenblick müsste er sich zur Ordnung rufen, etwas, das sich eingeschlichen hat, wieder austilgen, schon der Sonnenuntergang wäre gefährlich, schon ein Abschied, und das braune Blatt, das herabweht, erschrocken streicht er das braune Blatt.

(Marie Luise Kaschnitz, aus: Steht noch dahin, Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlage, 6. Aufl. 1981, S.21)

Dichter drücken in den Bildern der Natur ihre Erfahrungen mit dem Sterben aus. Zentral ist der Wandel und die Natürlichkeit des Todes. Viele Menschen fühlen sich von diesen Bildern emotional mehr angesprochen als von der christlichen Symbolik. Diese ist im Laufe der Geschichte entstanden und kulturell gewachsen . Die Natur ist unmittelbarer, auf dem gesamten Planeten zu finden, wir sind als Menschennatur Teil des großen Ganzen. Ein  Spaziergang im Wald oder am Strand bringt damit in Kontakt. Leben und Sterben sind so sinnfällig in der Natur.

Die Dämmerung naht -
im Sterben liegt der Tag…
Else Lasker-Schüler (aus: die Dämmerung naht)

Blätter fallen. Mich berührt
Was sich sanft bewegt (…)
Max Löwenthal (aus: Im Fallen)

Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden.
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht…
Hermann Hesse (aus: Welkes Blatt)

Dieser Artikel ist Beitrag 3 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie Trauer und Naturerfahrung.

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Wie halten Sie es mit der Erinnerung

Donnerstag, 20. August 2009 11:00

Es gibt Wohnungen, in denen fühle ich mich wie lebend in einem Museum begraben. Sie sind wohlsortiert, aber irgendwie tot. Andere sind von einer gradlinigen Ästhetik, aufgeräumt, kein Staubmäuschen, keine Staubfänger, bewundernswert und beängstigend zugleich. Dazwischen Wohnungen mit vor Kleinkram überquellenden Regalen, Sammelsurien von Mitbringseln von Märkten und Stränden dieser Welt. Den Dingen haftet Vergangenheit an. Es sind Erinnerungsstücke an Menschen, Orte, Gefühle, Lebensphasen.

Momentan lese ich das Buch “Eine Waise sozusagen” von Eleonora Lev. Vieles fragt mich an: wie gehst du mit der Vergangenheit um, dem Bekannten und den Lücken in deiner Familiengeschichte. Mit den Gegenständen, den Fotos, den Erinnerungen.

“Ich sammle keine Vergangenheit,” hat mir einmal jemand gesagt, als ich ihn verständnislos fragte, wie er Erinnerungsstücke wegschmeißen und sich mit solcher Leichtigkeit von Gegenständen trennen könnte.

(Eleonora Lev)

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Menschliche Überreste aus dem Marienburger Massengrab beigesetzt

Sonntag, 16. August 2009 18:09

Transport der Marienburger Toten

Transport der Marienburger Toten

Der Fund des Massengrabes in Marienburg hatte im Januar 2009 für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Über die Hintergründe wurde je nach polititischer Ausrichtung unterschiedlich spekuliert. Von Typhustoten, von Hingerichteten, von Verhungerten war die Rede. Von Russen ermordete Deutsche, von Polen ermordete Juden, von Polen ermordete Deutsche, von Deutschen ermordete Juden – alles war im Angebot. Ausführlich hat polskaweb.eu über die Entwicklungen berichtet.

In einer Pressemitteilung des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge heißt es.

Die Untersuchung der menschlichen Überreste, die von Oktober 2008 bis April 2009 aus einem Massengrab in Malbork/Marienburg geborgen wurden, ist abgeschlossen. Der Chirurg und Gerichtsmediziner Dr. Leszek Zacharczuk teilt dazu mit:

Die genaue Zahl der Toten ist nicht zu ermitteln. Nach der Anzahl der gefundenen Schädelknochen handelt es sich um 2111 Menschen, nach der Anzahl der identifizierten Oberschenkelknochen sind es 2116 Menschen. Unter ihnen sind 1001 Frauen, 381 Männer, 377 Kinder und 352 Menschen, deren Geschlecht und Alter nicht bestimmt werden konnten. (…)

Der Zustand der meisten Gebeine lässt vermuten, dass diese Menschen durch Krankheiten, Unterernährung oder Erfrierungen gestorben sind. Angesichts der Zeitumstände ihres Todes waren es wahrscheinlich in ihrer überwiegenden Zahl deutsche Zivilisten, die zwischen Januar und März 1945 ums Leben kamen.

Am 14. August 2009 wurden die Marienburger Toten auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Stare Czarnowo bei Stettin bestattet. Geistliche aus Polen und Deutschland gestalteten die Trauerfeier, an der über 400 Menschen teilnahmen. Damit hat die Instrumentalisierung der Toten hoffentlich ein Ende. Alle Toten dieses Krieges sind würdig zu bestatten und zu betrauern, Deutsche, Polen, Russen, Juden und all die anderen.

Thema: Friedhof, Gräber des Krieges, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Apollo 11 und das gütige Schicksal

Montag, 20. Juli 2009 16:34

Eine nie gehaltene Trauerrede beginnt mit den Worten:

„Das Schicksal hat bestimmt, dass die Männer, die zum Mond flogen, um dort in Frieden zu forschen, auf dem Mond bleiben werden, um dort in Frieden zu ruhen.“

Am 16. Juli 1969 startete mit Apollo 11 der erste bemannte Flug zum Mond, der eine Landung zum Ziel hatte. Alle wussten von dem Risiko, dass die drei Männer vielleicht nicht lebend zur Erde zurückkehren. Hat irgendjemand öffentlich darüber nachgedacht? Zumindest hinter verschlossenen Türen war man vorbereitet. Jetzt ist ein einem Archiv die Trauerrede aufgetaucht, die vorsorglich verfasst wurde. Richard Nixon hätte sie gehalten. Der Suedkurier online berichtet darüber.

Das Schicksal hat bestimmt, dass die Männer zum Mond und zurück flogen. Die Rede war nicht nötig, sie kam ins Archiv, um dort in Frieden zu ruhen. Heute kann die Welt freudig das 40jährige Jubiläum feiern.

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Grabsteine aus Leidenschaft

Donnerstag, 16. Juli 2009 10:00

wegner-begleitstein

Belgeitstein

Der Tod ist Durch- und Übergang zu einem veränderten Sein.

Diese Überzeugung ist für Eva Gesine Wegner grundlegend für ihre Arbeit mit den Menschen und mit den Steinen. Die Steinbildhauerin spricht mit ihren Skulpturen Dimensionen von Geglaubtem und Erlebtem an, die häufig unbenannt bleiben. Steine sind für sie lebendige Partner, die der Künstlerin ihr innewohnendes Wesen enthüllen, wenn sie mit Stille,  Achtsamkeit und schöpferischem Wollen mit ihnen ins Gespräch geht.  Mit Meißel und Bildhauerhammer legt sie die Strukturen frei, die zu den Menschen sprechen. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind:

Begleitsteine
für schwere und erfreuliche Grenzsituationen, in denen Begleitung gut tut.
Grabsteine
die auch direkt  auf dem Grab gearbeitet werden.
Quellendanksteine
an Orten, an denen die Erde den Menschen das lebensspendende Wasser freigibt

Die Auswahl des geeigneten Steines, manchmal direkt im Steinbruch, geschieht gemeinsam mit den Angehörigen. Intensive Gespräche helfen ihr später beim Gestalten. Aspekte aus dem Leben des verstorbenen Menschen fließen in diesen Prozess mit ein. Um öffentlich auf dem Grab Steine klopfen zu dürfen, bedarf es der Genehmingung durch die Friedhofsverwaltung. Denn es erregt akkustisch Aufmerksamkeit, Friedhofsbesucher werden angeregt, sich mit Kunst und Gedenken, lautlosem Sterben und der Ausdruckskraft steinerner Zeugnisse zu beschäftigen.

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