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Umsätze eines Trauerredners unterliegen nicht dem ermäßigten Umsatzsteuersatz

Montag, 7. Juni 2010 11:14

Ein selbstständiger Trauerredner schließt mit den Angehörigen verstorbener Personen einen Vertrag, wonach er aufgrund der im gemeinsamen Gespräch gewonnenen Informationen über den Verstorbenen und nach individuellen Wünschen und Bedürfnissen eine auf den Verstorbenen zugeschnittene schriftlich abgefasste Trauerrede erstellt und diese vorträgt. Das Manuskript der Traueransprache hät er für die Angehörigen bereit. Ferner können Tonband- und Bildaufnahmen während der Trauerfeier anfgefertigt werden.

Mit den Auftraggebern vereinbarte er Pauschalhonorare. Die Honorare unterwarf er dem ermäßigten Steuersatz, weil er meinte mit seinen Trauerreden urheberrechtlich geschützte Werke zu erstellen. Mit dieser Ansicht konnte er sich nicht durchsetzen.

Die Steuerermäßigung setzt voraus, dass das Recht zur Verwertung des Werks, insbesondere durch Vervielfältigung und Verbreitung, eingeräumt und nicht nur die bestimmungsgemäße Benutzung gestattet wird.

Die Übertragung der Rechte nach dem Urheberrecht stellen nicht den Schwerpunkt des umsatzsteuerbaren Vorgangs dar. Bei einem Trauerredner wird das Pauschalhonorar hauptsächlich für das Halten der Trauerrede und nicht für die Übergabe des bereitgehaltenen Trauermanuskripts gezahlt.

Auch die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung eines Trauerredners als Publizist in der Künstlersozialversicherung als versicherungspflichtig ist für die umsatzsteuerrechtliche Beurteilung seiner Umsätze unerheblich.

(Quelle: Urteil des Bundesfinanzhofs vom 21.10.2009, V R 8/08)

Thema: Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

#April bemerkenswerte Trauerreden: Hans Filbinger

Freitag, 16. April 2010 11:02

Vor kurzem habe ich einen alten Herrn kennengelernt. Er hat den Krieg als Soldat selbst erlebt. Mit 18 Jahren wurde er in die Wehrmacht eingezogen und kämpfte in Russland. Er beschrieb das grausame System der Abschreckung. Die jungen Soldaten mussten einer Hinrichtung beiwohnen, bei der ein Desserteur erschossen wurde. Die Angst vor dem Tod als Deserteur sollte größer sein als die Angst vor dem Tod als Soldat an der Front. Wir sprachen auch über Hans Filbinger.

Hans Filbinger starb am 1. April 2007 und ist in einem Vorort von Freiburg beigesetzt.

Die Trauerrede des früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Günter Oettinger zum Tod von Hans Filbinger gehört zu den umstrittendsten Trauerreden der jüngeren Vergangenheit. Die Diskussionen flammte wieder auf, als Günther Oettinger als EU-Kommissar für Energiefragen nach Brüssel wechselte.

Die vollständige Rede wurde auf  Spiegel Online veröffentlicht. Der umstrittene Passus lautet:

“Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. (…) Es bleibt festzuhalten: Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.”

Oettinger wurde für diese Aussagen von verschiedenen Seiten stark krititisiert. Später hat sich Günther Oettinger, wohl aufgrund des öffentlichen Druckes, von seiner Rede distanziert und die Missverständnisse wegen seiner Trauerrede für Hans Filbinger bedauert.

Die Justiz der Wehrmacht  war für den Tod Zehntausender deutscher Soldaten verantwortlich, die als „Deserteure“ oder „Wehrkraftzersetzer“ aufgehängt oder erschossen wurden. Der alte Herr war damals ein junger Mann, der sich mit seinem Heimatland identifizierte. Ihn haben die Bilder des erschossenen Kameraden und die Angst des jungen Frontsoldaten geprägt.

Dieser Artikel ist Beitrag 4 von 8 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Gräber des Krieges, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

#März bemerkenswerte Trauerreden: die Opfer von Winnenden

Mittwoch, 24. März 2010 10:24

Ein Jahr ist es her. “Schon ein Jahr” für diejenigen, die sich wieder an die Tage im März 2009 erinnern, als ganz Deutschland betroffen war vom Amoklauf. “Erst ein Jahr” für diejenigen, die unmittelbar betroffen sind. Sie erinnern sich täglich, denn der Tod hat ihnen das Kind, die Schwester, den Bruder, die Freundin, den Freund genommen und das eigene Leben grundlegend verändert.

Zur Selbstachtung gehört es, dass man „Nein“ sagt zu Dingen, die man für schlecht hält – auch wenn sie nicht verboten sind.

Bemerkenswert ist die Rede von Bundespräsident Horst Köhler bei der zentralen Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs in Winnenden und Wendlingen am 22.3.2009  Die gesamte Rede finden Sie hier.

Dieser Artikel ist Beitrag 3 von 8 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Till we meet again

Montag, 15. Februar 2010 16:00

till we meet again brother

bis wir uns wiedersehen

Ungewöhnliche Lebensläufe führen zu ungewöhnlichen Beerdigungen. Beerdigt wird ein Mann,  Mitglied eines Motorradclubs. Über achtzig Jahre alt ist er geworden, als junger Mann war er Soldat und kämpfte in Nordafrika. Er selbst ist nie Motorrad gefahren, doch die Mitglieder haben ihn in ihre Familie aufgenommen. Eine eindrucksvolle Erscheinung war er, lange weiße Haare, Lederklamotten, indianisch anmutendes Gesicht, das Emblem des Clubs bedeckte als Tattoo seinen ganzen Rücken. Er hat den Jüngeren, die knapp bei Kasse waren, manchmal “den Tank voll gemacht.” Ich durfte in der Vorbereitung für die Trauerrede ein paar Videos von den Treffen des Motorradclubs anschauen. Rauhe Sitten, kann ich nur sagen.

Entstanden ist eine Mischung aus traditionellem Begräbnis auf einem mittelhessischen Dorffriedhof und einem Rockertreffen. An die dreihundert Mitglieder des Clubs in voller Montur aus ganz Europa kommen zur Beerdigung. Es ist Winter, wegen der klirrenden Kälte stehen nur wenige Motorräder vor dem Friedhof, die meisten Trauergäste steigen aus vollbesetzten Autos aus. Einige Teile der Rede wiederhole ich auch auf Englisch, denn die Trauergäste aus Polen, aus Dänemark und Belgien wollen auch mit einbezogen sein.

Der Sarg wird durch ein Spalier von Fackeln hindurch zum Grab getragen, begleitet von „Stairways to heaven” von Led Zeppelin. Die Träger sind die Männer des eigenen Chapters. Sie zeigen eine raue Berührtheit, knappe von Herzen kommende Worte. „Till we meet again Brother – Ride free with our foreever chapter, my hand, my heart, till the end.” -  Bis wir uns wiedersehen, Bruder. Fahre von nun an mit den Brüdern, die sich in der Ewigkeit wieder gefunden haben. Dort sitzen sie immer noch auf ihren Maschinen. Jenseitshoffnung, Jenseitserwartung, Weiterleben nach dem Tod, diese Gruppe hat ihre eigenen Bilder dafür gefunden.

Thema: Friedhof, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

#Jan bemerkenswerte Trauerreden: Caroline Boss

Donnerstag, 28. Januar 2010 10:00

Weit verstreut in den Weiten des Internets gibt es eine Reihe bemerkenswerter Trauerreden, für prominente und namentlich unbekannte Menschen. In dieser Reihe gebe ich am Ende jeden Monats einen Hinweis, wo eine dieser bemerkenswerten Rede zu finden ist. In der Auswahl der Reden spiegelt sich die öffentliche Sichtbarkeit von Frauen und Männern wieder, bei den Verstorbenen und den Rednerinnen und Rednern. Ich freue mich über Hinweise von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, besonders über Hinweise auf Reden von und über Frauen.

Trauerrede zur Beerdigung von Caroline Boss.
gestorben am 7. Januar 2010

Ich begriff, dass Krebs kein Grund ist, sich aufzugeben. Im Gegenteil: Er ist ein Grund, das Leben erst recht zu beginnen

annabelle ist ein Schweizer Frauenmagazin: Mode, Beauty, Shopping, Reise, Liebe, Kochen, Gesundheit, Wohnen, Kultur. Ausgerechnet hier finde ich die Trauerrede für den Beginn meiner neuen Serie “Bemerkenswerte Trauerreden”. Artikel über Caroline Boss aus annabelle 10/08

Dieser Artikel ist Beitrag 2 von 8 Beiträgen der Artikel-Serie Bemerkenswerte Trauerreden.

Thema: Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky

Trauerrede anno 1753

Montag, 10. August 2009 11:00

Google Book Search ist eine Dienstleistung des US-amerikanischen Unternehmens Google Inc. mit dem Ziel, das in Büchern gespeicherte Wissen der Welt vorwiegend durch Digitalisierung für die Volltextsuche verfügbar zu machen. (Quelle: Wikipedia) Seit 2007 kooperiert die Bayerische Staatsbibliothek in München mit dem Projekt.  Eine Million urheberrechtsfreier Werke aus den historischen Beständen werden digitalisiert zur Verfügung gestellt.

So die hier zitierte Trauerrede aus dem Jahr 1753. Diese Veröffentlichung, die “kurze aber wehemuthvolle Trauer-Rede auf den weyland Mann und wehrhaften Herrn, Herrn Joseph Anton von Bandel, welchen, zum Leidwesen der ganzen Christenheit, ohnlängstens der Schlagfluss ins Gehirne und in den Beutel getroffen” liest sich wie eine Satire. “Doch halt ein du Thränen-Bach! Stillet euch ihr Schmerzen! Bandel! Der streitende Ritter ist zu seiner Ruhe gekommen.” Das Bedauern hält sich in Grenzen, die Rede gleich einem Nachtritt. “Schall, Knall und Fall aus dem groben Geschütze, denn der Teufel lässet gerne beym Abschied einen Gestanck hinter sich zurücke.”

Thema: Kurios bis Seltsam, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: Birgit Aurelia Janetzky