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Und ewig sucht der Trauerredner…

Mittwoch, 25. März 2009 9:55

… nach geeigneten Texten

Meine Freundin ist Trauerrednerin. Sie lebt mit Gedichten. Sie lebt von Gedichten. Ich bewundere sie, denn unsere Gespräche unterbricht sie immer wieder, um zu einem bestimmten Stichwort ein Gedicht zu rezitieren. Ich kann das nicht. In ihren Regalen stehen ungelogen fünf Meter Gedichtbände, thematisch und nach Autor/innen sortiert. Aus fast jedem Band ragen kleine Zettelchen heraus, Markierungen aus stillen Stunden des Zwiegespräches mit bewegender Lyrik. Ein unerschöpfliches Reservoir an Sprachbildern, die sie gekonnt einzusetzen weiß in ihren Trauerreden.

Wenn ich diesen Schatz digitalisiert auf meinem PC hätte. Wie leicht wäre es mit einer Stichwortsuche diesen Schatz zu erschließen…

Zum Glück gibt es online die Anthologie des Herrn Bohn. Sie ist nur ein kleiner Bruder der Gedichtsammlung meiner Freundin. Doch als ich sie vor 10 Jahren (!) entdeckte, schlug auch mein Herz höher. Andere Portale mit Todes- und Trauerlyrik die ich kenne, enthalten die immer selben Texte. Der Schatz des Herrn Bohn enthält einige Perlen. Aber vielleicht hat ja noch ein Leser/ eine Leserin einen  Hinweis auf eine gute Sammlung im Internet für mich parat.

Thema: Empfehlungen, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor:

“Gestorben wird immer!”

Mittwoch, 25. Februar 2009 9:51

Kaum spreche ich mit Menschen über meine Arbeitsbereiche, rutscht bei der Hälfte meiner Gesprächspartner/innen “Gestorben wird immer” über die Lippen. Wer in der Bestattungsbranche arbeitet, habe es deshalb gut, so die uninformierte Vermutung. Weniger gut haben es die Banker oder Autobauer, denn deren Geschäft ist nicht krisensicher. Hört und liest man ja jetzt überall.  Ohne Banken und ohne Auto könnte man leben, aber ohne den Tod….

Meistens überhöre ich bewusst und entschieden diese Bemerkung. Nein, ich will nicht erklären, dass die Bestattungsbranche auch den Regeln eines Marktes unterworfen ist.  Dass die Sterbezahlen einer Stadt eine Obergrenze haben und auf den einzelnen Bestatter mehr bestattungspflichtige Tote kommen, wenn es acht Beerdigungsinstitute gibt statt zwölf. Dass die Billigbestatter sich gegenseitig mit psychologischen Preisen unterbieten,  sodass ich mich frage: wieviel kostet dort der Posten “Würde” wohl zusätzlich. Dass die Menschen, die gerade reihenweise ihren Arbeitsplatz verlieren, natürlich bei der Bestattung sparen müssen.

Nein, all dies erkläre ich meinen Gesprächspartner/innen nicht. Denn sie haben ja recht: gestorben wird immer.

Thema: Bestatter, Trauerredner | Kommentare (0) | Autor: