Tag-Archiv für » Trauer «

Natur trug unbekümmert ihr altes Gewand

Samstag, 10. Oktober 2009 11:00

Seminarhaus Hirsenmühle

Seminarhaus Hirsenmühle

Der Titel ist einem Gedicht von Marie Luise Kaschnitz entnommen, aus dem Gedichtsband “Ich lebte”. Dichterische Sprache ist verdichtete Erfahrung. Ich freue mich, wieder ein eigenes Seminar für Menschen anbieten zu können, die sich Zeit und Raum für ihre eigene Verlusterfahrung, Trauer und Lebensorientierung geben wollen. Natur trägt unbekümmert ihr Gewand in allem Wechsel von Leben und Sterben. Diese Gelassenheit der Natur hilft vielen Menschen mit ihrer eigenen Erfahrung des Abschieds besser leben zu können. Im Schweigen und im Sprechen, in der Natur und mit den Menschen, verdichten sich die Erfahrungen zur unverwechselbaren eigenen Lebensgeschichte.

Seminar “Mein Schweigen – deine Stimme”
Termin: 11.-13. Dezember 2009 (Fr 16:00 – So 16.00 Uhr) in Hadamar-Oberzeuzheim (Nähe Limburg/ Lahn).

Dieser Artikel ist Beitrag 7 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie Trauer und Naturerfahrung.

Thema: Trauer | Kommentare (0) | Autor:

muslimisch christliche Beerdigungen

Dienstag, 29. September 2009 14:50

Vor einiger Zeit war ich Gast bei einer Beerdigung. Gestorbenen war das erstgeborene Kind eines Paares, das aus zwei Religionen und Kulturen kam. Sie war Christin, er Muslim.

Die Bestattung begleitete ein evangelischer Pastor. Es war so traurig. Nicht nur wegen des Kindes. Der Pastor legte eine klassisch evangelische Beerdigung hin. Kein Wort von den verschiedenen Kulturen. Kein Wort davon, was es für die Familie bedeutet, dass dieses Kind gestorben ist. Keinerlei Text oder Gebet aus der muslimischen Tradition. Die Herkunft des Vaters, seine Bedürfnisse und das religiöse Empfinden der Hälfte der Trauergäste wurden schlichtweg ignoriert.

Diese Beerdigung fiel mir wieder ein, als ich heute auf eine Arbeitshilfe gestoßen bin, die sich dieses Themas annimmt.

«Zu Ihm kommt ihr alle zurück»
Handreichung für christlich-muslimische Trauerfälle

Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen, behandelt die Arbeitshilfe die Themen Gericht und Auferstehung, Sterben und Begräbnis und gibt Hinweise auf Materialien und nützliche Literatur.

Aus der Einleitung:

“Die Zahl der religionsverschiedenen Ehen hat zugenommen. Es kommt immer öfter vor, dass bei einem Trauerfall Menschen islamischen Glaubens mit betroffen sind, sei es dass sie zu den engsten Angehörigen zählen oder dass sie zum familiären Umfeld oder zum Freundes- und Bekanntenkreis gehören. Die pastorale Begleitung eines solchen Trauerfalls muss islamische Gegebenheiten und Gefühle berücksichtigen, ebenso die Gestaltung der Trauerfeier.

Doch worauf ist besonders zu achten? Mit welchen Vorstellungen und Erwartungen ist bei muslimischen Beteiligten zu rechnen? Worauf kann und soll bei einer christlichen Beerdigung Rücksicht genommen werden? Dies können Fragen sein, die eine Pfarrerin oder einen Pfarrer beschäftigen.”

Doch nicht nicht nur für Pfarrerinnen und Pfarrer ist das Thema interessant. Auch Bestatter, Trauerredner und Friedhofsmitarbeiter treffen immer häufiger auf gemischt religiöse Trauergemeinschaften.

Die Arbeitshilfe betont:

“Es handelte sich bei der beschriebenen Liturgie nicht um eine interreligiöse Feier.Vielmehr war es eine katholische Beerdigung, in die ergänzend einzelne Elemente aus der Praxis muslimischer Beisetzungen Eingang gefunden hatten. Aus dem muslimischen Ritus war im Anschluss an die Beerdigung die Rezitation aus dem Koran hinzugekommen. Erde ins Grab zu werfen, ist in beiden Religionen gebräuchlich.”

Alle anderen Berufsgruppen sind freier, sie müssen nicht eine bestimmte Liturgie vertreten. Sie können einfach die Angehörigen fragen, wie eine Gestaltung der Trauerfeier aussehen könnte in der beide religiösen Traditionen zu ihrem Recht kommen. Die Angehörigen sind dann selbst die Experten ihres Lebens, auch ihres Abschiedes.

Die Arbeitshilfe nimmt sich eines wichtigen Themas an und enthält Texte und Gebete aus dem Christentum und dem Islam. Deshalb nehme ich sie gerne zur Hand.

Erhältlich online oder bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Fachstelle Migration, Speichergasse 29, 3011 Bern

© Bern 2008 Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn/ Fachstelle Migration und Katholische Fachstelle Kirche im Dialog, Bern.

Thema: Friedhof, Trauer, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

Die Dichter wussten es schon immer

Samstag, 12. September 2009 14:00

© Pavel Losevsky - Fotolia.com

Ohne Tod wären wir nichts. Marie Luise Kaschnitz gibt ein interessantes Experiment an die Hand:

Wenn einer sich vornähme, das Wort Tod nicht mehr zu benützen, auch kein anderes, das mit dem Tod zusammen hängt, mit dem Menschentod oder mit dem Sterben der Natur. (…)

Er hätte es nicht leicht, dieser Schreibende, jeden Augenblick müsste er sich zur Ordnung rufen, etwas, das sich eingeschlichen hat, wieder austilgen, schon der Sonnenuntergang wäre gefährlich, schon ein Abschied, und das braune Blatt, das herabweht, erschrocken streicht er das braune Blatt.

(Marie Luise Kaschnitz, aus: Steht noch dahin, Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlage, 6. Aufl. 1981, S.21)

Dichter drücken in den Bildern der Natur ihre Erfahrungen mit dem Sterben aus. Zentral ist der Wandel und die Natürlichkeit des Todes. Viele Menschen fühlen sich von diesen Bildern emotional mehr angesprochen als von der christlichen Symbolik. Diese ist im Laufe der Geschichte entstanden und kulturell gewachsen . Die Natur ist unmittelbarer, auf dem gesamten Planeten zu finden, wir sind als Menschennatur Teil des großen Ganzen. Ein  Spaziergang im Wald oder am Strand bringt damit in Kontakt. Leben und Sterben sind so sinnfällig in der Natur.

Die Dämmerung naht -
im Sterben liegt der Tag…
Else Lasker-Schüler (aus: die Dämmerung naht)

Blätter fallen. Mich berührt
Was sich sanft bewegt (…)
Max Löwenthal (aus: Im Fallen)

Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden.
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht…
Hermann Hesse (aus: Welkes Blatt)

Dieser Artikel ist Beitrag 3 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie Trauer und Naturerfahrung.

Thema: Bonmot, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Vom Foto zum Film: Lebensfilm

Montag, 7. September 2009 10:05

Die Formen der Erinnerung wandeln sich, die technischen Möglichkeiten tragen das ihre dazu bei.

Seit März 2006 gibt es das Unternehmen LEBENSFILM in Köln. Aus vorhandenen Fotografien erstellt Tobias Pollmüller und sein Team mit Hilfe modernster Computertechnologie und an professionellen TV-Schnittplätzen einzigartige Filmportraits. Beauftragt werden die Portraits von Angehörigen verstorbener Menschen, die sich sich durch diese besondere Form die Erinnerung bewahren wollen. Das Angebot hat inzwischen Nachahmer gefunden. Doch ich schätze die Sensibilität und das Einfühlungsvermögen der Filmemacher, die in den Filmen von LEBENSFILM spürbar ist.

Die Fotografien werden mit den Angehörigen gemeinsam ausgewählt und wenn möglich einem persönlichen Gespräch mit den Erinnerungen aus dem Leben des porträtierten Menschen verbunden. Auf der Webseite des Unternehmens können Beispiele angeschaut werden.

Weitere Projekte von Tobias Pollmüller sind “Hospiz macht Schule” und “Lebensfilm und Demenz“. Auf filmische Art und Weise entstanden die Biografien von zwei demenziell erkrankten Bewohnerinnen eines Pflegeheimes.

Thema: Empfehlungen, Sterbebegleitung, Trauer | Kommentare (0) | Autor:

Der Blitz schlägt ein

Samstag, 29. August 2009 14:00

Kennen Sie das auch? Es gibt Zeiten, da wird plötzlich von verschiedenen Seiten ein Thema an einen herangetragen. Jahrelang im Hintergrund, rückt ein Thema durch die Anfragen in den Fokus. So geht es mir gerade zu dem Thema Trauer und Naturerfahrung. In kurzer Zeit ist eine Artikelreihe zu dem Thema entstanden, die ich in den nächsten Wochen immer Samstags veröffentlichen werde.

Blitzeinschlag

Blitzeinschlag

Mein Schlüsselerlebnis

Draußen allein in der Natur. Einfach nur dagesessen, geschaut, gespürt, wahrgenommen im Innern und um mich herum. Mein Blick fällt auf einen Baum. Es gibt so viele Bäume im Wald, doch bei diesem einen verweile ich. Ich lasse mich von seiner Geschichte berühren und bemerke, dass er meine eigene Geschichte berührt.

In diesen Baum ist der Blitz eingeschlagen. Ein Teil von ihm ist tief verletzt.

Warum hat es ausgerechnet mich getroffen? Er fragt nicht.
Wer ist Schuld an meiner Situation? Im Wald gibt es keine Moral.
Wenn ich dieses getan oder nicht getan hätte, wäre es es vielleicht anders gekommen? Bäume kennen keinen Konjunktiv.

Bäume sind anders als Menschen. Es gibt Fragen und Verhaltensweisen, die ich nur bei Menschen beobachten kann. Dieser Baum lebt mit dem Ereignis. Er jammert nicht und hält sich nicht damit auf, dem Blitz seine Schuld nachzutragen. Er spürt, dass er nicht ganz zerstört wurde. Seine Wurzeln sind intakt. Jede noch so kleine Lebensader nutzt er, um weiter den überlebenden Teil zu versorgen. Er treibt neue Zweige und Blätter aus. Er ist gezeichnet. Das Leben ist größer. Er lebt.

* Veröffentlichung des Bildes unter Creative Commons Lizenz

Dieser Artikel ist Beitrag 1 von 7 Beiträgen der Artikel-Serie Trauer und Naturerfahrung.

Thema: Trauer | Kommentare (0) | Autor: