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Der Flieger – Buchempfehlung

Freitag, 15. Oktober 2010 10:03

Hart_Flieger

Maarten ’t Hart, Der Flieger

Die Frankfurter Buchmesse ist vor kurzem zu Ende gegangen. Doch das Buch, das ich vorstellen möchte ist kein “Jahrgang 2010″.  Genaugenommen ist 12 Jahre alt. Erstmals 1998 in den Niederlanden erschienen, wurde es erst 2008 auf Deutsch veröffentlicht.

»Mein Vater war Totengräber”, so sind die ersten Worte. Der Vater selbst bezeichnet sich lieber als “Grabmacher”. “Ich grabe keine Leute tot”, sagt er protestantisch korrekt. Er macht Gräber. Beharrlich weigert er sich Katholiken umzubetten, auf deren Grund und Boden neu gebaut werden soll. Sie müssten auf den neuen Friedhof rübergeschafft werden.

Erzählt wird die Geschichte von seinem Sohn, einem lesehungrigen Knaben, der in die Tochter der neuen Nachbarn verknallt ist. Sehr direkt, manchmal derb, aber immer liebevoll, schildert er die Vorgänge auf dem Friedhof. Und so wechselt der Roman von einem Satz zum anderen von den Gerüchen beim “Umbetten” zu hochgeistiger Literatur.

Maarten ’t Harts Roman ist lustig, bei jedem Umblättern der Seite überraschend und durchaus anspruchsvoll. Geht es doch seitenweise um theologische Argumentationen und Presbyter, die gekonnt Bibelzitate um sich werfen. Nicht nur Theologen haben ihre Freude an den Einblicken in die calvinistische Religiosität, die Probleme, die der Mittelscheitel des neuen Pastors der Gemeinde bereitet, und dem Wortwitz des Nachbarn Ginus, der einen Haufen Ärger wegen seiner eigenwilligen Auslegung der Schriften bekommt.

Maarten ’t Hart, Der Flieger, Roman, erschienen bei Piper
€ 8,95 [D], € 9,20 [A] ISBN: 9783492258791

Dieser Artikel ist Beitrag 8 von 15 Beiträgen der Artikel-Serie Empfohlene Bücher.

Thema: Empfehlungen, Friedhof | Kommentare (0) | Autor:

Vier Jahreszeiten und ein Friedhof

Donnerstag, 10. Juni 2010 23:24

Eine sehenswerte Serie von Friedhofsbildern hat der neuseeländische Fotograf Jonathan Clark veröffentlicht. Man sieht die Blumen förmlich wachsen und die Blätter fallen. Untermalt ist die Bildershow durch Naturgeräusche, aufgenommen von Greg Williams.
Die Bilder sind in England aufgenommen. Über zwei Jahren hinweg hat Clark die schönsten Momente aller vier Jahreszeiten in dieser Bilderserie festgehalten.

zu sehen auf Afterlifeseasons

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#April bemerkenswerte Trauerreden: Hans Filbinger

Freitag, 16. April 2010 11:02

Vor kurzem habe ich einen alten Herrn kennengelernt. Er hat den Krieg als Soldat selbst erlebt. Mit 18 Jahren wurde er in die Wehrmacht eingezogen und kämpfte in Russland. Er beschrieb das grausame System der Abschreckung. Die jungen Soldaten mussten einer Hinrichtung beiwohnen, bei der ein Desserteur erschossen wurde. Die Angst vor dem Tod als Deserteur sollte größer sein als die Angst vor dem Tod als Soldat an der Front. Wir sprachen auch über Hans Filbinger.

Hans Filbinger starb am 1. April 2007 und ist in einem Vorort von Freiburg beigesetzt.

Die Trauerrede des früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Günter Oettinger zum Tod von Hans Filbinger gehört zu den umstrittendsten Trauerreden der jüngeren Vergangenheit. Die Diskussionen flammte wieder auf, als Günther Oettinger als EU-Kommissar für Energiefragen nach Brüssel wechselte.

Die vollständige Rede wurde auf  Spiegel Online veröffentlicht. Der umstrittene Passus lautet:

“Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. (…) Es bleibt festzuhalten: Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.”

Oettinger wurde für diese Aussagen von verschiedenen Seiten stark krititisiert. Später hat sich Günther Oettinger, wohl aufgrund des öffentlichen Druckes, von seiner Rede distanziert und die Missverständnisse wegen seiner Trauerrede für Hans Filbinger bedauert.

Die Justiz der Wehrmacht  war für den Tod Zehntausender deutscher Soldaten verantwortlich, die als „Deserteure“ oder „Wehrkraftzersetzer“ aufgehängt oder erschossen wurden. Der alte Herr war damals ein junger Mann, der sich mit seinem Heimatland identifizierte. Ihn haben die Bilder des erschossenen Kameraden und die Angst des jungen Frontsoldaten geprägt.

Dieser Artikel ist Beitrag 5 von 12 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

Marilyn ich komme

Mittwoch, 26. August 2009 10:00

Die Grabstelle direkt über Marilyn Monroes Gruft wurde versteigert. Wenige Stunden päter trat der glückliche Gewinner von der Auktion zurück. Er hatte in seinem Geldbeutel nachgeschaut und festgestellt, dass ihm die nötigen 4 602 100 Dollar (3,2 Millionen Euro) fehlen.

Hier die vollständige Pressemeldung

So neu ist es nicht, dass Menschen in der Nähe von berühmten anderen Menschen begraben sein wollen und sich das einiges kosten lassen. Heute sind es die Gebeine der Stars und Sternchen, früher waren es die Gebeine der Heiligen. Je näher, desto besser. Denn die prominenten Knochen machen einen selbst berühmt oder heilig. Wie es beliebt.

Thema: Friedhof, Kurios bis Seltsam | Kommentare (0) | Autor:

Menschliche Überreste aus dem Marienburger Massengrab beigesetzt

Sonntag, 16. August 2009 18:09

Transport der Marienburger Toten

Transport der Marienburger Toten

Der Fund des Massengrabes in Marienburg hatte im Januar 2009 für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Über die Hintergründe wurde je nach polititischer Ausrichtung unterschiedlich spekuliert. Von Typhustoten, von Hingerichteten, von Verhungerten war die Rede. Von Russen ermordete Deutsche, von Polen ermordete Juden, von Polen ermordete Deutsche, von Deutschen ermordete Juden – alles war im Angebot. Ausführlich hat polskaweb.eu über die Entwicklungen berichtet.

In einer Pressemitteilung des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge heißt es.

Die Untersuchung der menschlichen Überreste, die von Oktober 2008 bis April 2009 aus einem Massengrab in Malbork/Marienburg geborgen wurden, ist abgeschlossen. Der Chirurg und Gerichtsmediziner Dr. Leszek Zacharczuk teilt dazu mit:

Die genaue Zahl der Toten ist nicht zu ermitteln. Nach der Anzahl der gefundenen Schädelknochen handelt es sich um 2111 Menschen, nach der Anzahl der identifizierten Oberschenkelknochen sind es 2116 Menschen. Unter ihnen sind 1001 Frauen, 381 Männer, 377 Kinder und 352 Menschen, deren Geschlecht und Alter nicht bestimmt werden konnten. (…)

Der Zustand der meisten Gebeine lässt vermuten, dass diese Menschen durch Krankheiten, Unterernährung oder Erfrierungen gestorben sind. Angesichts der Zeitumstände ihres Todes waren es wahrscheinlich in ihrer überwiegenden Zahl deutsche Zivilisten, die zwischen Januar und März 1945 ums Leben kamen.

Am 14. August 2009 wurden die Marienburger Toten auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Stare Czarnowo bei Stettin bestattet. Geistliche aus Polen und Deutschland gestalteten die Trauerfeier, an der über 400 Menschen teilnahmen. Damit hat die Instrumentalisierung der Toten hoffentlich ein Ende. Alle Toten dieses Krieges sind würdig zu bestatten und zu betrauern, Deutsche, Polen, Russen, Juden und all die anderen.

Thema: Friedhof, Gräber des Krieges, Trauer | Kommentare (0) | Autor: