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#April bemerkenswerte Trauerreden: Hans Filbinger

Freitag, 16. April 2010 11:02

Vor kurzem habe ich einen alten Herrn kennengelernt. Er hat den Krieg als Soldat selbst erlebt. Mit 18 Jahren wurde er in die Wehrmacht eingezogen und kämpfte in Russland. Er beschrieb das grausame System der Abschreckung. Die jungen Soldaten mussten einer Hinrichtung beiwohnen, bei der ein Desserteur erschossen wurde. Die Angst vor dem Tod als Deserteur sollte größer sein als die Angst vor dem Tod als Soldat an der Front. Wir sprachen auch über Hans Filbinger.

Hans Filbinger starb am 1. April 2007 und ist in einem Vorort von Freiburg beigesetzt.

Die Trauerrede des früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Günter Oettinger zum Tod von Hans Filbinger gehört zu den umstrittendsten Trauerreden der jüngeren Vergangenheit. Die Diskussionen flammte wieder auf, als Günther Oettinger als EU-Kommissar für Energiefragen nach Brüssel wechselte.

Die vollständige Rede wurde auf  Spiegel Online veröffentlicht. Der umstrittene Passus lautet:

“Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. (…) Es bleibt festzuhalten: Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.”

Oettinger wurde für diese Aussagen von verschiedenen Seiten stark krititisiert. Später hat sich Günther Oettinger, wohl aufgrund des öffentlichen Druckes, von seiner Rede distanziert und die Missverständnisse wegen seiner Trauerrede für Hans Filbinger bedauert.

Die Justiz der Wehrmacht  war für den Tod Zehntausender deutscher Soldaten verantwortlich, die als „Deserteure“ oder „Wehrkraftzersetzer“ aufgehängt oder erschossen wurden. Der alte Herr war damals ein junger Mann, der sich mit seinem Heimatland identifizierte. Ihn haben die Bilder des erschossenen Kameraden und die Angst des jungen Frontsoldaten geprägt.

Dieser Artikel ist Beitrag 5 von 12 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

Till we meet again

Montag, 15. Februar 2010 16:00

till we meet again brother

bis wir uns wiedersehen

Ungewöhnliche Lebensläufe führen zu ungewöhnlichen Beerdigungen. Beerdigt wird ein Mann,  Mitglied eines Motorradclubs. Über achtzig Jahre alt ist er geworden, als junger Mann war er Soldat und kämpfte in Nordafrika. Er selbst ist nie Motorrad gefahren, doch die Mitglieder haben ihn in ihre Familie aufgenommen. Eine eindrucksvolle Erscheinung war er, lange weiße Haare, Lederklamotten, indianisch anmutendes Gesicht, das Emblem des Clubs bedeckte als Tattoo seinen ganzen Rücken. Er hat den Jüngeren, die knapp bei Kasse waren, manchmal “den Tank voll gemacht.” Ich durfte in der Vorbereitung für die Trauerrede ein paar Videos von den Treffen des Motorradclubs anschauen. Rauhe Sitten, kann ich nur sagen.

Entstanden ist eine Mischung aus traditionellem Begräbnis auf einem mittelhessischen Dorffriedhof und einem Rockertreffen. An die dreihundert Mitglieder des Clubs in voller Montur aus ganz Europa kommen zur Beerdigung. Es ist Winter, wegen der klirrenden Kälte stehen nur wenige Motorräder vor dem Friedhof, die meisten Trauergäste steigen aus vollbesetzten Autos aus. Einige Teile der Rede wiederhole ich auch auf Englisch, denn die Trauergäste aus Polen, aus Dänemark und Belgien wollen auch mit einbezogen sein.

Der Sarg wird durch ein Spalier von Fackeln hindurch zum Grab getragen, begleitet von „Stairways to heaven” von Led Zeppelin. Die Träger sind die Männer des eigenen Chapters. Sie zeigen eine raue Berührtheit, knappe von Herzen kommende Worte. „Till we meet again Brother – Ride free with our foreever chapter, my hand, my heart, till the end.” -  Bis wir uns wiedersehen, Bruder. Fahre von nun an mit den Brüdern, die sich in der Ewigkeit wieder gefunden haben. Dort sitzen sie immer noch auf ihren Maschinen. Jenseitshoffnung, Jenseitserwartung, Weiterleben nach dem Tod, diese Gruppe hat ihre eigenen Bilder dafür gefunden.

Thema: Friedhof, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

#Jan bemerkenswerte Trauerreden: Caroline Boss

Donnerstag, 28. Januar 2010 10:00

Weit verstreut in den Weiten des Internets gibt es eine Reihe bemerkenswerter Trauerreden, für prominente und namentlich unbekannte Menschen. In dieser Reihe gebe ich am Ende jeden Monats einen Hinweis, wo eine dieser bemerkenswerten Rede zu finden ist. In der Auswahl der Reden spiegelt sich die öffentliche Sichtbarkeit von Frauen und Männern wieder, bei den Verstorbenen und den Rednerinnen und Rednern. Ich freue mich über Hinweise von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, besonders über Hinweise auf Reden von und über Frauen.

Trauerrede zur Beerdigung von Caroline Boss.
gestorben am 7. Januar 2010

Ich begriff, dass Krebs kein Grund ist, sich aufzugeben. Im Gegenteil: Er ist ein Grund, das Leben erst recht zu beginnen

annabelle ist ein Schweizer Frauenmagazin: Mode, Beauty, Shopping, Reise, Liebe, Kochen, Gesundheit, Wohnen, Kultur. Ausgerechnet hier finde ich die Trauerrede für den Beginn meiner neuen Serie “Bemerkenswerte Trauerreden”. Artikel über Caroline Boss aus annabelle 10/08

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muslimisch christliche Beerdigungen

Dienstag, 29. September 2009 14:50

Vor einiger Zeit war ich Gast bei einer Beerdigung. Gestorbenen war das erstgeborene Kind eines Paares, das aus zwei Religionen und Kulturen kam. Sie war Christin, er Muslim.

Die Bestattung begleitete ein evangelischer Pastor. Es war so traurig. Nicht nur wegen des Kindes. Der Pastor legte eine klassisch evangelische Beerdigung hin. Kein Wort von den verschiedenen Kulturen. Kein Wort davon, was es für die Familie bedeutet, dass dieses Kind gestorben ist. Keinerlei Text oder Gebet aus der muslimischen Tradition. Die Herkunft des Vaters, seine Bedürfnisse und das religiöse Empfinden der Hälfte der Trauergäste wurden schlichtweg ignoriert.

Diese Beerdigung fiel mir wieder ein, als ich heute auf eine Arbeitshilfe gestoßen bin, die sich dieses Themas annimmt.

«Zu Ihm kommt ihr alle zurück»
Handreichung für christlich-muslimische Trauerfälle

Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen, behandelt die Arbeitshilfe die Themen Gericht und Auferstehung, Sterben und Begräbnis und gibt Hinweise auf Materialien und nützliche Literatur.

Aus der Einleitung:

“Die Zahl der religionsverschiedenen Ehen hat zugenommen. Es kommt immer öfter vor, dass bei einem Trauerfall Menschen islamischen Glaubens mit betroffen sind, sei es dass sie zu den engsten Angehörigen zählen oder dass sie zum familiären Umfeld oder zum Freundes- und Bekanntenkreis gehören. Die pastorale Begleitung eines solchen Trauerfalls muss islamische Gegebenheiten und Gefühle berücksichtigen, ebenso die Gestaltung der Trauerfeier.

Doch worauf ist besonders zu achten? Mit welchen Vorstellungen und Erwartungen ist bei muslimischen Beteiligten zu rechnen? Worauf kann und soll bei einer christlichen Beerdigung Rücksicht genommen werden? Dies können Fragen sein, die eine Pfarrerin oder einen Pfarrer beschäftigen.”

Doch nicht nicht nur für Pfarrerinnen und Pfarrer ist das Thema interessant. Auch Bestatter, Trauerredner und Friedhofsmitarbeiter treffen immer häufiger auf gemischt religiöse Trauergemeinschaften.

Die Arbeitshilfe betont:

“Es handelte sich bei der beschriebenen Liturgie nicht um eine interreligiöse Feier.Vielmehr war es eine katholische Beerdigung, in die ergänzend einzelne Elemente aus der Praxis muslimischer Beisetzungen Eingang gefunden hatten. Aus dem muslimischen Ritus war im Anschluss an die Beerdigung die Rezitation aus dem Koran hinzugekommen. Erde ins Grab zu werfen, ist in beiden Religionen gebräuchlich.”

Alle anderen Berufsgruppen sind freier, sie müssen nicht eine bestimmte Liturgie vertreten. Sie können einfach die Angehörigen fragen, wie eine Gestaltung der Trauerfeier aussehen könnte in der beide religiösen Traditionen zu ihrem Recht kommen. Die Angehörigen sind dann selbst die Experten ihres Lebens, auch ihres Abschiedes.

Die Arbeitshilfe nimmt sich eines wichtigen Themas an und enthält Texte und Gebete aus dem Christentum und dem Islam. Deshalb nehme ich sie gerne zur Hand.

Erhältlich online oder bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Fachstelle Migration, Speichergasse 29, 3011 Bern

© Bern 2008 Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn/ Fachstelle Migration und Katholische Fachstelle Kirche im Dialog, Bern.

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Einmal im Leben Kaiser sein – Krematorium Niederrhein Willich offiziell eröffnet

Montag, 31. August 2009 10:37

Am vergangenen Freitag wurde das neue Krematorium Niederrhein Willich offiziell eröffnet. Betreiber ist die Facultatieve Gruppe, die verschiedene Krematorien und Begräbnisstätten in den Niederlanden und Deutschland (Memmingen) betreibt. Seit dem Frühjahr 2009 finden hier Kremationen statt, die Feierhallen wurden in den vergangenen Monaten fertig gestellt.

Der Innenhof

Der Innenhof

Am Samstag 29.08. wurde zum Tag der offenen Tür eingeladen. Ich war in der Nähe, hatte also Gelegenheit mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. [...]

Thema: Bestatter, Friedhof, Trauer | Kommentare (1) | Autor: